Asyl­be­wer­ber: Rufe nach bes­se­rer psy­cho­lo­gi­scher Betreuung

Flüchtlinge - Balkanroute - Bettlaken - Germany help - MenschenFoto: Flüchtlinge auf der Balkanroute, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Nach dem Mes­ser­at­ten­tat in Würz­burg bemän­geln Innen­po­li­ti­ker Defi­zi­te bei der psy­cho­lo­gi­schen Betreu­ung von Asylbewerbern.

Es sei wich­tig, dass Asyl­su­chen­de „bei Bedarf Zugang zu psy­cho­lo­gi­scher Hil­fe bekom­men, um eine Eigen­ge­fähr­dung und eine Gefähr­dung ande­rer Men­schen zu ver­hin­dern”, sag­te der innen­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Mathi­as Mid­del­berg, der „Welt”. Wer­de bei der Unter­brin­gung oder im Asyl­ver­fah­ren eine drin­gen­de psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung offen­sicht­lich, „soll­te ein Aus­tausch mit den zustän­di­gen Stel­len statt­fin­den”. Es sei aller­dings offen, ob die Tat in Würz­burg auf feh­len­de psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung zurück­zu­füh­ren sei, so Mid­del­berg. Des­halb dürf­ten kei­ne vor­schnel­len Schlüs­se gezo­gen wer­den. Bei Hin­wei­sen auf eine Radi­ka­li­sie­rung sei die Bera­tungs­stel­le „Radi­ka­li­sie­rung” des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge ein wich­ti­ges Instru­ment. „Jeder, der merkt, dass jemand in sei­nem Umfeld extre­mis­ti­sche Ten­den­zen zeigt, kann und soll­te sich dort­hin wenden”.

In der Links­frak­ti­on beklagt die innen­po­li­ti­sche Spre­che­rin Ulla Jel­pke man­geln­de Kapa­zi­tä­ten. „Die psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ungs- und Behand­lungs­si­tua­ti­on für Geflüch­te­te muss drin­gend ver­bes­sert wer­den. Spe­zia­li­sier­te Behand­lungs­ein­rich­tun­gen mah­nen schon seit Jah­ren, dass es viel zu weni­ge Behand­lungs­mög­lich­kei­ten in die­sem Bereich gibt.” Genau­so wich­tig sei es, „dass Geflüch­te­te offen auf­ge­nom­men wer­den, hier in Ruhe ankom­men kön­nen und dass sie bei der Inte­gra­ti­on und Arbeits­auf­nah­me unter­stützt wer­den. Denn eine schnel­le Inte­gra­ti­on wäre für vie­le die ‘bes­te Therapie‘.”

In der Pra­xis sehe es anders aus, so Jel­pke: „Geflüch­te­te wer­den in Mas­sen­la­gern oder Obdach­lo­sen­un­ter­künf­ten mit ihnen frem­den Men­schen unter­ge­bracht, oft fern­ab von der übri­gen Bevöl­ke­rung. Das Leben in soge­nann­ten Anker-Zen­tren ist eine gro­ße psy­chi­sche Belas­tung für die Men­schen, die durch die Sach­leis­tungs­ver­pfle­gung zusätz­lich ent­mün­digt wer­den”. Nur weni­ge Grup­pen bekä­men einen früh­zei­ti­gen Zugang zu Inte­gra­ti­ons­kur­sen. „Psy­chisch trau­ma­ti­sier­te Men­schen wer­den unter den gege­be­nen Bedin­gun­gen der hie­si­gen Abschre­ckungs­po­li­tik nicht sta­bi­li­siert, son­dern zusätz­lich belastet”.

Filiz Polat, migra­ti­ons­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Frak­ti­on, sieht eben­falls gro­ße Defi­zi­te. Es bedür­fe auch eines „spe­zi­el­len Ange­bots für trau­ma­ti­sier­te Geflüch­te­te”. Wie­der­holt hät­ten Fach­ver­bän­de vor einem hohen unge­deck­ten Bedarf bei Psy­cho­the­ra­pie und psy­cho­so­zia­ler Unter­stüt­zung gewarnt; die Kapa­zi­tä­ten der psy­cho­so­zia­len Zen­tren für Flücht­lin­ge und Fol­ter­op­fer lägen nach wie vor weit unter dem Bedarf. „Von einem flä­chen­de­cken­den und bedarfs­ge­rech­ten Ange­bot für trau­ma­ti­sier­te Geflüch­te­te sind wir mei­len­weit ent­fernt”, so Polat.

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