Bial­lo: Immer mehr Ban­ken berech­nen Kun­den Straf­zin­sen für ihr Geld

Skyline Frankfurt - Wolkenkratzer - Hochhäuser - Frankfurt am MainFoto: Sicht auf die Skyline Frankfurt (Frankfurt am Main), Urheber: dts Nachrichtenagentur

Immer mehr Ban­ken und Spar­kas­sen in Deutsch­land ver­lan­gen von ihren Kun­den Negativzinsen.

Dies zeigt eine Umfra­ge des Inter­net-Ver­gleichs­por­tals Bial­lo im Auf­trag der „Süd­deut­schen Zei­tung” (Mon­tags­aus­ga­be). Geld kos­tet das vor allem Geschäfts­kun­den. Aber auch ver­mö­gen­de Pri­vat­kun­den wer­den von etli­chen Insti­tu­ten zur Kas­se gebe­ten, in der Regel ab einer Sum­me von 100.000 Euro wer­den dann soge­nann­te Straf­zin­sen fällig

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) hat­te in der ver­gan­ge­nen Woche ange­kün­digt, ihre Poli­tik der Null- und Nega­tiv­zin­sen bei­zu­be­hal­ten. In der Umfra­ge wur­den mehr als 1.200 Geld­in­sti­tu­te befragt. Von den gut 160, die ant­wor­te­ten, gaben 107 Ban­ken und Spar­kas­sen an, Nega­tiv­zin­sen zu berech­nen. Dar­un­ter ver­lang­ten fast alle von ihren Fir­men­kun­den die­se Art von Straf­zins. 30 Insti­tu­te for­der­ten auch von Pri­vat­kun­den Geld für die Ver­wah­rung von Ein­la­gen in Höhe von min­des­tens 100.000 Euro.

Bei knapp zwei Drit­tel betrug der nega­ti­ve Ein­la­ge­zins 0,4 Pro­zent pro Jahr. Das ent­spricht den 0,4 Pro­zent Straf­zin­sen, die Kre­dit­in­sti­tu­te zah­len müs­sen, wenn sie Geld bei der EZB par­ken. Bei einer Mil­li­on Euro sind dies im Jahr 4.000 Euro. Meh­re­re Ban­ken kün­dig­ten in der Umfra­ge außer­dem an, Nega­tiv­zin­sen ein­zu­füh­ren, wenn die Noten­bank ihren Ein­la­ge­zins wei­ter senkt.

Die EZB geht davon aus, dass die Zin­sen min­des­tens über die ers­te Hälf­te des Jah­res 2020 auf ihrem aktu­el­len Niveau oder „dar­un­ter” blei­ben wer­den. Es gilt damit als mög­lich, dass die Noten­bank den Straf­zins in naher Zukunft erhö­hen könn­te. Horst Bial­lo, Grün­der und Chef des gleich­na­mi­gen Finanz­por­tals, rech­net aber nicht damit, dass nun Ban­ken und Spar­kas­sen in gro­ßem Stil auch von Pri­vat­kun­den mit klei­ne­ren Ver­mö­gen Straf­zin­sen kas­sie­ren wol­len: „Das wür­de dem Image zu sehr scha­den, weil man damit Kun­den ver­prellt.” Er geht davon aus, dass die Geld­in­sti­tu­te wei­ter die Gebüh­ren für Giro­kon­ten erhö­hen, ohne viel dar­über zu reden.

Der Umfra­ge zufol­ge haben bereits im ers­ten Halb­jahr 2019 knapp ein Fünf­tel der Insti­tu­te bei den Gebüh­ren für Giro­kon­ten drauf­ge­sat­telt. „Wenn Kun­den auf ein Mal 5,50 statt 4,50 Euro im Monat Grund­ge­bühr für Giro­kon­to abge­bucht wird, fällt das nicht so auf”, sag­te Bial­lo. Er rät davon ab, viel Geld auf Kon­ten ohne Zin­sen oder mit Minus­zin­sen lie­gen zu las­sen. „Das ist eine mie­se Geld­an­la­ge, erst Recht, weil die Infla­ti­on das Ver­mö­gen wei­ter redu­ziert.” Ohne­hin ist der Spiel­raum der Finanz­in­sti­tu­te begrenzt, wenn sie an den Nega­tiv­zin­sen dre­hen wol­len, zumin­dest wenn es um Tages- oder Fest­geld geht. „Ein­la­gen sind recht­lich Dar­le­hen des Kun­den an die Bank, dafür darf die Bank nicht mit­tels Preis­aus­hang soge­nann­te Nega­tiv­zin­sen ver­lan­gen”, sag­te Niels Nau­hau­ser von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Baden-Würt­tem­berg, die schon erfolg­reich gegen Nega­tiv­zin­sen geklagt hat. Indi­vi­du­el­le Ver­ein­ba­run­gen fürs Ver­wah­ren grö­ße­rer Sum­men sei­en aber möglich.

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