BMI: Deutsch­land will Ima­me aus­bil­den – Pilot­pro­jekt in Osnabrück

Muslime - Moschee - Gebet - Islam - GläubigeFoto: Gläubige Muslime beim Gebet in einer Moschee, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Der deut­sche Staat will künf­tig zusam­men mit isla­mi­schen Ver­bän­den Ima­me in Deutsch­land ausbilden.

Nach Infor­ma­tio­nen der „Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung” soll ein bun­des­wei­tes Pilot­pro­jekt am Don­ners­tag (21. Novem­ber) in Osna­brück anlau­fen. Zusam­men mit der Uni­ver­si­tät Osna­brück soll ein soge­nann­tes „Islam­kol­leg” gegrün­det werden.

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um (BMI) erklär­te gegen­über der „NOZ”, es ste­he in engem Kon­takt mit Uni und Ver­bän­den – „auch mit Blick auf eine ange­frag­te mög­li­che Unter­stüt­zung des Modell­vor­ha­bens im Rah­men der Pro­jekt­för­de­rung”. Wie aus Unter­la­gen her­vor­geht, die der Redak­ti­on vor­lie­gen, sieht der Bund in sei­nem Haus­halt für 2020 einen zusätz­li­chen Pos­ten vor. Mit 400.000 Euro soll ein „Modell­pro­jekt zur Aus­bil­dung reli­giö­sen Per­so­nals isla­mi­scher Gemein­den” finan­ziert werden.

In einem Trä­ger­ver­ein sol­len Islam­ver­bän­de und Ein­zel­per­so­nen Mit­glied wer­den, etwa der Zen­tral­rat der Mus­li­me in Deutsch­land. Des­sen Vor­sit­zen­der, Aiman Mazy­ek, sag­te der NOZ: „Das ist die Königs­dis­zi­plin. Für uns war es immer ein gro­ßes Anlie­gen, dass Ima­me in Deutsch­land aus­ge­bil­det wer­den kön­nen.” Dazu soll­ten theo­lo­gi­sche Zen­tren ein­ge­bun­den und gleich­zei­tig reli­gi­ons­ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­ben exakt ein­ge­hal­ten wer­den. Das Kol­leg kön­ne sich an der Pries­ter- und Rab­bi­ner­aus­bil­dung ori­en­tie­ren. Es sei wün­schens­wert, dass das Pro­jekt, das nun in Osna­brück anlau­fe, andern­orts modell­ar­tig über­nom­men wer­den, sag­te Mazyek.

Die Grü­nen begrü­ßen das Pro­jekt. „Das ist ein Para­dig­men­wech­sel in der deut­schen Islam­po­li­tik”, sag­te deren Obfrau im Innen­aus­schuss, Filiz Polat. Die Abge­ord­ne­te lob­te die „star­ke Signal­wir­kung für mus­li­mi­sches Leben in Deutsch­land”. Durch die Aus­bil­dung von Ima­men wür­den die Geist­li­chen finan­zi­ell und struk­tu­rell unab­hän­gig von ande­ren Staa­ten wie der Tür­kei. Einer der bei­den größ­ten Islam­ver­bän­de Nie­der­sach­sens, der tür­ki­sche Ver­band Ditib, äußer­te sich kri­tisch zu den Plä­nen. „Es ist nicht Auf­ga­be des Staa­tes, Ima­me aus­zu­bil­den, son­dern Auf­ga­be der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten”, sag­te der Vor­sit­zen­de von Ditib Nie­der­sach­sen und Bre­men, Ali Ünlü. Er ver­wies dar­auf, dass Ima­me in der Tür­kei in ihre Auf­ga­be hineinwachsen.

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