Fami­li­en­nach­zug: 11.000 Flücht­lin­ge war­ten noch auf Termin

Flüchtlinge - Menschen - Aufnahmestelle - Koffer - Boden - Wiese - SitzedeckeFoto: Flüchtlinge an einer Aufnahmestelle, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Knapp 11.000 Ange­hö­ri­ge von Flücht­lin­gen war­ten auf einen Ter­min in deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen für ein Visum zum Familiennachzug.

Ins­ge­samt 10.974 Ter­min­an­fra­gen für einen Fami­li­en­nach­zug zu einem Geflüch­te­ten mit sub­si­diä­ren Schutz­sta­tus lie­gen laut Bun­des­re­gie­rung Stand Ende März bei diver­sen Bot­schaf­ten vor, etwa im Liba­non, im Nord­irak oder in der Tür­kei. Das geht aus der Ant­wort einer Anfra­ge der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag her­vor, über die die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Diens­tag­aus­ga­ben) berichten.

Die Zahl der monat­lich erteil­ten Visa für den Nach­zug zu sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten liegt laut Bun­des­re­gie­rung wei­ter­hin deut­lich unter der per Gesetz beschlos­se­nen Gren­ze von 1.000 Per­so­nen pro Monat. Im Janu­ar 2021 erteil­ten die deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen dem­nach nur 264 Visa für den Fami­li­en­nach­zug zu einem Geflüch­te­ten in Deutsch­land. Im Febru­ar waren es 473, im März 442 und im April 363 Visa.

2018 hat­ten sich Uni­on und SPD nach einem lan­gen Streit auf ein Kon­tin­gent für den Fami­li­en­nach­zug von sub­si­di­är geschütz­ten Flücht­lin­gen nach Deutsch­land geei­nigt, nach dem bis zu 1000 Ange­hö­ri­ge pro Monat kom­men kön­nen. Die Innen­ex­per­tin der Links­frak­ti­on im Bundestag,

Ulla Jel­pke, kri­ti­sier­te die Bun­des­re­gie­rung scharf. „Es ist eine Schan­de, dass der­zeit nur weni­gen hun­dert Ange­hö­ri­gen von sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten im Monat der Fami­li­en­nach­zug ermög­licht wird – das ent­spricht nicht ein­mal der Hälf­te des ohne­hin ver­fas­sungs­wid­ri­gen Kon­tin­gents”, sag­te Jel­pke den Fun­ke-Zei­tun­gen. Vie­le betrof­fe­ne Fami­li­en sei­en „nun schon seit Jah­ren getrennt, häu­fig geht es um Eltern mit Kin­dern, deren all­täg­li­ches Lei­den man sich kaum vor­stel­len kann”.

Jel­pke hob her­vor: „Hier muss drin­gend etwas pas­sie­ren.” Die Bun­des­re­gie­rung teil­te in der Ant­wort an die Links­par­tei mit: „Durch Per­so­nal­auf­sto­ckung und tem­po­rä­re Ver­stär­kung im Rah­men von Abord­nun­gen wur­den zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten geschaf­fen.” Mit­tel­fris­tig sei daher „mit einer beschleu­nig­ten Annah­me und Bear­bei­tung der Visum­an­trä­ge” zu rech­nen, ins­be­son­de­re nach Weg­fall der pan­de­mie­be­ding­ten Einschränkungen.

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