Finanz­amt: Behör­den ver­zeich­nen 351 Mil­lio­nen Euro Zinsminus

Finanzamt - Gebäude - SchriftzugFoto: Gebäude eines Finanzamtes, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Die Finanz­äm­ter haben mehr Erstat­tungs­zin­sen an Steu­er­pflich­ti­ge gezahlt, als sie auf der ande­ren Sei­te Nach­zah­lungs­zin­sen ein­ge­nom­men haben.

Unter dem Strich steht für 2020 ein Minus von 351 Mil­lio­nen Euro, geht aus einer Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge der FDP-Frak­ti­on her­vor, über die die „Welt am Sonn­tag” berich­tet. Es ist bereits das zwei­te Jahr in Fol­ge, dass der Staat durch die Ver­zin­sung von Steu­er­nach­for­de­run­gen und Steu­er­erstat­tun­gen einen Ver­lust macht. Noch im Jahr 2017 stand ein Zins­ge­winn von 367 Mil­lio­nen Euro zu Buche, 2018 waren es plus 26 Mil­lio­nen Euro, 2019 minus 553 Mil­lio­nen Euro.

Die Zah­len sind des­halb hei­kel, weil der Staat sich seit Lan­gem mit Bür­gern über die Höhe des gesetz­lich fest­ge­leg­ten Zins­sat­zes strei­tet. Die­ser liegt seit 60 Jah­ren für Steu­er­nach­zah­lun­gen und Steu­er­erstat­tun­gen bei 0,5 Pro­zent pro Monat – also bei sechs Pro­zent pro Jahr. Das ist ange­sichts der aus­ge­präg­ten Nied­rig­zins­pha­se an den Kapi­tal­märk­ten schon lan­ge nicht mehr zeit­ge­mäß, wen­den Kri­ti­ker ein. „Der Wucher-Zins des Finanz­amts wur­de unter Bun­des­kanz­ler Ade­nau­er ein­ge­führt und gehört umge­hend refor­miert”, sag­te der Abge­ord­ne­te Mar­kus Herb­rand, Finanz­ex­per­te der FDP, der „Welt am Sonntag”.

Erneut abzu­war­ten – wie bei der Grund­steu­er oder der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er -, bis das Ver­fas­sungs­ge­richt eine klar erkenn­bar ver­fas­sungs­wid­ri­ge Rege­lung wider­ru­fe, ent­spre­che nicht dem Maß­stab, dem der Gesetz­ge­ber genü­gen soll­te. Dass in den Jah­ren 2019 und 2020 der Staat mehr Zin­sen an die Bür­ger zahl­te, als er umge­kehrt ein­nahm, lässt sich mit einer Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs aus dem Jahr 2018 erklä­ren. Seit die dor­ti­gen Rich­ter Zwei­fel äußer­ten, ob die sechs Pro­zent noch ver­fas­sungs­ge­mäß sind, kann jeder Steu­er­zah­ler bean­tra­gen, dass die Voll­zie­hung der Zins­zah­lung aus­ge­setzt wird. Er muss so lan­ge kei­ne Zin­sen auf ver­spä­te­te Steu­er­zah­lun­gen über­wei­sen, bis die Fra­ge vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geklärt ist. Je nach Aus­gang erhält der Staat nach­träg­lich noch Geld. Wann die Ent­schei­dung fällt, ist offen.

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