Ham­burg: Jus­tiz­be­hör­de mel­det ers­ter Coro­na-Fall in Gefängnis

Gefängnis - Mauern - Gitter - Fenster - Gitter-Fenster Foto: Ein Gefängnis, Urheber: dts Nachrichtenagentur

In Ham­burg mel­det die Jus­tiz­be­hör­de den ers­ten Fall eines mit dem Coro­na-Virus infi­zier­ten Gefangenen.

Der Inhaf­tier­te sei in der Haft­an­stalt iso­liert und die Kon­takt­per­so­nen der ver­gan­ge­nen Tage bereits ermit­telt wor­den, berich­ten die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Diens­tag­aus­ga­ben). Es sei der bis­her ers­te Coro­na-Fall in einer deut­schen Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt, berich­ten die Zei­tun­gen unter Beru­fung auf eine Umfra­ge in den Bundesländern.

Eini­ge Bun­des­län­der hät­ten jedoch die Aus­kunft über mög­li­che Coro­na-Fäl­len in Gefäng­nis­sen ver­wei­gert. Um eine Infek­ti­on mit dem neu­ar­ti­gen Virus in den Haft­an­stal­ten zu ver­hin­dern, sei­en die Ersatz­frei­heits­stra­fen aus­ge­setzt wor­den, berich­ten die Zei­tun­gen wei­ter. Außer­dem hät­ten alle Bun­des­län­der am Mon­tag die län­der­über­grei­fen­den Gefan­ge­nen­trans­por­te gestoppt.

Elf von 16 Län­dern hät­ten die Besu­che von Inhaf­tier­ten ein­ge­stellt, fünf hät­ten sie stark ein­ge­schränkt und erlaub­ten sie nur hin­ter Trenn­wän­den. Eini­ge Län­der hät­ten die Auf­la­gen vor­erst bis zum 19. April 2020 befris­tet, berich­ten die Zei­tun­gen der Funke-Mediengruppe.

Im rhein­land-pfäl­zi­schen Worms sei eine Jugend­ar­rest­an­stalt auf­grund der Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men in der Coro­na-Kri­se kom­plett geschlos­sen und der Arrest aus­ge­setzt wor­den. Einen Coro­na-Fall habe es in der Jugend­haft­an­stalt nicht gegeben.

Unter­des­sen hat die Gewerk­schaft Straf­voll­zug vor Eng­päs­sen an Schutz­aus­rüs­tung vor Coro­na-Infek­tio­nen in deut­schen Gefäng­nis­sen gewarnt. „Des­in­fek­ti­ons­mit­tel droht knapp zu wer­den, und dann stellt sich die Fra­ge der zen­tra­len Ver­sor­gung und Zutei­lung”, sag­te der Bun­des­vor­sit­zen­de vom Bund der Straf­voll­zugs­be­diens­te­ten (BSBD), René Mül­ler, den Zei­tun­gen der Funke-Mediengruppe.

In allen Anstal­ten sei­en Qua­ran­tä­ne-Sta­tio­nen ein­ge­rich­tet, dort sol­le das Per­so­nal mit Schutz­an­zü­gen, Mund­schutz und Schutz­bril­len bereits aus­ge­rüs­tet und ein­ge­wie­sen sein. „Die Aus­rüs­tun­gen, wie sie auch medi­zi­ni­sches Per­so­nal im Umgang mit Infi­zier­ten benö­tigt, sind nicht über­all vor­han­den”, hob der BSBD-Bun­des­vor­sit­zen­de her­vor. Ob die Bun­des­län­der bei der Beschaf­fung von Schutz­aus­rüs­tung und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln über­for­dert sei­en, kön­ne er nicht beurteilen.

„Fakt ist, dass jedes Bun­des­land eigen­ver­ant­wort­lich han­delt und bei einer Knapp­heit ver­mut­lich über­for­dert ist, kurz­fris­tig die not­wen­di­gen Besor­gun­gen durch­zu­füh­ren. Spä­tes­tens hier ist das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um gefor­dert die Ver­sor­gung zen­tral sicher­zu­stel­len”, sag­te Mül­ler den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe. Das „zu knap­pe Voll­zugs­per­so­nal” arbei­te „am Limit”.

Bei einer Infek­ti­on eines grö­ße­ren Per­so­nen­krei­ses von Bediens­te­ten sei­en der Dienst­be­trieb und die Sicher­heit einer Anstalt gefähr­det, „auch hier soll­te es ein zen­tra­les Not­fall­sze­na­rio geben. Die Bun­des­län­der dür­fen hier nicht allein gelas­sen wer­den”, so der BSBD-Bundesvorsitzende.