Infek­ti­ons­wel­le: Län­der erwä­gen Par­ty­ver­bot wegen Coronavirus

Rave - Party - Menschen - Personen - Junge Leute - Wald - Fahrrad - Lichter Foto: Illegaler Rave im Juli 2020, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Ange­sichts stei­gen­der Infek­ti­ons­zah­len im Zusam­men­hang mit Par­tys zie­hen vie­le Bun­des­län­der här­te­re Maß­nah­men in Betracht.

Die Gesund­heits­mi­nis­te­rin von Bran­den­burg, Ursu­la Non­ne­ma­cher (Grü­ne), sag­te der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung” (FAS): „Pri­va­te Fei­ern sind eine sehr gro­ße Gefahr.” Soll­te die Zahl der Infek­tio­nen wei­ter „in die­sem Tem­po” anstei­gen, droh­ten aber­mals „har­te Kon­takt­be­schrän­kun­gen. Das soll­te allen bewusst sein.”

Auch der Gesund­heits­mi­nis­ter von Baden-Würt­tem­berg, Man­fred Lucha (Grü­ne), warn­te vor wei­te­ren Maß­nah­men, soll­ten die Bür­ger an Fes­ten teil­neh­men wie bis­her. „Wenn wir mer­ken, dass die Eigen­ver­ant­wor­tung nicht weit genug geht, wer­den wir wie­der stär­ker ein­schrän­ken müs­sen. Das ist ganz klar. Jede Öff­nung, die wir machen, kommt dem Ritt auf der Rasier­klin­ge gleich”, sag­te er der FAS. Falls sich her­aus­stel­le, dass die Bür­ger sich an Maß­ga­ben nicht hiel­ten, kön­ne und müs­se das Land „nach­steu­ern”.

Nord­rhein-West­fa­len, Schles­wig-Hol­stein und Ber­lin stell­ten eben­falls Ver­bo­te in Aus­sicht. Die Ber­li­ner Sena­to­rin für Gesund­heit, Dilek Kalay­ci (SPD), for­der­te ein ein­heit­li­ches Vor­ge­hen von Bund und Län­dern. Auch Nie­der­sach­sen sprach sich für bun­des­ein­heit­li­che Maß­nah­men aus. Poli­ti­ker der Koali­ti­on kri­ti­sier­ten das Ver­hal­ten der Deut­schen zum Teil scharf. „Wir dür­fen nicht ris­kie­ren, dass Kitas und Schu­len wie­der schlie­ßen und Kin­der über Wochen zu Hau­se blei­ben müs­sen, weil wir durch Fami­li­en­fes­te mit zu locke­ren Regeln ein erhöh­tes Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Kauf genom­men haben”, sag­te die SPD-Vor­sit­zen­de Saskia Esken der FAS.

Ralph Brink­haus, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Uni­on, äußer­te, es sei zwar „ganz natür­lich”, dass die Men­schen nach dem Ende des Lock­downs „raus woll­ten, dass sie sich mit Freun­den tra­fen und ihre Fami­li­en besuch­ten. Lei­der hat sich mit dem Beginn des Som­mers eine gewis­se Leicht­fer­tig­keit aus­ge­brei­tet – wie man an den vol­len Ost­see­strän­den oder den Ansamm­lun­gen von Jugend­li­chen über­all in Deutsch­land gera­de an den Wochen­en­den beob­ach­ten kann”. Es gel­te aber wei­ter: „Coro­na ist eine Bedro­hung.” Er hal­te es daher für abso­lut rich­tig, „wenn Ord­nungs­kräf­te mit aller Kon­se­quenz Hygie­never­stö­ße verfolgen”.

Nach Infor­ma­tio­nen der FAS spie­len pri­va­te Fei­ern in eini­gen Bun­des­län­dern mitt­ler­wei­le eine Haupt­rol­le bei Anste­ckun­gen mit dem Coro­na­vi­rus. In Nord­rhein-West­fa­len etwa fin­den 33 Pro­zent der Neu­in­fek­tio­nen im pri­va­ten Umfeld statt, dar­un­ter fal­len häu­fig Zusam­men­künf­te wie zum Bei­spiel „Fei­ern in den eige­nen vier Wän­den” oder „Tref­fen mit Bekann­ten”. Rei­se­rück­keh­rer sind dage­gen nur für 25 Pro­zent der Neu­in­fek­tio­nen verantwortlich.

Schon Anfang der Woche hat­te Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ein­dring­lich vor pri­va­ten Fei­ern gewarnt. Spahn sag­te, er wol­le nicht der „Spiel­ver­der­ber” sein, habe aber von vie­len Sei­ten gehört, dass sich bei Ver­an­stal­tun­gen mit Alko­hol selbst zwan­zig Gäs­te schnell nicht mehr an die Abstands- und Hygie­ne­re­geln hiel­ten. Soll­ten die Zah­len wei­ter stei­gen, so habe es Prio­ri­tät, Schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten offen zu hal­ten. Spahn ergänz­te, er wol­le sich mit den Län­dern bera­ten, wel­che Form von Ver­an­stal­tun­gen und Fei­ern statt­fin­den könnten.

Am Don­ners­tag soll bei der nächs­ten Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz über das The­ma gespro­chen wer­den. Aus den Län­dern heißt es, dort wer­de auch über poten­ti­el­le Ein­schrän­kun­gen pri­va­ter Fei­ern verhandelt.