Nürn­berg: BAMF führt 416.420 Migran­ten mit Geburts­da­tum 1. Januar

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - BAMF - Tor - Gebäude - SchildFoto: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge führt 416.420 Migran­ten mit dem Geburts­da­tum 01. Janu­ar 2020.

Dies geht aus einer Aus­wer­tung des bei der Behör­de ange­sie­del­ten Aus­län­der­zen­tral­re­gis­ters (AZR) her­vor, über wel­che die „Welt” (Mitt­wochs­aus­ga­be) berich­tet. Die häu­figs­ten ein­ge­tra­ge­nen Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten waren zum Stich­tag 31. März dem­nach Syri­en (rund 123.000), Tür­kei (85.000), Afgha­ni­stan (60.000) und Irak (30.000). Mit Abstand fol­gen Eri­trea (16.000), Marok­ko (10.000), Soma­lia (9.000), unge­klär­te Staats­an­ge­hö­rig­keit (8.000), Paki­stan (6.000) und der Liba­non (4.000).

Laut der Aus­wer­tung, die der AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Rene Sprin­ger bei der Bun­des­re­gie­rung ange­fragt hat­te, reis­ten mehr als ein Vier­tel (121.000) der mit dem Geburts­da­tum 01. Janu­ar regis­trier­ten Aus­län­der im Jahr 2015 ein, ein wei­te­res gutes Vier­tel (116.000) danach und die übri­gen schon vorher.

„Die Erfas­sung von Per­so­nen­da­ten sieht hin­sicht­lich des Geburts­da­tums zwin­gend die Anga­ben zu einem genau­en Geburts­tag vor. Bei unge­si­cher­ten Anga­ben zum Geburts­tag ist es grund­sätz­li­che Pra­xis, das Geburts­da­tum auf den 01. Janu­ar des Geburts­jah­res fest­zu­le­gen, nicht in allen Län­dern und Kul­tu­ren wer­den Geburts­da­ten auf den Tag und Monat genau regis­triert”, teil­te das BAMF hier­zu mit.

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um hat­te schon vor mehr als einem Jahr zu die­sem The­ma erklärt: „Das Datum 01. Janu­ar wird erfasst, wenn Asyl­su­chen­de kei­ne Pass- oder sons­ti­gen Iden­ti­täts­pa­pie­re vor­wei­sen kön­nen und ledig­lich ihr Geburts­jahr, jedoch nicht den genau­en Tag oder Monat ken­nen”. Im Jahr 2019 leg­te laut Minis­te­ri­um jeder zwei­te Asyl­be­wer­ber (49 Pro­zent) über 18 Jah­ren kei­ne Iden­ti­täts­do­ku­men­te vor.

Die Islam­wis­sen­schaft­le­rin Susan­ne Schrö­ter führt meh­re­re Grün­de für die Geburts­tags­häu­fung am Neu­jahrs­tag an: Neben gene­rel­len Büro­kra­tie­män­geln, beson­ders in Afgha­ni­stan, fin­de „in länd­li­chen Gebie­ten eini­ger Staa­ten kei­ne Erfas­sung” statt, „wenn die Frau­en zu Hau­se ent­bin­den und den Auf­wand einer offi­zi­el­len Anmel­dung der Neu­ge­bo­re­nen scheu­en”, sag­te Schrö­ter der „Welt”.

Zudem ent­zö­gen sich eini­ge Fami­li­en bewusst der staat­li­chen Erfas­sung, „weil sie unter­drück­ten Min­der­hei­ten oder der poli­ti­schen Oppo­si­ti­on ange­hö­ren”. Es sei aller­dings bei „Geflüch­te­ten aus der Tür­kei wenig glaub­haft, dass sie kei­ne Geburts­ur­kun­den besit­zen, weil die Ver­wal­tung funk­ti­ons­fä­hig ist”, so die Frank­fur­ter Professorin.

Anders sehe es in Tei­len Syri­ens oder Afgha­ni­stans aus. „Ich gehe aber davon aus, dass unab­hän­gig von den Doku­men­ten, die aller­meis­ten Men­schen in Syri­en und ande­ren mus­li­misch gepräg­ten Staa­ten ihren Geburts­tag ken­nen”, sag­te Schröter.

Die Sozio­lo­gin Nec­la Kelek sag­te, dass „tat­säch­lich sehr vie­le Men­schen aus dem Ori­ent wie Afgha­nen oder Syrer ihr Geburts­da­tum nicht ken­nen”. Bis heu­te sei­en die Gebur­ten- und Namens­re­gis­ter in fast allen mus­li­misch gepräg­ten Staa­ten unge­nau. „In mei­nem Pass steht übri­gens auch fälsch­li­cher­wei­se der 1. Janu­ar als Geburts­tag – bei mir hat das aber einen beson­de­ren Grund: Ich bin in Istan­bul gebo­ren. Doch das Geburts­re­gis­ter mei­ner Fami­lie ist in Ana­to­li­en”, so die Sozio­lo­gin wei­ter. Ihr Onkel dort habe gemeint, „das ech­te Datum, der 31. Dezem­ber, sei zu kom­pli­ziert, also hat er auf dem Amt ein­fach den 1. Janu­ar ein­tra­gen lassen”.

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