Poli­tik: Gro­ße Koali­ti­on funk­tio­niert laut Kret­sch­mann wegen SPD nicht

Winfried Kretschmann - Politiker - Mitglied Bundesrates - Ministerpräsident - Baden-Württemberg - Bündnis 90/Die GrünenFoto: Bündnis 90/Die Grünen-Politiker Winfried Kretschmann (Ministerpräsident), Urheber: dts Nachrichtenagentur

Der baden-würt­tem­ber­gi­sche Minis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann macht die SPD dafür ver­ant­wort­lich, dass die Gro­ße Koali­ti­on in Ber­lin nicht funktioniert.

Sie woll­ten „im Grun­de ihres Her­zens nicht regie­ren, son­dern lie­ber in der Oppo­si­ti­on rum­ho­cken, wie man der­zeit am Ver­hal­ten der SPD in Ber­lin sehen kann. Dar­um funk­tio­niert die Koali­ti­on in Ber­lin auch nicht”, sag­te Kret­sch­mann der „Welt am Sonntag”.

Es sei ein Wesen­zug von Lin­ken, dar­an zu glau­ben, „dass es das Para­dies auf Erden geben wird”. Er glau­be dies nicht, „anders als die Lin­ken. Für die ist das Glas immer nur halb­voll, sie sind nie zufrie­den, sie war­ten auf das Para­dies, aber es kommt nicht”, so der Grü­nen-Poli­ti­ker weiter.

Kret­sch­mann lob­te das Enga­ge­ment und die fach­li­che Exper­ti­se der Jugend­li­chen von „Fri­days for Future”. „Ich wünsch­te mir von man­chen Poli­ti­ker­kol­le­gen die­se Sach­kun­de”, sag­te der baden-würt­tem­ber­gi­sche Minis­ter­prä­si­dent. Er äußer­te sich aber zugleich skep­tisch gegen­über den Zie­len der Kli­ma­ak­ti­vis­ten. „Ob die Maß­nah­men, die sie vor­schla­gen, immer die rich­ti­gen sind, das ist eine ande­re Fra­ge. Dem müs­sen wir ja nicht fol­gen”, so der Grü­nen-Poli­ti­ker wei­ter. Es sei ein „Grund­prin­zip der Demo­kra­tie”, dass man Mehr­hei­ten brau­che, „um in den ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Orga­nen etwas zu ent­schei­den. Das wird durch eine Jugend­be­we­gung nicht außer Kraft gesetzt”, so Kretschmann.

Selbst wenn er den „radi­kals­ten Kli­ma­schutz aller Zei­ten” machen wür­de, gehe „glo­bal die CO2-Emis­si­on nur um 0,2 Pro­zent” zurück. „Damit ret­te ich nicht die Welt, wohl aber, wenn ich zei­gen kann, dass die öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on Wohl­stand sichert und Jobs schafft. Dann wer­den ande­re Regio­nen uns fol­gen”, so der baden-würt­tem­ber­gi­sche Ministerpräsident.

Sei­ne öko­lo­gi­sche Poli­tik sei „öko­no­misch imprä­gniert”. Als Hoch­tech­no­lo­gie-Land müs­se Deutsch­land bewei­sen, dass der öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess öko­no­misch erfolg­reich gestal­tet wer­den kön­ne. Zugleich unter­strich Kret­sch­mann die Not­wen­dig­keit von Maß­nah­men gegen den Kli­ma­wan­del, des­sen Aus­wir­kun­gen end­gül­ti­ger sei­en als die eines Krie­ges. Wis­sen­schaf­l­ter sag­ten, „dass eine Erwär­mung des Kli­mas um über zwei Grad ein nicht rück­hol­ba­rer Vor­gang ist”, so der Grünen-Politiker.

Selbst einen Krieg kön­ne man been­den. „Das macht zwar die Toten nicht mehr leben­dig, dar­um ist jeder Krieg etwas extrem Furcht­ba­res, aber irgend­wann gibt es wie­der Frie­den, man kann das Land wie­der auf­bau­en und hat wie­der regu­lä­re Ver­hält­nis­se. Der Kli­ma­wan­del dage­gen ist nicht mehr rück­gän­gig zu machen”, sag­te Kret­sch­mann der „Welt am Sonntag”.

In der Debat­te um eine CO2-Steu­er plä­die­re er für eine „CO2-Beprei­sung mit gleich­zei­ti­ger Abschaf­fung der Strom­steu­er und der Ein­füh­rung eines Ener­gie­gelds”. Das sei „ein ein­fa­ches, markt­wirt­schaft­li­ches Instru­ment, das Anrei­ze für kli­ma­freund­li­che­res Ver­hal­ten beim Kon­sum und in der Pro­duk­ti­on schafft. Gleich­zei­tig wer­den Pri­vat­haus­hal­te und Unter­neh­men ent­las­tet”, so der baden-würt­tem­ber­gi­sche Minis­ter­prä­si­dent weiter.

Ange­sichts der Kri­se der libe­ra­len Demo­kra­tien sag­te er: „Ich gebe zu, ich hät­te nicht für mög­lich gehal­ten, dass die offe­ne libe­ra­le Gesell­schaft wie­der in Fra­ge gestellt wird.” Das zei­ge, „dass die Fort­schrit­te, die die Mensch­heit erkämpft hat, nie garan­tiert sind. Wir müs­sen die ata­vis­ti­schen Kräf­te in uns im Zaum hal­ten. Der Lack der Zivi­li­sa­ti­on ist dün­ner als wir glau­ben”, sag­te Kret­sch­mann der „Welt am Sonntag”.

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.