Deut­sche Wirt­schaft wächst etwas stär­ker als zunächst gedacht

Wies­ba­den (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die deut­sche Wirt­schaft ist im 3. Quar­tal doch etwas stär­ker gewach­sen als zunächst gedacht. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) leg­te gegen­über dem 2. Quar­tal um 0,4 Pro­zent zu, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt (Desta­tis) am Frei­tag mit­teil­te. Das waren 0,1 Pro­zent­punk­te mehr als in der Schät­zung von Ende Okto­ber mitgeteilt. 

Trotz schwie­ri­ger welt­wirt­schaft­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen mit anhal­ten­der Coro­na-Pan­de­mie, Lie­fer­eng­päs­sen, wei­ter stei­gen­den Prei­sen und dem Krieg in der Ukrai­ne sei die Wirt­schafts­leis­tung wie bereits in den ers­ten bei­den Quar­ta­len des Jah­res (+0,8 Pro­zent und +0,1 Pro­zent) wei­ter gestie­gen. Sie sei im 3. Quar­tal vor allem von den pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben getra­gen wor­den. Trotz wei­ter­hin star­ker Preis­stei­ge­run­gen und der sich aus­wei­ten­den Ener­gie­kri­se nutz­ten die Ver­brau­cher dem­nach auch im 3. Quar­tal die Auf­he­bung fast aller Coro­na-Beschrän­kun­gen, um zum Bei­spiel mehr zu rei­sen und aus­zu­ge­hen. Die pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben waren ins­ge­samt 1,0 Pro­zent höher als im 2. Quar­tal. Die Kon­sum­aus­ga­ben des Staa­tes blie­ben dage­gen etwa auf dem Niveau des Vor­quar­tals (0,0 Pro­zent). Die Bau­in­ves­ti­tio­nen waren wie schon im 2. Quar­tal im Minus (-1,4 Pro­zent), wäh­rend die Inves­ti­tio­nen in Aus­rüs­tun­gen – also vor allem in Maschi­nen, Gerä­te und Fahr­zeu­ge – kräf­tig zuleg­ten (+2,7 Pro­zent). Der Han­del mit dem Aus­land nahm ins­ge­samt trotz der ange­spann­ten inter­na­tio­na­len Situa­ti­on zu: Dank eines wei­ter­hin hohen Auf­trags­be­stands und wie­der bes­ser funk­tio­nie­ren­der welt­wei­ter Lie­fer­ket­ten wur­den im 3. Quar­tal 2022 2,0 Pro­zent mehr Waren und Dienst­leis­tun­gen expor­tiert als im 2. Quar­tal. Die Impor­te leg­ten mit +2,4 Pro­zent noch stär­ker zu als die Expor­te. Die Brut­to­wert­schöp­fung stieg im 3. Quar­tal um 1,4 Pro­zent. Dazu trug unter ande­rem die über­ra­schend posi­ti­ve Ent­wick­lung im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be bei. Die­se trotz­te Pro­duk­ti­ons­rück­gän­gen in den ener­gie­in­ten­si­ven Bran­chen wie der Her­stel­lung von che­mi­schen Erzeug­nis­sen sowie der Metall­erzeu­gung und ‑bear­bei­tung, die beson­ders von den stark gestie­ge­nen Ener­gie­prei­sen betrof­fen waren. Durch gleich­zei­ti­ge Pro­duk­ti­ons­stei­ge­run­gen vor allem in der Auto­mo­bil­bran­che und im Maschi­nen­bau nahm die Wirt­schafts­leis­tung im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be ins­ge­samt um 0,9 Pro­zent zum Vor­quar­tal zu. In den meis­ten Dienst­leis­tungs­be­rei­chen stieg die Wirt­schafts­leis­tung gegen­über dem Vor­quar­tal eben­falls. Beson­ders dyna­misch wuchs die Brut­to­wert­schöp­fung in den zusam­men­ge­fass­ten Berei­chen Han­del, Ver­kehr, Gast­ge­wer­be (+3,3 Pro­zent), Öffent­li­che Dienst­leis­ter, Erzie­hung, Gesund­heit (+4,5 Pro­zent) und sons­ti­ge Dienst­leis­ter (+5,4 Pro­zent). Im Bau­ge­wer­be sank die Brut­to­wert­schöp­fung im 3. Quar­tal im Ver­gleich zum Vor­quar­tal dage­gen erneut kräf­tig um 4,2 Pro­zent. Im Vor­jah­res­ver­gleich war das BIP im 3. Quar­tal preis­be­rei­nigt 1,2 Pro­zent, preis- und kalen­der­be­rei­nigt 1,3 Pro­zent höher als im 3. Quar­tal 2021. Im Ver­gleich zum 4. Quar­tal 2019, dem Quar­tal vor Beginn der Coro­na­kri­se, lag das preis‑, sai­son- und kalen­der­be­rei­nig­te BIP im 3. Quar­tal 2022 erst­mals ober­halb des Vor­kri­sen­ni­veaus (+0,3 Pro­zent). Die inlän­di­sche Nach­fra­ge leg­te auch im Vor­jah­res­ver­gleich trotz star­ker Preis­an­stie­ge und glo­ba­ler Unsi­cher­hei­ten wei­ter zu. Das gel­te vor allem für die pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben, die preis­be­rei­nigt gegen­über dem 3. Quar­tal 2021 um 2,0 Pro­zent stie­gen, so das Bun­des­amt. Ein Grund dafür sei offen­bar die Rei­se­lust der Men­schen gewe­sen: Die Aus­ga­ben für Dienst­leis­tun­gen in den Berei­chen Beher­ber­gung und Gast­stät­ten sowie Ver­kehr leg­ten im 3. Quar­tal kräf­tig zu. Für lang­le­bi­ge Güter wur­de dage­gen erneut weni­ger aus­ge­ge­ben als vor einem Jahr. Ursa­che dafür dürf­te die all­ge­mei­ne Ver­un­si­che­rung auf­grund der star­ken Preis­an­stie­ge gewe­sen sein, so die Sta­tis­ti­ker. Die hohen Lebens­mit­tel­prei­se sowie die gestie­ge­ne Nach­fra­ge nach Gast­stät­ten­leis­tun­gen führ­ten wohl zu nied­ri­ge­ren preis­be­rei­nig­ten Kon­sum­aus­ga­ben für Nah­rungs­mit­tel als im 3. Quar­tal 2021. Die Kon­sum­aus­ga­ben des Staa­tes ver­zeich­ne­ten einen Anstieg von 1,4 Pro­zent im Vor­jah­res­ver­gleich. Ursa­che sind wei­ter­hin hohe Aus­ga­ben für die zen­tra­le Beschaf­fung von Impf­stof­fen des Bun­des sowie höhe­re Aus­ga­ben für Geflüch­te­te. Gedämpft wur­de der Anstieg durch den Abbau ver­schie­de­ner Coro­na-Maß­nah­men. Hier­un­ter fal­len bei­spiels­wei­se das Aus­lau­fen der Zah­lun­gen für frei­ge­hal­te­ne Bet­ten an Kran­ken­häu­ser sowie der Rück­gang an durch­ge­führ­ten Coro­na-Imp­fun­gen und Schnell­tests. Bei den Inves­ti­tio­nen war das Bild gemischt: In Aus­rüs­tun­gen wur­de preis­be­rei­nigt deut­lich mehr inves­tiert als ein Jahr zuvor (+6,3 Pro­zent). Hier scheint die Auf­trags­la­ge trotz hoher Prei­se und Lie­fer­eng­päs­sen wei­ter sehr gut zu sein, zudem stieg die Zahl der gewerb­li­chen Pkw-Neu­zu­las­sun­gen kräf­tig. Bei den Bau­in­ves­ti­tio­nen führ­ten dage­gen hohe Bau­prei­se, Fach­kräf­te­man­gel und Lie­fer­eng­päs­se ins­be­son­de­re im Aus­bau­ge­wer­be zu einem Rück­gang von 2,6 Pro­zent im Ver­gleich zum 3. Quar­tal 2021. Der Han­del mit dem Aus­land nahm im Ver­gleich zum Vor­jahr zu, obwohl sich die star­ken Preis­an­stie­ge im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf fort­set­zen: Im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum stie­gen die Export­prei­se um 13 Pro­zent. Preis­be­rei­nigt konn­ten die Expor­te im 3. Quar­tal den­noch um 4,9 Pro­zent zule­gen. Posi­ti­ve Impul­se kamen unter ande­rem aus den Berei­chen Kraft­fahr­zeug­bau und elek­tro­ni­sche Aus­rüs­tun­gen. Import­sei­tig stie­gen die Prei­se im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um 20,8 Pro­zent. Hier schlu­gen sich die deut­li­chen Preis­an­stie­ge im Bereich Ener­gie nie­der. Nichts­des­to­trotz leg­ten die preis­be­rei­nig­ten Impor­te gegen­über dem 3. Quar­tal 2021 um 8,3 Pro­zent zu, was unter ande­rem auf deut­li­che Zuwäch­se im Rei­se­ver­kehr zurück­zu­füh­ren gewe­sen sei, so das Bun­des­amt. Zu die­sem Anstieg hät­ten fast alle Wirt­schafts­be­rei­che bei­getra­gen. Der Wirt­schafts­be­reich Han­del, Ver­kehr und Gast­ge­wer­be konn­te mit +2,7 Pro­zent deut­lich zum Vor­jah­res­quar­tal zule­gen. Ver­ant­wort­lich hier­für sei­en unter ande­rem Nach­hol­ef­fek­te im Zuge der gelo­cker­ten Coro­na-Maß­nah­men gewe­sen, die sich in stei­gen­der Nach­fra­ge im Bereich der Per­so­nen­be­för­de­rung sowie im Gast­ge­wer­be wider­spie­gel­ten. Hohe Zunah­men gegen­über dem Vor­jahr ver­zeich­ne­ten auch die meis­ten ande­ren Dienst­leis­tungs­be­rei­che, unter ande­rem der Bereich Öffent­li­che Dienst­leis­ter, Erzie­hung, Gesund­heit mit +3,0 Pro­zent. Das Ver­ar­bei­ten­de Gewer­be wuchs mit +1,1 Pro­zent etwas unter dem Durch­schnitt. Das Bau­ge­wer­be war erneut deut­lich im Minus, die preis­be­rei­nig­te Brut­to­wert­schöp­fung sank hier um 5,4 Pro­zent zum Vor­jahr. Dazu tru­gen die anhal­ten­de Mate­ri­al­knapp­heit, aber auch der Fach­kräf­te­man­gel bei. Die Wirt­schafts­leis­tung wur­de im 3. Quar­tal 2022 von rund 45,6 Mil­lio­nen Erwerbs­tä­ti­gen mit Arbeits­ort in Deutsch­land erbracht. Das waren 490.000 Per­so­nen oder 1,1 Pro­zent mehr als ein Jahr zuvor und ein erneu­ter Höchst­stand. Im Durch­schnitt je Erwerbs­tä­ti­gen wur­den 1,1 Pro­zent mehr Arbeits­stun­den geleis­tet als im 3. Quar­tal 2021, was vor allem mit einem Rück­gang der Kurz­ar­beit zusam­men­hän­ge. Das gesamt­wirt­schaft­li­che Arbeits­vo­lu­men – also die Gesamt­zahl der geleis­te­ten Arbeits­stun­den aller Erwerbs­tä­ti­gen – nahm dadurch kräf­tig um 2,2 Pro­zent zu, wie ers­te vor­läu­fi­ge Berech­nun­gen des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB) der Bun­des­agen­tur für Arbeit erhe­ben hät­ten, so die Sta­tis­ti­ker. Die gesamt­wirt­schaft­li­che Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät – gemes­sen als preis­be­rei­nig­tes BIP je Erwerbs­tä­ti­gen­stun­de – nahm nach vor­läu­fi­gen Berech­nun­gen gegen­über dem Vor­jah­res­quar­tal um 1,0 Pro­zent ab, je Erwerbs­tä­ti­gen war sie um 0,1 Pro­zent höher. In jewei­li­gen Prei­sen gerech­net war sowohl das BIP als auch das Brut­to­na­tio­nal­ein­kom­men im 3. Quar­tal 2022 um 5,8 Pro­zent höher als ein Jahr zuvor. Das Volks­ein­kom­men war um 4,0 Pro­zent höher als im 3. Quar­tal 2021. Dabei stieg nach ers­ten vor­läu­fi­gen Berech­nun­gen das Arbeit­neh­mer­ent­gelt um 4,6 Pro­zent und damit etwas stär­ker als die Unter­neh­mens- und Ver­mö­gens­ein­kom­men (+2,4 Pro­zent). Nach ers­ten vor­läu­fi­gen Berech­nun­gen ver­zeich­ne­ten die durch­schnitt­li­chen Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter im 3. Quar­tal 2022 ein Plus von 3,7 Pro­zent gegen­über dem ent­spre­chen­den Vor­jah­res­zeit­raum. Neben tarif­lich ver­ein­bar­ten Lohn­stei­ge­run­gen ist die­ser Zuwachs vor allem auf den star­ken Rück­gang der Kurz­ar­beit zurück­zu­füh­ren. Die Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter ins­ge­samt waren um 5,0 Pro­zent höher als im Jahr zuvor, da sich auch die Zahl der Arbeit­neh­mer erhöh­te. Auch auf­grund der dämp­fen­den Wir­kung des Steu­er­ent­las­tungs­ge­set­zes 2022 sind die Net­to­löh­ne und ‑gehäl­ter mit +5,2 Pro­zent etwas stär­ker gestie­gen als die Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter. Mit 9,6 Pro­zent lag die Spar­quo­te auch im 3. Quar­tal 2022 unter dem Vor­jah­res­wert (10,4 Pro­zent): Maß­geb­lich hier­für sei die vor allem auf die star­ken Preis­er­hö­hun­gen zurück­zu­füh­ren­de kräf­ti­ge Zunah­me der pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben in jewei­li­gen Prei­sen gewe­sen. Die­se leg­ten im Vor­jah­res­ver­gleich um 9,4 Pro­zent zu und damit stär­ker als das ver­füg­ba­re Ein­kom­men, das sich um 8,6 Pro­zent erhöh­te. Ohne die Ener­gie­pau­scha­le wäre die­ser Anstieg rund 2 Pro­zent­punk­te gerin­ger aus­ge­fal­len. Im Durch­schnitt hat die Wirt­schaft der Euro­päi­schen Uni­on (EU) und des Euro­raums im 3. Quar­tal 2022 etwas schwä­cher zuge­legt als in Deutsch­land: Für die EU ins­ge­samt und den Euro­raum mel­de­te das euro­päi­sche Sta­tis­tik­amt Euro­stat nach vor­läu­fi­gen Berech­nun­gen einen preis‑, sai­son- und kalen­der­be­rei­nig­ten BIP-Anstieg um 0,2 Pro­zent gegen­über dem Vor­quar­tal. In Spa­ni­en und Frank­reich stieg das BIP eben­falls um 0,2 Pro­zent. In Ita­li­en wuchs die Wirt­schaft mit +0,5 Pro­zent etwas stär­ker. In ähn­li­chem Aus­maß nahm die Wirt­schafts­leis­tung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten (USA) zu (+0,6 Pro­zent). Eini­ge klei­ne­re EU- und Nach­bar­staa­ten Deutsch­lands ver­zeich­ne­ten hin­ge­gen Rück­gän­ge (Nie­der­lan­de, Bel­gi­en, Öster­reich, Tsche­chi­en). Im Vor­jah­res­ver­gleich lie­gen die BIP-Wachs­tums­ra­ten der ande­ren EU-Mit­glied­staa­ten fast alle höher als in Deutsch­land. Ver­gli­chen mit dem 4. Quar­tal 2019, dem Quar­tal vor Beginn der Coro­na-Pan­de­mie, zeigt sich, dass das BIP in Deutsch­land im 3. Quar­tal 2022 erst­mals das Vor­kri­sen­ni­veau über­traf (+0,3 Pro­zent). Wäh­rend die EU ins­ge­samt (+2,7 Pro­zent), Frank­reich (+1,1 Pro­zent) und Ita­li­en (+1,8 Pro­zent) eben­so wie die Ver­ei­nig­ten Staa­ten (+4,2 Pro­zent) ihr Vor­kri­sen­ni­veau schon län­ger über­tref­fen, lag die Wirt­schafts­leis­tung in Spa­ni­en (‑2,0 Pro­zent) wei­ter­hin deut­lich dar­un­ter. Mit der Berech­nung der aus­führ­li­chen Ergeb­nis­se hat das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt auch das Brut­to­in­lands­pro­dukt der ers­ten drei Quar­ta­le 2022 über­ar­bei­tet. Mit den seit der Schnell­mel­dung am 28. Okto­ber neu ver­füg­ba­ren sta­tis­ti­schen Infor­ma­tio­nen erga­ben sich dabei für das Brut­to­in­lands­pro­dukt ledig­lich gering­fü­gi­ge Ände­run­gen der bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se. Auf­grund des Kriegs in der Ukrai­ne und der anhal­ten­den Coro­na­kri­se sei­en die aktu­el­len Ergeb­nis­se jedoch mit grö­ße­ren Unsi­cher­hei­ten als sonst üblich behaf­tet, so das Bundesamt.

Foto: Stahl­pro­duk­ti­on, über dts Nachrichtenagentur

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