FDP-Juris­ten fech­ten Nie­der­sach­sen-Wahl an

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die FDP-Rechts­exper­ten Mar­co Gen­the und Alex­an­der Gra­fe fech­ten das Ergeb­nis der Land­tags­wahl vom 9. Okto­ber an. Ein Schrift­satz hier­zu ging am Frei­tag bei der nie­der­säch­si­schen Land­tags­prä­si­den­tin Han­na Naber ein, wie die „Welt am Sonn­tag” berich­ten wird. Die Inte­gri­tät des gan­zen Wahl­er­geb­nis­ses sei in hohem Maße beein­träch­tigt, schrei­ben der ehe­ma­li­ge rechts­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on und der Refe­rent für Rechts- und Verfassungsfragen. 

Dabei bezie­hen sie sich auf Vor­wür­fe, die der Rich­ter und ehe­ma­li­ge AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Chris­to­pher Emden nach sei­nem Par­tei­aus­tritt erho­ben hat­te. In einem ZDF-Inter­view Anfang Okto­ber sprach er von einer „Kriegs­kas­se”, die der jet­zi­ge Vize­chef des AfD-Lan­des­ver­ban­des, Ans­gar Schled­de, angeb­lich ver­wal­tet habe. Gegen Zah­lun­gen in die­se Kas­se soll Par­tei­mit­glie­dern ein aus­sichts­rei­cher Platz auf der Lan­des­wahl­lis­te zuge­si­chert wor­den sein, so der Vor­wurf. Der Olden­bur­ger Staats­recht­ler Vol­ker Boeh­me-Neß­ler hält eine Wahl­wie­der­ho­lung für begrün­det. „Die Fra­ge nach dem Ver­kauf von Lis­ten­plät­zen betrifft nicht nur die AfD und ihre Lan­des­lis­te. Es geht auch um die gesam­te Zusam­men­set­zung des Land­tags und damit letzt­lich die Gül­tig­keit der Land­tags­wahl.” Alle 18 AfD-Abge­ord­ne­ten, dar­un­ter auch Schled­de, sei­en über die Lan­des­lis­te in den Land­tag ein­ge­zo­gen. Wäre die­se ungül­tig und die Abge­ord­ne­ten ver­lö­ren ihre Man­da­te, ver­än­de­re sich die Zusam­men­set­zung des Land­tags tief­grei­fend. Zudem sei dann die vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­ab­ge­ord­ne­ten­zahl von 135 unter­schrit­ten. Der Bon­ner Staats­recht­ler Hei­ko Sau­er ver­weist auf einen ver­gleich­ba­ren Fall in Ham­burg. Dort muss­te 1993 die Bür­ger­schafts­wahl wie­der­holt wer­den, weil die Par­tei­spit­ze der CDU Ham­burg ihren Lis­ten­vor­schlag im Block abstim­men ließ. Alter­na­ti­ve Kan­di­da­ten hat­ten prak­tisch kei­ne Chan­ce. Das sei unde­mo­kra­tisch, hat­te das Ver­fas­sungs­ge­richt gerügt. Gen­the und Gra­fe sag­ten der „Welt am Sonn­tag”: „Der Ver­kauf von Lis­ten­plät­zen ist das Ver­fau­len einer Demo­kra­tie von innen. Das kön­nen wir so nicht ste­hen las­sen.” Auch Kon­stan­tin Kuh­le, Gene­ral­se­kre­tär der nie­der­säch­si­schen FDP, fin­det: „Die Inte­gri­tät demo­kra­ti­scher Wah­len muss über jeden Zwei­fel erha­ben sein”, sag­te er der „Welt am Sonn­tag”. Die FDP war bei der Wahl Anfang Okto­ber auf 4,7 Pro­zent abge­sackt und damit aus dem Land­tag geflogen.

Foto: FDP-Wahl­pla­kat zur Land­tags­wahl Nie­der­sach­sen 2022, über dts Nachrichtenagentur

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