Weni­ger rechts­kräf­ti­ge Verurteilungen

Wies­ba­den (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Im Jahr 2021 sind rund 662.100 Per­so­nen von deut­schen Gerich­ten rechts­kräf­tig ver­ur­teilt wor­den. Das waren rund 37.200 bezie­hungs­wei­se 5,3 Pro­zent Ver­ur­teil­te weni­ger als im Vor­jahr, teil­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt (Desta­tis) am Mitt­woch mit. Damit setz­te sich die seit Jah­ren ten­den­zi­ell rück­läu­fi­ge Ent­wick­lung der Zahl an Ver­ur­tei­lun­gen fort. 

Wegen Stra­ßen­ver­kehrs­de­lik­ten wur­den im Jahr 2021 ins­ge­samt 157.500 Per­so­nen ver­ur­teilt. Das waren zwar rund 10.500 oder 6,2 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr, aller­dings blieb der Anteil an allen Ver­ur­tei­lun­gen mit 23,8 Pro­zent ähn­lich hoch (24,0 Pro­zent). Als Ver­kehrs­de­lik­te zäh­len kei­ne Ord­nungs­wid­rig­kei­ten wie Falsch­par­ken, son­dern aus­schließ­lich Straf­ta­ten im Stra­ßen­ver­kehr, die im Straf­ge­setz­buch (StGB) oder im Stra­ßen­ver­kehrs­ge­setz (StVG) gere­gelt sind. Bei­spiels­wei­se gab es 27.800 Ver­ur­tei­lun­gen wegen uner­laub­ten Ent­fer­nens vom Unfall­ort, 10.100 Ver­ur­tei­lun­gen wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung und 500 Ver­ur­tei­lun­gen wegen fahr­läs­si­ger Tötung. Unter die Stra­ßen­ver­kehrs­de­lik­te fal­len auch ver­bo­te­ne Kraft­fahr­zeug­ren­nen. Die­se Straf­vor­schrift wur­de im Okto­ber 2017 ein­ge­führt. Seit­dem sind von Jahr zu Jahr mehr Ver­ur­tei­lun­gen zu ver­zeich­nen. 2021 gab es ins­ge­samt rund 1.100 rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lun­gen gegen­über rund 700 im Jahr 2020 und rund 100 im Jahr 2018. Die übri­gen 504.600 Ver­ur­tei­lun­gen im Jahr 2021 erfolg­ten wegen ande­rer Delik­te, so die Sta­tis­ti­ker. Gegen­über dem Vor­jahr war dies ein Rück­gang um 26.700 Per­so­nen bezie­hungs­wei­se 5,0 Pro­zent. Den größ­ten Anteil unter den Straf­ta­ten außer­halb des Stra­ßen­ver­kehrs hat­ten im Jahr 2021 wie bereits in den Vor­jah­ren die Eigen­tums- und Ver­mö­gens­de­lik­te. 2021 wur­den 117.900 Per­so­nen nach dem StGB wegen Betrug und Untreue ver­ur­teilt. Dies waren 7.000 Per­so­nen bezie­hungs­wei­se 5,6 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Ihr Anteil blieb mit 17,8 Pro­zent aller Ver­ur­tei­lun­gen jedoch ähn­lich hoch (2020: 17,9 Pro­zent). Die Zahl der Ver­ur­tei­lun­gen wegen Dieb­stahl und Unter­schla­gung ging um 14 400 Per­so­nen oder 14,0 Pro­zent auf 88.000 zurück auf einen Anteil von 13,3 Pro­zent aller Ver­tei­lun­gen im Jahr 2021. Rück­läu­fig war auch die Zahl der Ver­ur­tei­lun­gen wegen Straf­ta­ten gegen die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit um 5.600 bezie­hungs­wei­se 10,1 Pro­zent auf 49.600. In ein­zel­nen Delikt­be­rei­chen gab es gegen­läu­fi­ge Ent­wick­lun­gen: So stieg die Zahl der Ver­ur­tei­lun­gen wegen Belei­di­gung um 1.000 bezie­hungs­wei­se 3,8 Pro­zent auf 27.900. Die Zahl der wegen Straf­ta­ten gegen die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung Ver­ur­teil­ten stieg um 1.000 oder 10,1 Pro­zent auf 10.300. Aller­dings ist hier ein Ver­gleich mit den Vor­jah­ren nicht oder nur ein­ge­schränkt mög­lich, da im Sexu­al­straf­recht Straf­tat­be­stän­de geän­dert und neue Straf­tat­be­stän­de geschaf­fen wur­den. Von allen 662.100 rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lun­gen im Lau­fe des Kalen­der­jah­res 2021 war die Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe nach all­ge­mei­nem Straf­recht wie bereits in den Vor­jah­ren die häu­figs­te Sank­ti­ons­art. So wur­den ins­ge­samt 524.600 Per­so­nen zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt. Das ent­spricht 79,2 Pro­zent aller rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lun­gen. Auf Frei­heits­stra­fe nach all­ge­mei­nem Straf­recht oder Straf­ar­rest wur­de bei 90.900 Per­so­nen (13,7 Pro­zent aller rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lun­gen) ent­schie­den. Bei den übri­gen 46.600 Ver­ur­tei­lun­gen (7,0 Pro­zent aller rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lun­gen) wand­ten die Gerich­te das Jugend­straf­recht an. 7.300 Per­so­nen erhiel­ten eine Jugend­stra­fe, 31.600 Zucht­mit­tel und 7.700 Erzie­hungs­maß­re­geln nach dem Jugendgerichtsgesetz.

Foto: Das Straf­ge­setz­buch in einer Biblio­thek, über dts Nachrichtenagentur

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