Wirt­schafts­ver­tre­ter bemän­geln Fachkräfte-Einwanderungsgesetz

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Ver­tre­ter der Wirt­schaft und Migra­ti­ons- sowie Arbeits­markt­for­scher for­dern Nach­bes­se­run­gen am von der Ampel-Koali­ti­on geplan­ten Fach­kräf­te-Ein­wan­de­rungs­ge­setz. „Zwi­schen Bun­des­agen­tur für Arbeit, Aus­län­der­be­hör­den im Inland und den Kon­su­la­ten im Aus­land sowie den Aner­ken­nungs­stel­len für Berufs­ab­schlüs­se gibt es immer wie­der unter­schied­li­che Bewer­tun­gen des jewei­li­gen Falls mit den ent­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen. Das muss bes­ser wer­den”, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tags (DIHK), Achim Dercks, der „Welt” (Don­ners­tags­aus­ga­be).

Die ers­te Schwach­stel­le bei der Arbeits­kräf­te­ge­win­nung zeigt sich bereits häu­fig beim ers­ten Ver­such einer Kon­takt­auf­nah­me von Arbeits­wil­li­gen mit deut­schen Stel­len. Ehsan Val­liz­adeh vom Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB) sag­te dazu: „Oft hakt es dar­an, im Aus­land über­haupt einen Ter­min bei einem Kon­su­lat zu bekom­men, um ein Visum zu bean­tra­gen.” Man­che müss­ten dar­auf mona­te­lang war­ten. Ein neu­es Gesetz rei­che also nicht. „Die Kon­su­la­te und Aus­län­der­be­hör­den müs­sen dar­auf auch ein­ge­stellt sein, mit Schu­lun­gen für die Mit­ar­bei­ter, digi­ta­ler Aus­stat­tung und zusätz­li­chem Per­so­nal”, so Val­liz­adeh. Ansons­ten droh­ten die Bemü­hun­gen um neue Arbeits­kräf­te aus dem Aus­land zu schei­tern – wie in der Ver­gan­gen­heit über­wie­gend. „In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war die deut­sche Migra­ti­ons­po­li­tik vor allem auf Abwehr und Abschre­ckung ein­ge­stellt, ohne jede Will­kom­mens­kul­tur, dafür mit umso restrik­ti­ve­ren Regeln.” Tobi­as Heid­land, For­schungs­di­rek­tor Inter­na­tio­na­le Ent­wick­lung am Kiel Insti­tut für Welt­wirt­schaft (IfW), begrüßt das geplan­te Punk­te­sys­tem für Zuwan­de­rer als „die wohl wich­tigs­te Reform des Ein­wan­de­rungs­ge­set­zes”. Heid­land sag­te: „Es ori­en­tiert sich an dem Kana­das und Neu­see­lands, die damit sehr gute Erfah­run­gen gemacht haben. Die Maß­stä­be für die Punk­te­ver­ga­be müs­sen natür­lich an die jewei­li­ge Situa­ti­on und die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ange­passt wer­den, die dür­fen nicht in Stein gemei­ßelt sein.” Der Dozent an der Kie­ler Chris­ti­an-Albrechts-Uni­ver­si­tät macht aller­dings einen Schwach­punkt an dem Koali­ti­ons­plan aus: „Ich sehe nicht, dass das Gesetz, so wie es jetzt geplant ist, wirk­lich die nöti­ge Zahl an Men­schen mit hand­werk­li­cher Aus­bil­dung oder der Bereit­schaft, sich in Deutsch­land dar­in aus­bil­den zu las­sen, anzieht”, bemän­gel­te Heid­land. „Dafür sind die Maß­nah­men zu unspe­zi­fisch, und es soll­te bei der Aus­ar­bei­tung sicher­ge­stellt wer­den, dass hier wirk­lich effek­ti­ve Rege­lun­gen geschaf­fen werden.”

Foto: Frau mit Kopf­tuch und Frau ohne Kopf­tuch, über dts Nachrichtenagentur

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.