His­to­ri­ker hält Gleich­set­zung von Putin mit Hit­ler für falsch

Cam­bridge (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Der aus­tra­li­sche His­to­ri­ker Chris­to­pher Clark hält nichts davon, Wla­di­mir Putin mit Adolf Hit­ler zu ver­glei­chen. „Aus sol­chen Gleich­set­zun­gen lernt man nichts, sie mobi­li­sie­ren nur Emo­tio­nen”, sag­te Clark dem „Spie­gel”. Denn wer Hit­ler glei­che, müs­se gestürzt und vor Gericht gestellt werden. 

„Das ist aller­dings im Fall der Atom­macht Russ­land eine Denk­fi­gur, die in die abso­lu­te Kata­stro­phe füh­ren kann. Poli­tik ist nie alter­na­tiv­los und die Zukunft immer offen.” Dass Putin an Ver­bre­chen wie an dem Mord­an­schlag auf den Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker Alex­ei Nawal­ny oder dem Gift­an­schlag auf einen abtrün­ni­gen Agen­ten im eng­li­schen Salis­bu­ry betei­ligt gewe­sen sei, sei schließ­lich kei­ne Fra­ge. „Wofür brau­che ich da einen his­to­ri­schen Ver­gleich”, so Clark. Der His­to­ri­ker glaubt, dass auch der Vor­wurf, die Rus­sen führ­ten einen Ver­nich­tungs­krieg, „nur bedingt zu Putins Krieg in der Ukrai­ne passt”. Unter die­sem Begriff „ver­ste­hen wir Hit­lers Kriegs­füh­rung in Ost­eu­ro­pa wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs”, sag­te Clark. „Er hat dort Mil­lio­nen Men­schen getö­tet und rie­si­ge Land­stri­che zer­stört. Er woll­te die Juden und einen Groß­teil der Sla­wen umbrin­gen. Es gab Tötungs­fa­bri­ken wie die Ver­nich­tungs­la­ger im besetz­ten Polen. Nichts davon fin­den Sie heu­te im rus­sisch besetz­ten Teil der Ukrai­ne.” Putins Ver­bre­chen in der Ukrai­ne „kann ich auch benen­nen, ohne sie gleich einer his­to­ri­schen Ana­lo­gie zu unter­zie­hen”. Clark kri­ti­sier­te die west­li­che Russ­land-Poli­tik, die „sicher kei­ne Stern­stun­de der west­li­chen Außen­po­li­tik” gewe­sen sei. „Neh­men Sie die Geor­gi­en-Kri­se. Da gab es völ­lig gemisch­te Signa­le. Der dama­li­ge US-Prä­si­dent Geor­ge W. Bush signa­li­sier­te den Geor­gi­ern, sie könn­ten Mit­glied der NATO wer­den. Ange­la Mer­kel war dage­gen”, so Clark. „Bei der Ukrai­ne pas­sier­te es ähn­lich.” Das alles min­de­re aber „nicht im Gerings­ten Putins Ver­ant­wor­tung für die gegen­wär­ti­ge Lage”. Es gebe einen exis­ten­zi­el­len Unter­schied „zwi­schen dem Miss­ma­nage­ment der west­li­chen Russ­land-Poli­tik und Putins Ent­schei­dung, einen so töd­li­chen Kon­flikt zu beginnen”.

Foto: Wla­di­mir Putin, über dts Nachrichtenagentur

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.