EU-Han­dels­aus­schuss­chef für WTO-Kla­ge gegen US-Subventionen

Brüs­sel (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Im Han­dels­kon­flikt zwi­schen der EU und den USA um das US-Maß­nah­men­pa­ket zur Infla­ti­ons­be­kämp­fung in drei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he rech­net der Chef des Han­dels­aus­schus­ses im EU-Par­la­ment, Bernd Lan­ge (SPD), nicht mehr mit einer Ver­hand­lungs­lö­sung. Die EU müs­se daher zügig in den nächs­ten Mona­ten eine Kla­ge bei der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO gegen die USA anstren­gen, sag­te Lan­ge den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Mon­tags­aus­ga­ben). „Damit wer­den wir Klar­heit bekom­men, dass das Vor­ge­hen der USA ein­deu­tig nicht kom­pa­ti­bel mit den WTO-Vor­schrif­ten ist”, füg­te Lan­ge hinzu. 

Er äußer­te sich mit Blick auf ein mit Span­nung erwar­te­tes Tref­fen des Han­dels- und Tech­no­lo­gie-Rats von EU und USA am Mon­tag, bei dem hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter aus Washing­ton und Brüs­sel über die euro­päi­schen Beden­ken gegen das US-Infla­ti­ons­be­kämp­fungs­ge­setz (IRA) bera­ten woll­ten. Die dar­in vor­ge­se­he­nen üppi­gen Sub­ven­tio­nen für in den USA pro­du­zier­te Kli­ma­schutz- und Ener­gie­tech­no­lo­gie haben in der EU Befürch­tun­gen aus­ge­löst, dass Fir­men aus der EU in die USA abwan­dern und ein schäd­li­cher Sub­ven­ti­ons­wett­lauf einen neu­en trans­at­lan­ti­schen „Han­dels­krieg” aus­lö­sen wür­de. Zuletzt hat­te sich Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron in Washing­ton über die „super aggres­si­ven” Sub­ven­tio­nen beschwert. Lan­ge sag­te, er gehe davon aus, dass in den Gesprä­chen zwi­schen EU und USA zwar noch eini­ge klei­ne Ände­run­gen für die Umset­zung des IRA ver­ein­bart wer­den könn­ten. „Aber ich glau­be nicht, dass sich sub­stan­zi­ell noch viel ändert, denn das Gesetz ist ja bereits beschlos­sen. Die Grund­struk­tur des IRA wird blei­ben.” Lan­ge for­der­te daher auch, dass die EU nun ihrer­seits die För­de­rung der hei­mi­schen Indus­trie ver­stärkt. „Wir müs­sen auch prü­fen, ob und wie wir die Ener­gie­prei­se für die Indus­trie sen­ken kön­nen, im Moment sind sie bis zu zehn­mal so hoch wie in den USA”, füg­te Lan­ge hin­zu. Der Uni­ons-Wirt­schafts­exper­te im EU-Par­la­ment, Mar­kus Fer­ber (CSU), for­der­te eben­falls euro­päi­sche Gegen­maß­nah­men: Wenn die USA bei dem Tref­fen am Mon­tag nicht einen Schritt auf Euro­pa zumach­ten, müs­se die EU-Kom­mis­si­on über die Akti­vie­rung der euro­päi­schen Han­dels­schutz­in­stru­men­te nach­den­ken, sag­te der wirt­schafts­po­li­ti­sche Spre­cher der EVP-Frak­ti­on den Fun­ke-Zei­tun­gen. „Das wäre sicher­lich die nuklea­re Opti­on und in der der­zei­ti­gen Lage alles ande­re als wün­schens­wert”, sag­te Fer­ber. Den­noch müs­se die euro­päi­sche Sei­te „alle Fol­ter­in­stru­men­te auf den Tisch legen”. Der CSU-Poli­ti­ker warn­te: „Die euro­päi­sche Wirt­schaft steht auch ohne das neue US-Sub­ven­ti­ons­pa­ket schon am Ran­de einer Rezes­si­on. Das US-Anti-Infla­ti­ons­ge­setz droht eine schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che Lage in Euro­pa noch deut­lich zu verschlimmern.”

Foto: Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO, über dts Nachrichtenagentur

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