Aus­wär­ti­ges Amt sieht „Aus­rei­se­hür­den” für gefähr­de­te Afghanen

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Weni­ge Wochen nach dem offi­zi­el­len Start des Bun­des­auf­nah­me­pro­gramms für gefähr­de­te Afgha­nen sieht die Bun­des­re­gie­rung Hür­den bei der Umset­zung vor Ort in Afgha­ni­stan. „Seit Macht­über­nah­me der Tali­ban waren Pass­äm­ter lokal oder lan­des­weit immer wie­der auf unbe­stimm­te Zeit geschlos­sen, die War­te­zei­ten sind unüber­sicht­lich und betra­gen oft meh­re­re Mona­te”, teil­te das Aus­wär­ti­ge Amt den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe mit. Seit Okto­ber 2022 sei­en die Pass­äm­ter in Afgha­ni­stan nun voll­stän­dig geschlos­sen, „laut Anga­ben der Tali­ban vor­über­ge­hend und aus tech­ni­schen Gründen”. 

Für die lega­le Aus­rei­se ver­lang­ten die Tali­ban aller­dings einen Pass sowie in der Regel ein Visum für den Dritt­staat. Feh­len­de Päs­se sei­en dem­entspre­chend für Afgha­nen, die aus­rei­sen möch­ten, ein Pro­blem. „Das wirkt sich natür­lich auch auf die wei­te­re Umset­zung des Bun­des­auf­nah­me­pro­gramms aus.” Zwar sei für die Berück­sich­ti­gung im Pro­gramm das Vor­lie­gen eines Rei­se­pas­ses zunächst kei­ne Vor­aus­set­zung: „Wenn im Rah­men des Bun­des­auf­nah­me­pro­gramms Per­so­nen ohne Päs­se für die Auf­nah­me in Deutsch­land aus­ge­wählt wer­den, besteht in der Fol­ge aber eine fak­ti­sche Aus­rei­se­hür­de”, so das Aus­wär­ti­ge Amt. Nach Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung befeu­ert die Poli­tik der Tali­ban auch das ille­ga­le Geschäft mit Rei­se­do­ku­men­ten. „Der Aus­rei­se­druck aus Afgha­ni­stan ist hoch und von den Unwäg­bar­kei­ten bei der offi­zi­el­len Bean­tra­gung von Päs­sen pro­fi­tiert der Han­del mit Aus­weis­do­ku­men­ten vor Ort in Afgha­ni­stan”, hieß es. Mit­te Okto­ber war das neue Bun­des­auf­nah­me­pro­gramm gestar­tet. Monat­lich sol­len bis zu 1.000 beson­ders gefähr­det Afgha­nen nach Deutsch­land geret­tet wer­den. Es geht vor allem um den Schutz von Jour­na­lis­ten und Men­schen­recht­lern, aber auch frü­he­ren Mit­ar­bei­tern der Regie­rung, von Poli­zei und Jus­tiz, die seit der Macht­über­nah­me der Tali­ban ver­folgt wer­den. Das Aus­wär­ti­ge Amt konn­te nach eige­nen Anga­ben im ers­ten Halb­jahr 2022 eine „Son­der­ver­ein­ba­rung mit Paki­stan” schlie­ßen, durch die rund 6.400 Per­so­nen für die Auf­nah­me nach Deutsch­land ohne Pass nach Paki­stan ein­rei­sen konn­ten. Schon nach weni­gen Wochen des Beginns hat­ten Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land von einem mas­sen­haf­ten Andrang von Zehn­tau­sen­den auf das Bun­des­auf­nah­me­pro­gramm berich­tet und zugleich die Bun­des­re­gie­rung für die aus ihrer Sicht schlech­te Orga­ni­sa­ti­on scharf kritisiert.

Foto: Afgha­ni­stan, über dts Nachrichtenagentur

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