Bericht: Ermitt­lungs­feh­ler im Fall Lügde

Det­mold (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Im Miss­brauchs­fall Lüg­de haben sich Poli­zei und Jus­tiz bei ihrem Vor­ge­hen gegen einen der Täter offen­bar zu viel Zeit gelas­sen. Die ver­zö­ger­ten Ermitt­lun­gen hät­ten ver­mut­lich Über­grif­fe auf Kin­der begüns­tigt, berich­tet der „Spie­gel” unter Beru­fung auf Ermitt­lungs­ak­ten. Im Dezem­ber 2018 war zunächst ein Dau­er­cam­per ver­haf­tet wor­den, danach erhär­te­te sich auch der Ver­dacht gegen sei­nen Komplizen. 

Gegen die­sen hat­te es bis dahin bereits zwei Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen des Ver­dachts des sexu­el­len Miss­brauchs gege­ben. Die Poli­zei Lip­pe hat­te laut „Spie­gel” Mit­te Dezem­ber Infor­ma­tio­nen, wonach im Wohn­wa­gen des Kom­pli­zen regel­mä­ßig Kin­der über­nach­te­ten. Über­dies habe ein Mäd­chen am 19. Dezem­ber deut­li­che Hin­wei­se auf mög­li­che Über­grif­fe durch ihn gelie­fert. Ein Zugriff sei trotz­dem zunächst nicht pas­siert, Kon­tak­te zwi­schen ihm und Kin­dern wur­den offen­bar nicht unter­bun­den. Zwi­schen Weih­nach­ten und Sil­ves­ter habe der Mann nach­weis­lich zwei Kin­der in sei­nem Wohn­wa­gen miss­braucht, schreibt das Maga­zin wei­ter. Spä­ter erließ das Amts­ge­richt Det­mold zwar einen Durch­su­chungs­be­schluss, der aber offen­bar nicht an die zustän­di­ge Kreis­po­li­zei­be­hör­de Lip­pe gefaxt und daher nicht umge­setzt wur­de. Erst am 11. Janu­ar 2019 durch­such­ten die Ein­satz­kräf­te den Wohn­wa­gen und voll­streck­ten den Haft­be­fehl – obwohl die Vor­aus­set­zun­gen dafür wohl schon im Dezem­ber gege­ben waren. „Es ist uner­träg­lich, dass der Täter sei­ne Taten noch drei wei­te­re Wochen lang fort­set­zen konn­te”, sag­te Andre­as Bia­l­as, SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Mit­glied des Par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schus­ses „Kin­des­miss­brauch”. Die Poli­zei Lip­pe ging laut Maga­zin auf Fra­gen zum Sach­ver­halt nicht ein. Die Täter wur­den 2019 vom Land­ge­richt Det­mold zu 13 bzw. 12 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt, mit anschlie­ßen­der Sicherungsverwahrung.

Foto: Poli­zei­au­to (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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