Debat­te um Fach­kräf­te­man­gel gewinnt an Fahrt

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Unmit­tel­bar vor der Bun­des­tags­de­bat­te zur Fach­kräf­testra­te­gie hat der Sozi­al­ver­band Deutsch­land (SoVD) die Regie­rung auf­ge­for­dert, den Per­so­nal­man­gel im sozia­len Bereich stär­ker in den Blick zu neh­men. „Qua­li­fi­zier­te Aus- und Wei­ter­bil­dung sind auch ein Schlüs­sel gegen den Per­so­nal­not­stand in den Gesundheits‑, Pfle­ge und Erzie­hungs­be­ru­fen. Die­se immer wich­ti­ger wer­den­den Berufs­grup­pen müs­sen bei den Reform­plä­nen der Bun­des­re­gie­rung eine zen­tra­le Rol­le spie­len”, sag­te die SoVD-Vor­stands­vor­sit­zen­de Michae­la Engel­mei­er den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Frei­tag).

Der Bun­des­tag will sich am Frei­tag­mor­gen mit der Fach­kräf­testra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung befas­sen, die das Ampel-Kabi­nett im ver­gan­ge­nen Okto­ber beschlos­sen hat­te. Das Maß­nah­men­pa­ket soll Betrie­be dabei unter­stüt­zen, Fach­kräf­te zu gewin­nen und zu hal­ten. SoVD-Che­fin Engel­mei­er sag­te den Fun­ke-Titeln nun mit Blick auf die sozia­len Beru­fe: „Um die­se attrak­ti­ver zu machen, brau­chen wir Ver­bes­se­run­gen bei den Aus­bil­dungs­kos­ten und der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung.” Außer­dem ver­hin­der­ten Mini­jobs die Aus­wei­tung von Arbeits­zei­ten. Die Anhe­bung der Mini­job­gren­ze sei falsch. „Die­se Rege­lung muss auch vor dem Hin­ter­grund der Fach­kräf­te­si­che­rung drin­gend rück­gän­gig gemacht wer­den. Wir for­dern dar­um: Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht ab dem ers­ten Euro! Das beugt dann auch Erwerbs- und Alters­ar­mut vor.” Das Engel­mei­er-State­ment in auto­ri­sier­ter Fas­sung: „Qua­li­fi­zier­te Aus- und Wei­ter­bil­dung sind auch ein Schlüs­sel gegen den Per­so­nal­not­stand in den Gesundheits‑, Pfle­ge- und Erzie­hungs­be­ru­fen. Die­se immer wich­ti­ger wer­den­den Berufs­grup­pen müs­sen bei den Reform­plä­nen der Bun­des­re­gie­rung eine zen­tra­le Rol­le spie­len. Um die­se attrak­ti­ver zu machen, brau­chen wir Ver­bes­se­run­gen bei den Aus­bil­dungs­kos­ten und der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung. Außer­dem ver­hin­dern Mini­jobs die Aus­wei­tung von Arbeits­zei­ten. Die Anhe­bung der Mini­job­gren­ze und die Dyna­mi­sie­rung fin­det der SoVD nach wie vor falsch. Die­se Rege­lung muss auch vor dem Hin­ter­grund der Fach­kräf­te­si­che­rung drin­gend rück­gän­gig gemacht wer­den. Wir for­dern dar­um: Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht ab dem ers­ten Euro! Das beugt dann auch Erwerbs- und Alters­ar­mut vor.” Die Uni­on wirft der Ampel-Koali­ti­on indes vor, zu wenig im Inland gegen den Fach­kräf­te­man­gel zu tun und statt des­sen die Ein­wan­de­rung von Aus­län­dern in das deut­sche Sozi­al­sys­tem zu erleich­tern. „Rund 1,9 Mil­lio­nen Stel­len kön­nen aktu­ell nicht besetzt wer­den. Die­ser Fach­kräf­te­man­gel droht zur Wachs­tums­brem­se zu wer­den”, sag­te der arbeits­markt­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Ste­phan Stra­cke, der „Rhei­ni­schen Post” (Frei­tag). „Die Ampel plant unter ande­rem die Absen­kung von Qua­li­fi­ka­ti­ons­stan­dards, um den Zuzug aus­län­di­scher Kräf­te nach Deutsch­land zu erleich­tern. Das ist der fal­sche Weg”, sag­te der CSU-Poli­ti­ker. „Eine Zuwan­de­rung von Fach­kräf­ten aus dem Aus­land ist nur dann not­wen­dig, wenn es nicht gelingt, das Poten­zi­al inlän­di­scher Fach­kräf­te voll aus­zu­schöp­fen. Des­halb müs­sen wir die Berufs­ori­en­tie­rung und die Ver­mitt­lung von Aus­bil­dungs­plät­zen ver­bes­sern”, for­der­te Stra­cke. „Gleich­zei­tig müs­sen wir unse­re Anstren­gun­gen ver­stär­ken, damit älte­re Arbeit­neh­mer län­ger am Erwerbs­le­ben teil­neh­men kön­nen und Frau­en ihre Arbeits­zeit stär­ker als bis­her Rich­tung Voll­zeit erhö­hen „, sag­te er. „Wir wer­den ergän­zend auf Fach­kräf­te­zu­wan­de­rung aus dem Aus­land ange­wie­sen sein. Dabei müs­sen wir dar­auf ach­ten, dass auch tat­säch­lich qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te zu uns kom­men und kei­ne Zuwan­de­rung in unse­re Sozi­al­sys­te­me erfolgt. Um die bes­ten Fach­kräf­te für uns zu gewin­nen, reicht es nicht aus, wei­te­re Zugangs­we­ge zu eröff­nen.” Der eigent­li­che Eng­pass lie­ge in den lang­sa­men Ver­wal­tungs­ab­läu­fen. „Außer­dem müs­sen wir dafür Sor­ge tra­gen, dass die Fach­kräf­te auch dau­er­haft bei uns blei­ben. Fast jede zwei­te ein­ge­wan­der­te Arbeits­kraft ver­lässt Deutsch­land wie­der”, sag­te Stracke.

Foto: Arbeits­amt in Aschers­le­ben, über dts Nachrichtenagentur

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