Drei Mil­li­ar­den Euro För­der­geld für Ganz­tags­aus­bau ungenutzt

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Trotz des Man­gels an Ganz­tags­be­treu­ung für Grund­schü­ler lie­gen der­zeit För­der­gel­der des Bun­des in Höhe von knapp drei Mil­li­ar­den Euro auf Eis oder wur­den von den Bun­des­län­dern nicht abge­ru­fen. Das geht aus einer Ant­wort des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums auf eine CDU/C­SU-Anfra­ge her­vor, über die die Zei­tun­gen des „Redak­ti­ons­netz­werks Deutsch­land” in ihren Frei­tags­aus­ga­ben berich­ten. Dem­nach ste­hen 2,75 Mil­li­ar­den Euro an Bun­des­för­de­rung zum Aus­bau der Ganz­tags-Infra­struk­tur nicht zur Ver­fü­gung, weil die dafür nöti­ge Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung seit mehr als einem Jahr nicht unter­zeich­net ist. 

Zudem haben die Bun­des­län­der im Jahr 2022 von den 750 Mil­lio­nen Euro bereit­ste­hen­der Bun­des­gel­der für den schnel­le­ren Aus­bau der Ganz­tags­be­treu­ung für Grund­schul­kin­der 72 Pro­zent abge­ru­fen, wie aus dem Schrei­ben her­vor­geht. Damit blie­ben 208 Mil­lio­nen Euro unge­nutzt. Schluss­licht beim Auf­bau von Betreu­ungs­plät­zen ist dem­nach Bay­ern, das knapp 19 Pro­zent der ihm zuste­hen­den rund 117 Mil­lio­nen Euro Bun­des­hil­fen ange­for­dert hat. Ber­lin rief etwas mehr als ein Drit­tel der 38,5 Mil­lio­nen Euro ab, die der Bund für neue Ganz­tags­in­fra­struk­tur der Haupt­stadt bereit­hielt. Im Plan lie­gen dage­gen Ham­burg, Bre­men, Sach­sen-Anhalt und das Saar­land, die ihre Mit­tel jeweils kom­plett abge­ru­fen haben, sowie Baden-Würt­tem­berg mit 98,7 Pro­zent. Bund und Län­der hat­ten sich 2021 dar­auf geei­nigt, den Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung in der Grund­schu­le ab 2026 schritt­wei­se ein­zu­füh­ren – zunächst für die ers­te Klas­sen­stu­fe, dann schritt­wei­se für jede wei­te­re. Ab 2029 soll der Anspruch für alle Kin­der bis zur vier­ten Klas­se gel­ten. In dem Schrei­ben bekennt sich die Bun­des­re­gie­rung zu die­ser Geset­zes­la­ge. Dass der Bund auch ein Jahr nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur För­de­rung der Ganz­tags­be­treu­ung die Ver­tei­lung sei­ner zusätz­li­chen 2,75 Mil­li­ar­den Euro noch nicht in die Wege gelei­tet hat, erklärt das Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um in dem Schrei­ben mit inter­nen Abstim­mun­gen: Die Ver­hand­lun­gen über die nöti­ge Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung für das „Inves­ti­ti­ons­pro­gramm Ganz­tags­aus­bau” sei vor allem so „zeit­in­ten­siv”, weil sicher­ge­stellt wer­den sol­le, dass die Bun­des­hil­fen nicht gegen die Bil­dungs­ho­heit der Län­der im Grund­ge­setz ver­sto­ßen. Wann das Geld bereit­steht, ist offen: „Das Unter­schrif­ten­ver­fah­ren wird ein­ge­lei­tet, sobald die Abstim­mun­gen abge­schlos­sen sind”, heißt es in dem Schrei­ben. Ange­sichts des lah­men­den Aus­baus der Ange­bo­te zwei­felt die Uni­on an der Umsetz­bar­keit des Rechts­an­spruchs. „Es ist mehr als deut­lich, dass bis 2026 nicht aus­rei­chend Betreu­ungs­plät­ze für Grund­schul­kin­der zur Ver­fü­gung ste­hen”, sag­te die fami­li­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Uni­ons­frak­ti­on, Sil­via Bre­her. Beson­ders die feh­len­de Frei­ga­be für die 2,75 Mil­li­ar­den Euro an Bun­des­mit­teln kri­ti­sier­te die CDU-Bun­des­vi­ze scharf: „Die Ampel lässt Län­der, Kom­mu­nen und Trä­ger ein­fach im Regen ste­hen”, so Breher.

Foto: Kin­der spie­len auf einem Schul­hof, über dts Nachrichtenagentur

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