Fami­li­en­mi­nis­te­rin will Schwan­ger­schafts­ab­brü­che neu regeln

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Lisa Paus (Grü­ne) dringt auf eine Abschaf­fung des Para­gra­fen 218 des Straf­ge­setz­buchs, der Schwan­ger­schafts­ab­brü­che unter Stra­fe stellt, und for­dert eine Neu­re­ge­lung. „Wer anders als die Schwan­ge­ren selbst soll­te ent­schei­den, ob sie ein Kind aus­tra­gen möch­ten oder kön­nen? Wer anders als die Frau­en selbst soll­te dar­über ent­schei­den, wann und in wel­chen Abstän­den sie Kin­der bekom­men?”, sag­te Paus den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Don­ners­tag­aus­ga­ben). Es gehe um fun­da­men­ta­le, um exis­ten­zi­el­le Fra­gen: Es gehe um das Men­schen­recht auf repro­duk­ti­ve Selbst­be­stim­mung und um das Recht von Frau­en, über ihren Kör­per zu ent­schei­den, sag­te die Grünen-Politikerin. 

„Für mich ist das Straf­ge­setz­buch nicht der rich­ti­ge Ort, das zu regeln.” Grund­pfei­ler des Men­schen­rechts auf repro­duk­ti­ve Selbst­be­stim­mung sei­en neben dem Zugang zu siche­ren und erschwing­li­chen Ver­hü­tungs­mit­teln auch die Gewähr­leis­tung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen sowie einer selbst­be­stimm­ten und siche­ren Schwan­ger­schaft und Geburt. „Frau­en, die Schwan­ger­schafts­ab­brü­che vor­neh­men, dür­fen nicht län­ger stig­ma­ti­siert wer­den”, sag­te die Minis­te­rin. Die Ampel-Koali­ti­on wol­le daher in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode prü­fen, wie Rege­lun­gen für den Schwan­ger­schafts­ab­bruch außer­halb des Straf­ge­setz­bu­ches aus­se­hen könn­ten. „Dazu set­zen wir eine Kom­mis­si­on zur repro­duk­ti­ven Selbst­be­stim­mung und Fort­pflan­zungs­me­di­zin ein, um genau die­se hoch kom­ple­xen juris­ti­schen Fra­gen zu klä­ren.” Die Koali­ti­on arbei­te zudem „mit Hoch­druck” dar­an, soge­nann­te Geh­steig­be­läs­ti­gun­gen von Schwan­ge­ren zu been­den. „Ich wür­de das gern 2023 mit einer Erwei­te­rung des Schwan­ger­schafts­kon­flikt­ge­set­zes regeln, um einen unge­hin­der­ten Zugang zu den Bera­tungs­stel­len aus­drück­lich gesetz­lich vor­zu­schrei­ben”, sag­te die Minis­te­rin. Ange­dacht sei auch die Schaf­fung eines neu­en „Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­tat­be­stan­des”, ihr Haus sei dazu in Gesprä­chen mit Innen- und Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um. Nach der aktu­el­len Rege­lung sind Schwan­ger­schafts­ab­brü­che in Deutsch­land gene­rell straf­bar, blei­ben aber unter bestimm­ten Bedin­gun­gen – unter ande­rem nach einer ver­pflich­ten­den Bera­tung und bei einer Durch­füh­rung bis zur 12. Schwan­ger­schafts­wo­che – straf­frei. Die Ein­set­zung der Kom­mis­si­on zur Erör­te­rung einer Neu­re­ge­lung wur­de bereits im Koali­ti­ons­ver­trag von SPD, Grü­nen und FDP ver­ein­bart. Bis­lang ist aller­dings unklar, wann das Gre­mi­um tat­säch­lich sei­ne Arbeit auf­neh­men wird. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um erklär­te auf Anfra­ge, die Abstim­mung inner­halb der Bun­des­re­gie­rung über die Kom­mis­si­on sei noch nicht abge­schlos­sen. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt für die Errich­tung der Kom­mis­si­on ste­he noch nicht fest. Auch FDP-Poli­ti­ke­rin­nen for­dern jetzt die rasche Ein­set­zung der Kom­mis­si­on. Es sei „kei­ne Zeit mehr zu ver­lie­ren”, sag­te Kat­rin Hel­ling-Plahr, rechts­po­li­ti­sche Spre­che­rin der libe­ra­len Frak­ti­on im Bun­des­tag. „Ich erwar­te vom Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um, dass die Ein­set­zung der Kom­mis­si­on noch zu Beginn des Jah­res erfolgt und die Arbeit auf­ge­nom­men wer­den kann, damit in die­ser Wahl­pe­ri­ode noch gesetz­ge­be­ri­scher Spiel­raum bleibt.” Die Kom­mis­si­on sol­le mit Exper­ten aus Wis­sen­schaft und Pra­xis besetzt sein, sag­te Hel­ling-Plahr. Ihrer Ansicht nach stellt Para­graph 218 StGB einen „gelun­ge­nen Kom­pro­miss” dar. Sie ste­he einem Auf­wei­chen skep­tisch gegen­über. Eine abschlie­ßen­de Bewer­tung über gang­ba­re und sinn­vol­le Wege wer­de sie aber nach dem Vor­lie­gen der Prü­fungs­er­geb­nis­se vor­neh­men. Fran­zis­ka Brand­mann, Vor­sit­zen­de der Jun­gen Libe­ra­len, sag­te, Abbrü­che soll­ten wei­ter­hin im Straf­recht gere­gelt wer­den, die der­zei­ti­ge Logik des Geset­zes aber ver­kehrt wer­den: „Wir wol­len, dass Schwan­ger­schafts­ab­bruch grund­sätz­lich straf­frei ist, nur bestimm­te Fäl­le straff­bar sind”, so Brand­mann. „Die Kom­mis­si­on soll­te jetzt so schnell wie mög­lich ihre Arbeit auf­neh­men”, sag­te sie. „Es gibt kei­nen Grund, noch län­ger zu war­ten. Nach 16 Jah­ren, in der die Uni­on in die­sen Fra­gen gebremst hat, soll­te nun nicht noch mehr Zeit ver­lo­ren werden.”

Foto: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, über dts Nachrichtenagentur

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