Fast 30.000 Anträ­ge auf Ein­sicht in Sta­si-Akten im Jahr 2022

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Obwohl die Sta­si-Unter­la­gen­be­hör­de 2021 offi­zi­ell auf­ge­löst und ihre Bestän­de sowie die Mit­ar­bei­ter ins Bun­des­ar­chiv über­führt wur­den, hält das Inter­es­se an den Sta­si-Akten unver­än­dert an. Das ergibt sich aus den jüngs­ten Jah­res­zah­len, über die das „Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land” (Mitt­woch­aus­ga­ben) berich­tet. Dem­nach gin­gen 2022 ins­ge­samt 29.064 Bür­ger-Anträ­ge auf Akten­ein­sicht ein. 

Damit blieb die Zahl nahe­zu unver­än­dert gegen­über 2021 mit 30.603 Anträ­gen. 7.500 Mal wur­den im vori­gen Jahr Akten für Sicher­heits­über­prü­fun­gen, Über­prü­fun­gen von Mit­ar­bei­tern im öffent­li­chen Dienst sowie Ren­ten­an­ge­le­gen­hei­ten her­an­ge­zo­gen. In 2.242 Fäl­len ging es um Anträ­ge auf Reha­bi­li­ta­ti­on ehe­mals poli­tisch Ver­folg­ter und Wie­der­gut­ma­chung. Zu dem hohen Auf­kom­men tru­gen auch die Außen­stel­len der ehe­ma­li­gen Sta­si-Unter­la­gen­be­hör­de wesent­lich bei, allen vor­an Dres­den, Erfurt und Leip­zig mit jeweils deut­lich mehr als 2.000 Bür­ger-Anträ­gen. Die SED-Opfer­be­auf­trag­te des Bun­des­ta­ges, Eve­lyn Zup­ke, sag­te dem RND: „Das gro­ße Inter­es­se an der Akten­ein­sicht zeigt ein­drucks­voll, dass die­ser Teil unse­rer Geschich­te bis in die Gegen­wart hin­ein­wirkt. Vie­le Men­schen set­zen sich erst jetzt, im höhe­ren Lebens­al­ter, mit ihrer eige­nen Bio­gra­fie näher aus­ein­an­der – oft bei Ren­ten­ein­tritt oder weil Kin­der und Enkel danach fra­gen.” Auch die Anfra­gen zur Reha­bi­li­tie­rung sei­en wei­ter­hin auf einem hohen Niveau, so die Opfer­be­auf­trag­te. „Für die poli­ti­schen Häft­lin­ge sind die Sta­si-Akten häu­fig Zeu­gen des began­ge­nen Unrechts.” In den Ver­fah­ren zur Reha­bi­li­tie­rung lie­fer­ten die Akten meist die wich­tigs­ten Bele­ge für das, was gesche­hen ist, sag­te Zup­ke. „Die Täter schwei­gen. Aber die Akten sprechen.”

Foto: Sta­si-Unter­la­gen-Archiv, über dts Nachrichtenagentur

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