Finanz­äm­ter brau­chen deut­lich län­ger für Steuererklärungen

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Erst­mals seit Jah­ren sind die Bear­bei­tungs­zei­ten für Steu­er­erklä­run­gen in Deutsch­lands Finanz­äm­tern wie­der gestie­gen. Das zeigt eine Aus­wer­tung des Online-Steu­er­por­tals „Lohn­steu­er Kom­pakt”, über die die „Welt am Sonn­tag” berich­tet. Dem­nach brauch­te der Fis­kus im ver­gan­ge­nen Jahr im Schnitt 54 Tage bis zur Erstel­lung eines Steu­er­be­scheids, fünf Tage län­ger als 2021. 

Es ist der ers­te Anstieg der Bear­bei­tungs­zeit seit 2018. Damals muss­ten Steu­er­pflich­ti­ge durch­schnitt­lich 56 Tage auf den Bescheid war­ten. Im Jahr 2022 arbei­te­te laut der Erhe­bung Ber­lins Finanz­ver­wal­tung am schnells­ten. In der Haupt­stadt ver­gin­gen im Durch­schnitt 46 Tage bis zum Bescheid, in Ham­burg waren es 47 Tage. In Bre­men muss­ten sich die Bür­ger 82 Tage gedul­den. Die Durch­schnitts­wer­te basie­ren auf fast 400.000 Steu­er­erklä­run­gen, die 2022 über das Por­tal erstellt wur­den. Die Ver­zö­ge­run­gen sind nach Ansicht von Flo­ri­an Köb­ler, dem Chef der Deut­schen Steu­er-Gewerk­schaft, nur ein Vor­ge­schmack auf das, was in die­sem Jahr auf die Steu­er­zah­ler zukom­me. „2023 wird sich die durch­schnitt­li­che Bear­bei­tungs­dau­er der Steu­er­erklä­run­gen dra­ma­tisch erhö­hen”, sag­te Köb­ler der „Welt am Sonn­tag”. Die Mit­ar­bei­ter in vie­len Finanz­äm­tern kämen nicht nach mit der Bear­bei­tung. „Schon jetzt sta­peln sich in den Finanz­äm­tern bis zu 50 Pro­zent mehr Erklä­run­gen als zum Vor­jah­res­zeit­punkt”, sag­te Köb­ler. In eini­gen Regio­nen betra­ge die War­te­zeit bereits drei Mona­te. Nor­ma­ler­wei­se daue­re die Bear­bei­tung nur halb so lan­ge. Ursa­che sind laut Köb­ler die 36 Mil­lio­nen Grund­steu­er­erklä­run­gen, die zusätz­lich von den Ämtern bear­bei­tet wer­den müs­sen. „Die­se belas­ten die Steu­er­ver­wal­tung bereits seit der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2022 und wer­den sich auch 2023 dras­tisch auf die Bear­bei­tungs­zei­ten aus­wir­ken”, sag­te der Ver­tre­ter der Mit­ar­bei­ter in der Finanz­ver­wal­tung. Zudem wer­de die Zahl der Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen stei­gen, weil Hilfs­zah­lun­gen aus den soge­nann­ten „Ent­las­tungs­pa­ke­ten” ver­steu­ert wer­den müss­ten. Vie­le ver­un­si­cher­te Bür­ger rie­fen in den Ämtern an oder gin­gen in die Ser­vice­zen­tren, sag­te Köb­ler. Dies hal­te die Beschäf­tig­ten von der eigent­li­chen Arbeit ab. Im Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um geht man eben­falls davon aus, dass sich die Bür­ger auf wei­te­re Ver­zö­ge­run­gen in die­sem Jahr ein­stel­len müs­sen. „Es ist wohl auch im Jahr 2023 noch von stei­gen­den Bear­bei­tungs­zei­ten aus­zu­ge­hen”, teil­te das Minis­te­ri­um auf Anfra­ge mit.

Foto: Finanz­amt, über dts Nachrichtenagentur

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