Grü­ne Jugend übt schar­fe Kri­tik an Poli­zei­ge­walt in Lützerath

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Der Chef der Grü­nen Jugend, Timon Dzi­e­nus, hat den Poli­zei­ein­satz bei der Räu­mung der Sied­lung Lüt­zer­ath im Rhei­ni­schen Braun­koh­le­re­vier scharf kri­ti­siert. „Ich habe erlebt, wie heu­te Mor­gen Dut­zen­de Hun­dert­schaf­ten von Poli­zis­ten bru­tal auf das Gelän­de gestürmt sind und Demons­tran­ten mit Hie­ben und Trit­ten ange­grif­fen haben. Ich habe hier vie­le blu­ten­de Men­schen gese­hen”, sag­te Dzi­e­nus der „Rhei­ni­schen Post” (Mitt­wochs­aus­ga­be).

Die Gewalt sei ein­deu­tig von der Poli­zei aus­ge­gan­gen und nicht von den Demons­tran­ten und Akti­vis­ten, sag­te Dzi­e­nus, der am Mitt­woch selbst unter den Demons­tran­ten vor Ort war. Er ver­tei­dig­te die Betei­li­gung von Grü­nen-Ver­tre­tern an den Pro­tes­ten. Trotz der Ent­schei­dun­gen, die grü­ne Minis­ter „aus recht­li­chen Grün­den gefällt” hät­ten, müs­se es mög­lich sein, vor Ort zu pro­tes­tie­ren und die Räu­mung von Lüt­zer­ath stop­pen zu wol­len. „Auf dem Grü­nen-Par­tei­tag haben die Geg­ner der Räu­mung auch nur knapp ver­lo­ren”, so Dzi­e­nus. „Ich reprä­sen­tie­re hier mit mei­nem Pro­test also auch die Mei­nung von fast der Hälf­te aller Grü­nen-Dele­gier­ten auf dem jüngs­ten Par­tei­tag”, sag­te er. „Es ist wich­tig, dass die­se Räu­mung auch aus den Rei­hen der Grü­nen kri­ti­siert wird.” Dzi­e­nus übte daher indi­rekt Kri­tik an Grü­nen-Poli­ti­kern wie NRW-Umwelt­mi­nis­ter Oli­ver Kri­scher, der den Pro­test­lern vor­ge­wor­fen hat­te, am fal­schen Ort zu demons­trie­ren. „Das kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Wir pro­tes­tie­ren hier gegen gigan­ti­sche, zer­stö­re­ri­sche Bag­ger des Ener­gie­kon­zerns RWE, der zur­zeit wie­der vie­le Mil­li­ar­den mit der Koh­le­ver­stro­mung ver­dient und für den Koh­le­aus­stieg bereits mit wei­te­ren Mil­li­ar­den abge­fun­den wird”, so der Vor­sit­zen­de der Grü­nen Jugend. „Unser Pro­test rich­tet sich genau gegen die Rich­ti­gen und ist abso­lut rich­tig. Es geht hier um viel mehr als um Lüt­zer­ath, es geht um die Ernst­haf­tig­keit der gesam­ten Kli­ma­schutz­po­li­tik in Deutsch­land.” Er sehe vor Ort vor allem fried­li­che Pro­tes­te. „Wenn aber Hun­dert­schaf­ten der Poli­zei auf uns zustür­men und zuschla­gen, dann ist das auch eine Gewalt­an­wen­dung”, so Dzi­e­nus. „Wenn man­che behaup­ten, Gewalt­an­wen­dung darf kein Mit­tel der Durch­set­zung poli­ti­scher Zie­le sein, dann soll­ten sie dies unbe­dingt zunächst ein­mal auf die Poli­zei beziehen.”

Foto: Poli­zei, über dts Nachrichtenagentur

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