Grü­ne ver­tei­di­gen geplan­te Wahlrechtsreform

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen im Bun­des­tag, Katha­ri­na Drö­ge, hat die geplan­te Wahl­rechts­re­form gegen Kri­tik ver­tei­digt. „Es wäre ein wich­ti­ges Signal an die Men­schen in die­sem Land, dass wir in der Lage sind, Geset­ze zu beschlie­ßen im Deut­schen Bun­des­tag, die uns ganz per­sön­lich als Abge­ord­ne­te betref­fen, auch die Frak­tio­nen an die­ser Stel­le zu ihrem Nach­teil betref­fen”, sag­te sie. „Denn natür­lich wer­den die Frak­tio­nen klei­ner wer­den. Auch mei­ne Frak­ti­on wird klei­ner mit die­sem Vor­schlag, den wir hier machen.” 

Ziel der Reform sei, dass der Bun­des­tag nicht deut­lich grö­ßer wer­de als vor­ge­se­hen. Der Vor­schlag der Ampel-Frak­tio­nen sieht vor, dass die „Zweit­stim­me” künf­tig „Haupt­stim­me” hei­ßen soll und über die Zusam­men­set­zung des Bun­des­ta­ges ent­schei­det. Die Sit­ze, die auf die Lan­des­lis­ten einer Par­tei ent­fal­len, wer­den zunächst an die Kan­di­da­ten ver­ge­ben, die in ihrem Wahl­kreis die meis­ten „Wahl­kreis­stim­men” erhal­ten haben. Gewin­nen Kan­di­da­ten einer Par­tei in einem Land mehr Wahl­kreis­man­da­te direkt, als der Par­tei nach dem Haupt­stim­men­er­geb­nis zuste­hen, so wer­den die­se Wahl­krei­se gar nicht ver­ge­ben. Damit ent­fal­len die soge­nann­ten „Über­hang­man­da­te”. Soll­ten der Par­tei wei­te­re Sit­ze zuste­hen, wer­den die­se ent­lang der Lan­des­lis­te ver­ge­ben. Wäh­rend AfD und Lin­ke Offen­heit für den Vor­schlag gezeigt haben, kam aus der Uni­ons­frak­ti­on Kri­tik. „Wir hal­ten den Vor­schlag der Ampel für inak­zep­ta­bel. Wahl­krei­se, die gewon­nen wor­den sind, müs­sen auch dazu füh­ren, dass die Wahl­kreis­be­wer­ber das Man­dat im Deut­schen Bun­des­tag über­tra­gen bekom­men und aus­üben kön­nen”, sag­te Uni­ons­frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Fried­rich Merz (CDU). „Wir kön­nen das gel­ten­de Wahl­recht auch so ver­än­dern, dass es dabei bleibt, dass Wahl­kreis­be­wer­ber, die gewählt wor­den sind, das Man­dat über­neh­men kön­nen und gleich­zei­tig der Deut­sche Bun­des­tag sehr deut­lich ver­klei­nert wird.” Die Uni­on hat­te zuletzt ein soge­nann­tes „Gra­ben­wahl­recht” favo­ri­siert, bei dem Erst- und Zweit­stim­me unab­hän­gig von­ein­an­der ver­ge­ben wer­den. Das Modell fand auch des­halb kei­ne Mehr­heit im Bun­des­tag, weil es – anders als der Ampel-Vor­schlag – die Ver­hält­nis­se im Bun­des­tag ver­än­dert hät­te. Drö­ge schreibt der Uni­on die Schuld am bis­he­ri­gen Schei­tern einer Reform zu: „Das lag ins­be­son­de­re auch an der Blo­cka­de­hal­tung der CSU, die immer wie­der ihre Ein­zel­in­ter­es­sen über das gro­ße Gan­ze gestellt hat. Und ich hof­fe wirk­lich von Her­zen, dass damit jetzt Schluss ist.” Man lade die demo­kra­ti­sche Oppo­si­ti­on ein, gemein­sam eine Reform des Wahl­rechts zu beschlie­ßen, so die Grü­nen-Poli­ti­ke­rin. „Wir haben die Hand aus­ge­streckt, und wir hof­fen, dass sie ergrif­fen wird, denn so etwas soll­te wirk­lich von der Brei­te des Par­la­ments getra­gen werden.”

Foto: Wahl­lo­kal am 26.09.2021, über dts Nachrichtenagentur

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