Immo­bi­li­en­wirt­schaft erwar­tet zehn Jah­re Wohnungsnot

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Der Bun­des­ver­band der deut­schen Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men (GdW) warnt vor einer zehn Jah­re anhal­ten­den Kri­se auf dem Woh­nungs­markt. „Es ist nicht mög­lich, aus dem Stand ein­fach 400.000 neue Woh­nun­gen pro Jahr zu bau­en. Die Woh­nungs­not wird daher noch min­des­tens zehn Jah­re lang dau­ern”, sag­te GdW-Prä­si­dent Axel Gedasch­ko der „Bild am Sonntag”. 

Die Bun­des­re­gie­rung tue „viel zu wenig”, um ihr eige­nes Woh­nungs­ziel zu errei­chen. Gedasch­ko for­der­te Bund, Län­der und Kom­mu­nen auf, hart gegen­zu­steu­ern. „Dazu gehört, dass die Län­der und Kom­mu­nen alle bebau­ba­ren Grund­stü­cke zur Ver­fü­gung stel­len”, so Gedasch­ko. „Der Bund muss mit Zuschüs­sen und zins­güns­ti­gen Dar­le­hen den Bau för­dern.” In einer ver­gan­ge­ne Woche vor­ge­stell­ten Stu­die des Pest­el-Insti­tuts wur­de das Woh­nungs­de­fi­zit auf 700.000 Woh­nun­gen bezif­fert. Seit­her meh­ren sich die War­nun­gen aus der Bau­wirt­schaft. „Es gibt ein­fach zu weni­ge Auf­trä­ge. Das ist für Fami­li­en, Paa­re und Ein­zel­per­so­nen bit­ter, denn jede ein­zel­ne Woh­nung, die nicht gebaut wird, fehlt auf dem Markt und erhöht den Druck auf die Mie­ten”, so Tim-Oli­ver Mül­ler, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des der Deut­schen Bau­in­dus­trie, gegen­über „Bild am Sonn­tag” (BamS). Harald Schaum, Vize­vor­sit­zen­der der Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt, erklär­te: „Woh­nen wird zum Armuts­ri­si­ko. Schon heu­te müs­sen knapp 11 Pro­zent der Haus­hal­te in Deutsch­land mehr als 40 Pro­zent ihres Ein­kom­mens fürs Woh­nen aus­ge­ben. Die Ver­tei­lung des knap­pen Wohn­raums wird zu wei­te­rer Ver­drän­gung von armen Men­schen aus den Städ­ten füh­ren und droht zum sozia­len Spreng­stoff zu wer­den.” Nach GdW-Pro­gno­sen hat die Bun­des­re­gie­rung ihr Ziel von 400.000 Woh­nun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich ver­fehlt, auch die Zahl der Woh­nungs­ge­neh­mi­gun­gen ist seit Mona­ten rück­läu­fig. „Der Rück­gang der Woh­nungs­bau­zah­len ist dra­ma­tisch, wir lau­fen in eine hand­fes­te Kri­se auf dem Woh­nungs­markt mit weit­rei­chen­den Fol­gen”, kri­ti­sier­te Jan-Mar­co Luc­zak (CDU), woh­nungs­po­li­ti­scher Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on in der „Bild am Sonn­tag”. „Doch anstatt beherzt gegen­zu­steu­ern, treibt die Bun­des­re­gie­rung mit immer stren­ge­ren Stan­dards die Kos­ten wei­ter nach oben und zer­stört mit Cha­os und Kür­zun­gen bei der För­de­rung für Neu­bau und Eigen­tums­bil­dung die not­wen­di­ge Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit.” Die Regie­rungs­par­tei FDP for­der­te einen „ech­ten Bau-Boos­ter” für das Jahr 2023. „Die Kon­zep­te lie­gen längst auf dem Tisch”, so Dani­el Föst, woh­nungs­po­li­ti­scher Spre­cher der FDP. „Wir müs­sen weg von tau­sen­den Nor­men, Vor­schrif­ten und ener­ge­ti­schen Anfor­de­run­gen ohne ech­ten Mehr­wert fürs Kli­ma – hin zu einer ver­läss­li­chen Neu­bau­för­de­rung.” Der Mie­ter­bund ver­langt hin­ge­gen ein Reform bei Sozi­al­woh­nun­gen. „Das Maß ist über­voll, die Poli­tik, ins­be­son­de­re Jus­tiz­mi­nis­ter Busch­mann, muss end­lich han­deln”, so Mie­ter­bund-Prä­si­dent Lukas Sie­ben­kot­ten zu „Bild am Sonn­tag”. Neben Refor­men im Miet­recht bräuch­te es auch ein Umden­ken beim Woh­nungs­bau. „Es kann nicht sein, dass vom Staat geför­der­te Woh­nun­gen nach weni­gen Jah­ren wie­der auf den frei­en Markt kom­men und den Inves­to­ren Spit­zen­ge­win­ne besche­ren. Ein­mal geför­dert muss bedeu­ten: für immer im Miet­preis gebunden.”

Foto: Wohn­häu­ser, über dts Nachrichtenagentur

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.