Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um will „Com­mer­cial Courts” in Deutsch­land fördern

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um möch­te deut­schen Land­ge­rich­ten ermög­li­chen, Wirt­schafts­pro­zes­se mit inter­na­tio­na­ler Betei­li­gung künf­tig kom­plett auf Eng­lisch zu füh­ren. In einem Eck­punk­te­pa­pier, über das „FAZ Ein­spruch” in der aktu­el­len Aus­ga­be berich­tet, schreibt das Minis­te­ri­um, die Bun­des­län­der soll­ten die Befug­nis erhal­ten, dafür ein­zel­ne Land­ge­rich­te aus­zu­wäh­len. Bis­her kön­nen Pro­zess­be­tei­lig­te unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zwar bereits auf Eng­lisch verhandeln. 

Kla­ge­schrift und Urteil müs­sen aber stets auf Deutsch ver­fasst sein. Hin­ter­grund der Plä­ne ist der Wett­be­werb Deutsch­lands mit Gerich­ten ande­rer Staa­ten und pri­va­ten Schieds­ge­rich­ten. Kön­nen die Streit­par­tei­en den Gerichts­stand­ort aus­wäh­len, ent­schei­den sich deut­sche Unter­neh­men in inter­na­tio­na­len Pro­zes­sen oft­mals gegen deut­sche Gerich­te. Die Bun­des­re­gie­rung ver­mu­tet, dies lie­ge auch an den deut­schen Pro­zess­re­geln. Mit den neu­en Regeln soll die „Sicht­bar­keit” der deut­schen Rechts­ord­nung gestärkt wer­den. In Ams­ter­dam, Dubai, Lon­don, Paris, Sin­ga­pur und Chi­na gibt es bereits inter­na­tio­na­le „Com­mer­cial Courts”. Für gro­ße Han­dels­sa­chen sieht das Papier erst­in­stanz­li­che Spe­zi­al­se­na­te bei den Ober­lan­des­ge­rich­ten vor. Die­se „Com­mer­cial Courts” sol­len ab einem bestimm­ten Streit­wert mit Ein­ver­ständ­nis der Streit­par­tei­en aktiv wer­den. Ähn­lich wie bei Schieds­ge­rich­ten möch­te das Minis­te­ri­um vor die­sen Spe­zi­al­se­na­ten ein Wort­pro­to­koll erlau­ben, das die Par­tei­en wäh­rend der Ver­hand­lung mit­le­sen. Um deut­sche Gerich­te für inter­na­tio­na­le Wirt­schafts­pro­zes­se attrak­ti­ver zu machen, sieht das Papier zudem einen bes­se­ren Schutz von Geschäfts­ge­heim­nis­sen vor. Deren Offen­le­gung außer­halb des Ver­fah­rens soll künf­tig ab Kla­ge­er­he­bung ver­bo­ten sein. Bis­lang haben Zivil­rich­ter ledig­lich die Mög­lich­keit, zum Schutz sol­cher Geheim­nis­se die Öffent­lich­keit von der Ver­hand­lung auszuschließen.

Foto: Land­ge­richt Mün­chen I, über dts Nachrichtenagentur

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