Lan­des­wirt­schafts­mi­nis­ter fürch­ten Deindustrialisierung

Pots­dam (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Bran­den­burgs Wirt­schafts­mi­nis­ter Jörg Stein­bach for­dert ein­fa­che­re För­der­be­din­gun­gen für Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men, die in Deutsch­land neue Wer­ke auf- oder aus­bau­en. „Im Stand­ort­wett­be­werb mit den USA wird Euro­pa ansons­ten den Kür­ze­ren zie­hen”, sag­te der SPD-Poli­ti­ker dem „Spie­gel” in der neu­en Aus­ga­be. Wenn Brüs­sel und Ber­lin die För­der­richt­li­ni­en nicht schleu­nigst refor­mier­ten, gin­gen „wich­ti­ge Zukunfts­be­rei­che wie Bat­te­rien und Was­ser­stoff verloren”. 

Dies, so Stein­bach, käme einer „Deindus­tria­li­sie­rung Deutsch­lands und Euro­pas” gleich. Anders als in den USA gebe es in Deutsch­land für inves­ti­ti­ons­wil­li­ge Unter­neh­men der­zeit kei­ner­lei Ver­läss­lich­keit, ob, wann und in wel­cher Höhe För­der­mit­tel flie­ßen. Der Antrags­pro­zess sei umständ­lich und büro­kra­tisch. Für falsch hält der Minis­ter außer­dem, dass pri­mär die Ansied­lung als sol­che geför­dert wer­de. Künf­tig sol­le sich die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung stär­ker an der tat­säch­li­chen Pro­duk­ti­ons­men­ge ori­en­tie­ren. Davon könn­ten etwa Betrei­ber soge­nann­ter „Giga­fac­to­rys” für E‑Au­to-Bat­te­rien pro­fi­tie­ren: Der Über­gang von der Pilot­pha­se auf die Mas­sen­fer­ti­gung kos­tet sie Mil­li­ar­den. Sei­ne For­de­run­gen habe Stein­bach unlängst bei der EU-Kom­mis­si­on vor­ge­tra­gen. Er gilt als Strip­pen­zie­her hin­ter der Ansied­lung des Tes­la-Auto­werks in Grün­hei­de. Der E‑Au­to-Her­stel­ler plant neben der Auto- auch eine Bat­te­rie­fa­brik, will aber infol­ge bes­se­rer För­der­be­din­gun­gen in den USA die Prio­ri­tä­ten neu set­zen. Tei­le der Pro­zess­ket­te könn­ten statt in Grün­hei­de im US-Werk in Aus­tin, Texas, ent­ste­hen. Stein­bachs Amts­kol­le­ge Olaf Lies (SPD) aus der VW-Hei­mat Nie­der­sach­sen sieht bereits die Gefahr, dass Zukunfts­tech­no­lo­gien künf­tig gar nicht mehr in Deutsch­land und Euro­pa ent­ste­hen. Die Fol­gen des Stand­ort­wett­be­werbs mit den USA und Asi­en sei­en „weit dra­ma­ti­scher, als das, was wir bis­her in der Pan­de­mie und nach dem Ukrai­ne­krieg erlebt haben”. Um eine Deindus­tria­li­sie­rung zu ver­hin­dern, for­dert Lies unter ande­rem einen garan­tier­ten „euro­päi­schen Indus­trie­strom­preis” von vier Cent pro Kilo­watt­stun­de. Schwan­kun­gen müss­ten aus EU-Mit­teln aus­ge­gli­chen wer­den. „Die Indus­trie benö­tigt drin­gend einen sta­bi­len Rah­men für ihre Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen”, so der Minister.

Foto: Stahl­pro­duk­ti­on, über dts Nachrichtenagentur

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.