Lob und Kri­tik für Pistorius-Entscheidung

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die Ent­schei­dung von Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz (SPD), den lang­jäh­ri­gen nie­der­säch­si­schen Innen­mi­nis­ter Boris Pis­to­ri­us (SPD) zum neu­en Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter zu ernen­nen, ist auf ein geteil­tes Echo gesto­ßen. Ver­hal­ten opti­mis­tisch äußer­te sich die Vor­sit­zen­de des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses, Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann (FDP). Sie kün­dig­te in der „Rhei­ni­schen Post” an, kon­struk­tiv mit Pis­to­ri­us zusam­men­ar­bei­ten zu wollen. 

„Als Innen­mi­nis­ter kennt er das The­ma Sicher­heit und die Zusam­men­ar­beit mit denen, die sich für unse­re Sicher­heit ein­set­zen”, sag­te die FDP-Poli­ti­ke­rin. In Ber­lin wer­de er jedoch dar­an gemes­sen, ob er die Belan­ge der Trup­pe ver­ste­he und die­se durch­set­zungs­stark gegen­über dem Bun­des­kanz­ler­amt und dem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um durch­set­zen kön­ne. Der Prä­si­dent des Ver­ban­des der Reser­vis­ten der Deut­schen Bun­des­wehr, Patrick Sen­s­burg, begrüß­te die Ent­schei­dung. Pis­to­ri­us sei ein erfah­re­ner Innen­mi­nis­ter und ken­ne „Men­schen­füh­rung”, sag­te Sen­s­burg der „Rhei­ni­schen Post”. Der Reser­vis­ten­ver­band freue sich, „dass nun ein Reser­vist an der Spit­ze des Minis­te­ri­ums steht, der schon lan­ge gute und inten­si­ve Kon­tak­te zur Reser­ve in Nie­der­sach­sen hat”. Bei den Oppo­si­ti­ons­par­tei­en wur­de die Per­so­na­lie deut­lich nega­ti­ver auf­ge­nom­men. Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Johann Wade­phul nann­te die Ent­schei­dung zwar eine Über­ra­schung, „nur lei­der kei­ne gute”. Pis­to­ri­us sei eine Beset­zung aus der „B‑Mannschaft”. Zudem ver­wies Wade­phul dar­auf, dass sich Pis­to­ri­us ange­sichts der aktu­el­len Lage, die sonst übli­chen 100 Tage Ein­ar­bei­tungs­zeit nicht erlau­ben kön­ne. AfD-Che­fin Ali­ce Wei­del warf dem Kanz­ler vor, mit Pis­to­ri­us den nächs­ten Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter „ohne irgend­wel­che Exper­ti­se auf sei­nem Fach­ge­biet” aus­ge­wählt zu haben. Die Lin­ken in Nie­der­sach­sen ver­wie­sen unter­des­sen auf zahl­rei­che Skan­da­le, wel­che die Amts­zeit von Pis­to­ri­us durch­zo­gen hät­ten. So sei­en Schuss­waf­fen und Muni­ti­on aus Poli­zei­dienst­stel­len ver­schwun­den und gehei­me Akten der Poli­zei ver­lo­ren gegan­gen. Zudem ver­ab­schie­de sich die Bun­des­re­gie­rung durch die Ernen­nung auch von ihrem Wahl­ver­spre­chen eines pari­tä­tisch besetz­ten Bun­des­ka­bi­netts. Die­ses The­ma könn­te auch inner­halb der Bun­des­re­gie­rung noch für Streit sor­gen – die Grü­nen hat­ten bis zuletzt auf Pari­tät im Kabi­nett gepocht.

Foto: Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, über dts Nachrichtenagentur

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