Müt­zenich stellt sich hin­ter Leopard-Lieferungen

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – SPD-Frak­ti­ons­chef Rolf Müt­zenich hat sich in einem Brief an die sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten gewandt und sich hin­ter die Ent­schei­dung von Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz (SPD) für Kampf­pan­zer­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne gestellt. Den Regie­rungs­chefs von Deutsch­lands Ver­bün­de­ten sei in die­sen Tagen etwas Außer­or­dent­li­ches gelun­gen, heißt es in dem Brief, über den die „Rhei­ni­sche Post” in ihrer Don­ners­tag­aus­ga­be berich­tet. „Nach einem Jahr der rus­si­schen Aggres­si­on und des Über­falls auf die Ukrai­ne ist die Koali­ti­on, die der Ukrai­ne bei ihrem Recht auf Selbst­ver­tei­di­gung auf der Grund­la­ge der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen zur Sei­te steht, geschlos­se­ner und stär­ker als zuvor”, schreibt Mützenich. 

Von Frank­reich und den USA sei zu erwar­ten, dass sie in Kür­ze Schrit­te gehen, die der Lie­fe­rung von Leo­pard-Kampf­pan­zern ähnel­ten. Das gemein­sa­me Vor­ge­hen der drei NATO-Part­ner gehe zurück auf ein Tele­fo­nat von Olaf Scholz mit Joe Biden Anfang Janu­ar, so Müt­zenich. „Die jet­zi­ge Ent­schei­dung wur­de über Wochen abge­stimmt und vor­be­rei­tet.” Zudem greift der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de in dem Brief die Oppo­si­ti­on im Bun­des­tag und „ein­zel­ne Mit­glie­der” der Koali­ti­ons­part­ner Grü­ne und FDP an: „Es ent­behrt des­halb nicht einer gewis­sen Komik, wenn man­che nun die Öffent­lich­keit glau­ben machen wol­len, ihre wüs­ten Beschimp­fun­gen hät­ten zu die­sem Erfolg bei­getra­gen. Das Gegen­teil ist der Fall”, heißt es im Brief. „Die stän­di­gen Quer­schüs­se haben mehr gescha­det als genutzt und das eng abge­stimm­te Vor­ge­hen gefähr­det. All die vor­schnel­len Urtei­le lösen sich in hei­ße Luft auf. Weder bremst Deutsch­land noch ist es iso­liert”, so Müt­zenich. Die Bun­des­re­gie­rung han­de­le ver­ant­wor­tungs­voll im Gleich­schritt mit den USA, Frank­reich und den ande­ren Part­nern. „Statt laut­star­kem Getö­se wäre künf­tig viel­leicht etwas mehr Demut und Zurück­hal­tung ange­bracht.” Diplo­ma­ti­sche Ver­hand­lun­gen erfolg­ten ver­trau­lich, man füh­re sie nicht in den Medi­en oder unter Ein­be­zie­hung „angeb­li­cher” Exper­ten, die sich so zahl­reich in den Talk­shows mit nicht immer gut gemein­ten und durch­dach­ten Rat­schlä­gen zu Wort mel­de­ten, schreibt Müt­zenich. „Vor allem: Sie ken­nen nicht den Stand und Gehalt not­wen­di­ger Ver­ab­re­dun­gen mit unse­ren Part­nern. Jeder Zwi­schen­ruf, der ja oft allein zur Selbst­dar­stel­lung geäu­ßert wird, muss in Mos­kau falsch gedeu­tet wer­den”, so der SPD-Frak­ti­ons­chef. „Und ja, sol­che Ver­hand­lun­gen dau­ern manch­mal lan­ge, weil es in Zei­ten von Krieg und Frie­den nicht um die Schlag­zei­le gehen darf, son­dern um Ver­trau­en, Ernst­haf­tig­keit und Rele­vanz.” Umso wich­ti­ger sei, dass man Olaf Scholz die Unter­stüt­zung für sei­ne Zie­le und sei­ne Arbeit gebe. „Des­halb habe ich mich immer wie­der den unge­recht­fer­tig­ten, manch­mal ver­let­zen­den Vor­wür­fen in den Weg gestellt, um Raum für Ver­nunft, Gemein­sam­keit und Maß zu geben”, schreibt Müt­zenich an die SPD-Abge­ord­ne­ten. „Noch wäh­rend unse­rer gest­ri­gen Frak­ti­ons­sit­zung muss­ten letz­te Details der Eini­gung abge­stimmt wer­den, zumal die Zeit­ver­schie­bung ihr Übri­ges tut. Des­halb bit­te ich auch die Frak­ti­ons­kol­le­gin­nen und Frak­ti­ons­kol­le­gen um Ver­ständ­nis, dass wir Euch nicht bereits ges­tern Nach­mit­tag, son­dern erst heu­te über die Ergeb­nis­se infor­mie­ren kön­nen”, so Müt­zenich in dem Brief. Er warnt dar­in vor dem Trug­schluss, mit der Lie­fe­rung schwe­rer Pan­zer wäre der Krieg ent­schie­den. „Wir brau­chen wei­te­re inter­na­tio­na­le Bemü­hun­gen und diplo­ma­ti­sche Initia­ti­ven, um die­ses mör­de­ri­sche Schlach­ten end­lich zu been­den”, so Mützenich.

Foto: SPD-Logo, über dts Nachrichtenagentur

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