Özd­emir lehnt voll­stän­di­ges Pes­ti­zid-Ver­bot in Wein­bau­ge­bie­ten ab

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Cem Özd­emir lehnt ein Total­ver­bot von Pes­ti­zi­den in Schutz­ge­bie­ten ab. „Wir haben Son­der­kul­tu­ren wie den Obst­bau und den Wein­bau, die für unse­re Kul­tur­land­schaf­ten und deren Arten­viel­falt prä­gend sind. Für die müs­sen wir trag­fä­hi­ge Lösun­gen fin­den, sonst gibt es kei­nen Wein mehr aus der Pfalz und kein Obst vom Boden­see”, sag­te der Grü­nen-Poli­ti­ker den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Sams­tag­aus­ga­ben).

„Auch müs­sen wir dar­über spre­chen, wel­che Schutz­ge­bie­te unter die stren­gen Schutz­vor­ga­ben fal­len – Land­schafts­schutz­ge­bie­te gehö­ren für mich nicht dazu.” Özd­emir bekann­te sich zum Vor­ha­ben der EU, 50 Pro­zent der Pflan­zen­schutz­mit­tel bis 2030 ein­zu­spa­ren. Die­ses Ziel sei „nicht ver­han­del­bar”. Aber über den Weg dahin müs­se man spre­chen. Ihm gehe es um das unver­zicht­ba­re Maß. „Ich bin davon über­zeugt, dass wir uns auf einen guten Kom­pro­miss zwi­schen Natur­schutz und Land­wirt­schaft ver­stän­di­gen kön­nen”, sag­te er. „Natür­lich gilt es, die Bau­ern dabei zu unter­stüt­zen und pes­ti­zid­freie Wirt­schafts­wei­sen zu för­dern.” Zudem sprach sich der Minis­ter dafür aus, die Her­stel­lung von Bio­sprit aus Getrei­de zu been­den. „Wir brau­chen in der Bun­des­re­gie­rung eine ver­nünf­ti­ge Eini­gung, dass wir schritt­wei­se run­ter­ge­hen vom Bio­sprit aus Nah­rungs­pflan­zen, um die­se für die mensch­li­che Ernäh­rung nut­zen kön­nen”, sag­te er. „Ich wür­de es befür­wor­ten, wenn wir ab 2030 im Ver­kehrs­sek­tor auf Kraft­stoff aus Anbau­bio­mas­se ver­zich­ten wür­den.” Getrei­de sol­le „in ers­ter Linie für die mensch­li­che Ernäh­rung genutzt wer­den”, sag­te Özd­emir. „Die Her­stel­lung von Bio­sprit aus Nah­rungs­pflan­zen hat kei­ne Zukunft – vor allem nicht, wenn wir das The­ma Ernäh­rungs­si­cher­heit und bezahl­ba­re Lebens­mit­tel ernst neh­men.” Özd­emir lehn­te es ab, die Still­le­gung zusätz­li­cher Anbau­flä­chen um ein wei­te­res Jahr zu ver­schie­ben. „Der Kom­pro­miss war eine ein­ma­li­ge Reak­ti­on auf den rus­si­schen Angriff, um die Märk­te zu sta­bi­li­sie­ren. Genau­so wie die Aus­set­zung der soge­nann­ten Frucht­fol­ge-Vor­ga­be, damit auf dem glei­chen Acker Wei­zen auf Wei­zen ange­baut wer­den kann”, sag­te er. „Künf­tig gilt auch wie­der, dass vier Pro­zent der Flä­che für den Arten- und Boden­schutz reser­viert sind.” Als Hono­rie­rung für die­se Leis­tung erhiel­ten Land­wir­te jähr­lich ihre Agrar­för­de­rung. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te eine EU-Rege­lung, die für alle land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be ab 2023 eine Still­le­gung von vier Pro­zent der Flä­chen vor­sieht, für ein Jahr ausgesetzt.

Foto: Wein­berg, über dts Nachrichtenagentur

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