Regie­rungs­be­richt: Kaum Ost­deut­sche in Spit­zen der Bundesbehörden

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Mehr als 30 Jah­re nach dem Mau­er­fall sind Ost­deut­sche in Spit­zen­po­si­tio­nen der Bun­des­be­hör­den immer noch deut­lich unter­re­prä­sen­tiert. Nur 13,9 Pro­zent der Füh­rungs­kräf­te in obers­ten Bun­des­be­hör­den sind gebür­ti­ge Ost­deut­sche, wie aus einem Bericht des Ost­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung Cars­ten Schnei­der (SPD) her­vor­geht, über den die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Mitt­woch­aus­ga­ben) berich­ten. Wird Ost­deutsch­land ohne Ber­lin betrach­tet, hal­biert sich der Anteil sogar fast auf 7,5 Prozent. 

„Über alle Füh­rungs­ebe­nen hin­weg sind Ost­deut­sche nicht ihrem Anteil an der Gesamt­be­völ­ke­rung ent­spre­chend ver­tre­ten”, heißt es in dem Bericht. Das Papier wird an die­sem Mitt­woch im Bun­des­ka­bi­nett bera­ten. Für die erst­mals erho­be­ne Sta­tis­tik hat­te Schnei­der die Her­kunft des Füh­rungs­per­so­nals auf mehr als 3.600 Posi­tio­nen in 93 Bun­des­be­hör­den unter­su­chen las­sen. Dazu gehör­ten unter ande­rem Bun­des­re­gie­rung, Bun­des­tag, Bun­des­prä­si­di­al­amt, Bun­des­rat und Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sowie sämt­li­che Bun­des­ge­rich­te. „In den höhe­ren Füh­rungs­ebe­nen ist die Unter­re­prä­sen­ta­ti­on beson­ders stark aus­ge­prägt. So liegt der Anteil Ost­deut­scher in den Lei­tungs­ebe­nen bei 6,8 Pro­zent, ohne Ber­lin bei 4,5 Pro­zent”, heißt es in dem Bericht. Aus Sicht Schnei­ders bele­gen die Zah­len „eine deut­li­che Benach­tei­li­gung” Ost­deut­scher bei der Ver­tei­lung von Füh­rungs­po­si­tio­nen in der Bun­des­ver­wal­tung. „Wie in ande­ren Berei­chen der Gesell­schaft han­delt sich um eine Art unbe­wuss­ter Dis­kri­mi­nie­rung von Men­schen aus dem Osten”, sag­te der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. „Ins­be­son­de­re für die älte­ren Genera­tio­nen im Osten gab es wenig Zugang zu hoch­do­tier­ten Stel­len im öffent­li­chen Dienst auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne, da nach der Wen­de vor allem jun­ge West­deut­sche die­se Posi­tio­nen besetzt haben und bis heu­te beset­zen.” Als ost­deutsch gel­ten in der Erhe­bung Men­schen, die in den neu­en Bun­des­län­dern gebo­ren wur­den. Schnei­der mahnt ange­sichts der Zah­len eine Selbst­ver­pflich­tung der Bun­des­re­gie­rung an, beim Bemü­hen um eine höhe­re Diver­si­tät künf­tig auch Ost­deut­sche im Blick zu haben: „Auf allen Hier­ar­chie­stu­fen muss die Sen­si­bi­li­tät für die Unter­re­prä­sen­ta­ti­on von Ost­deut­schen in Füh­rungs­po­si­tio­nen vor­han­den sein”, for­dert Schnei­der in dem Bericht. „Eine bes­se­re Reprä­sen­ta­ti­on und die öffent­li­che Sicht­bar­keit von Ost­deut­schen in Füh­rungs­po­si­tio­nen gera­de auch in der Bun­des­ver­wal­tung kön­nen das Ver­trau­en in die Demo­kra­tie stär­ken und die Akzep­tanz auch für schwie­ri­ge poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen erhöhen.”

Foto: Red­ner­pult im Bun­des­kanz­ler­amt, über dts Nachrichtenagentur

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