Rufe nach Stopp des Luft­ver­kehrs­ab­kom­mens mit Katar

Brüs­sel (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Ange­sichts des Kor­rup­ti­ons­skan­dals im EU-Par­la­ment gerät jetzt auch ein umstrit­te­nes Luft­ver­kehrs­ab­kom­men zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und Katar erneut in die Dis­kus­si­on. Der FDP-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te und Vize­chef des Ver­kehrs­aus­schus­ses im EU-Par­la­ment, Jan-Chris­toph Oetjen, for­der­te in den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe, die EU-Mit­glied­staa­ten müss­ten die Rati­fi­zie­rung des Abkom­men aus­set­zen. „Es muss jetzt geprüft wer­den, ob Katar damals eine Ein­fluss­nah­me auf die Ver­hand­lungs­po­si­ti­on der EU gehabt hat.” 

Das Luft­ver­kehrs­ab­kom­men sei im ver­gan­ge­nen Jahr ver­han­delt wor­den, aber die Rati­fi­zie­rung durch die Mit­glied­staa­ten ste­he noch aus. Oetjen sag­te: „Bis die Trag­wei­te des Fal­les offen­ge­legt wur­de, müs­sen die Mit­glieds­staa­ten die Rati­fi­zie­rung auf Eis legen. Der Fall muss rest­los auf­ge­deckt wer­den.” Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um bestä­tig­te auf Anfra­ge der Fun­ke-Zei­tun­gen, dass Deutsch­land das Abkom­men noch nicht rati­fi­ziert habe. Ein Spre­cher sag­te: „Die Bun­des­re­gie­rung ver­folgt die aktu­el­le Situa­ti­on auf­merk­sam.” Die Regie­rung habe der Unter­zeich­nung des EU-Katar-Luft­ver­kehrs­ab­kom­mens zuge­stimmt, Deutsch­land habe das Abkom­men aber wie die meis­ten ande­ren EU-Staa­ten noch nicht rati­fi­ziert. „Das Rati­fi­zie­rungs­ver­fah­ren ist noch nicht ein­ge­lei­tet”, füg­te der Spre­cher hin­zu. Das Luft­ver­kehrs­ab­kom­men ist umstrit­ten, Luft­han­sa und ande­re euro­päi­sche Air­lines hat­ten eben­so wie Gewerk­schaf­ten mas­siv gegen die Ver­ein­ba­rung pro­tes­tiert. Die Pilo­ten­ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit hat­te gewarnt, die mas­si­ve Aus­wei­tung des Markt­zu­gangs für die staat­lich sub­ven­tio­nier­te Air­line Katars sei „unver­ant­wort­lich” und gefähr­de unzäh­li­ge Jobs. Der Spre­cher des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums sag­te, EU und Katar hät­ten ver­ein­bart, das Abkom­men jeweils bereits prak­tisch anzu­wen­den: Seit der Unter­zeich­nung des Abkom­mens am 18. Okto­ber 2021 sei­en Über­gangs­re­ge­lun­gen bis zum end­gül­ti­gen Inkraft­tre­ten in Kraft, die eine schritt­wei­se Öff­nung des EU-Luft­ver­kehrs­markts vor­se­hen. „Qatar Air­ways nutzt die mög­li­che Anzahl der Fre­quen­zen der­zeit nicht aus”, füg­te der Spre­cher hinzu.

Foto: Qatar Air­ways, über dts Nachrichtenagentur

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