Sach­sen will Fach­kräf­te aus Asi­en holen

Dres­den (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­schmer (CDU) hat eine Offen­si­ve zur Zuwan­de­rung von Fach­kräf­ten in den deut­schen Osten ange­kün­digt. „Wir wol­len Ziel­re­gio­nen aus­wäh­len – etwa in Indi­en oder Viet­nam. In die­sen Regio­nen wol­len wir dafür wer­ben, dass Men­schen nach Ost­deutsch­land kom­men”, sag­te der stell­ver­tre­ten­de CDU-Vor­sit­zen­de den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Sams­tag­aus­ga­ben).

„Dort wol­len wir auch Sprach­kur­se und eine deut­sche Berufs­aus­bil­dung anbie­ten.” Ver­ein­ba­run­gen mit den Her­kunfts­staa­ten soll­ten Hür­den bei der Visa­ver­ga­be oder der Aner­ken­nung von Berufs­ab­schlüs­sen besei­ti­gen. Dafür sei „eine kon­zer­tier­te Akti­on” von Bund, Län­dern, Kom­mu­nen und der Wirt­schaft erfor­der­lich. Die­ser neue Ansatz sol­le auch The­ma bei der nächs­ten Ost-Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz in Schwe­rin wer­den. Län­der „mit einem Jugend­über­schuss” eig­ne­ten sich beson­ders als Her­kunfts­staa­ten, führ­te Kret­schmer aus. „Wenn die beruf­li­chen Per­spek­ti­ven in der Hei­mat schlecht sind, steigt die Bereit­schaft zur Ver­än­de­rung.” Den Osten Deutsch­lands beschrieb er als attrak­tiv für aus­län­di­sche Fach­kräf­te. „Wir haben Platz, wir haben güns­ti­ge Mie­ten und eine wun­der­ba­re Kul­tur­land­schaft. Der Osten ist der moder­ne­re Teil Deutsch­lands – gera­de was die Infra­struk­tur angeht.” Einen Fami­li­en­nach­zug lehn­te der CDU-Poli­ti­ker aller­dings ab: „Es muss dar­um gehen, dass Ein­wan­de­rung in Beschäf­ti­gung statt­fin­det”, sag­te er. „Wenn eine grö­ße­re Grup­pe von Men­schen aus einer bestimm­ten Regi­on kommt, wird das dazu bei­tra­gen, dass sie sich bei uns wohl­füh­len. Wir soll­ten uns auf das Mach­ba­re kon­zen­trie­ren.” Kret­schmer räum­te ein, dass die neu­en Län­der wenig Erfah­rung mit Fach­kräf­te­zu­wan­de­rung hät­ten. Doch brau­che allein Sach­sen auf­grund der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung bis zum Ende des Jahr­zehnts „bestimmt 100.000 Arbeits­kräf­te aus dem Aus­land”. Mög­li­che Frem­den­feind­lich­keit sieht Kret­schmer nicht als Hür­de. „Wir haben eine gro­ße Will­kom­mens­kul­tur”, sag­te er. „Der viet­na­me­si­sche Gemü­se­händ­ler ist hier aner­kannt und will­kom­men, der liba­ne­si­sche Arzt und der indi­sche Infor­ma­ti­ker genau­so. Und die Stu­die­ren­den, die aus der gan­zen Welt zu uns kom­men, füh­len sich bei uns pudel­wohl.” Im Übri­gen wer­de man nicht nach­las­sen im Kampf gegen Rechts­extre­mis­mus und Frem­den­feind­lich­keit. „Wir brau­chen das gemein­sa­me Ver­ständ­nis, dass Fach­kräf­te­zu­wan­de­rung in unse­rem Inter­es­se ist”, sag­te er. „Wenn Arbeits­plät­ze nicht besetzt sind, kann Wachs­tum nicht statt­fin­den. Wir brau­chen die­se Arbeits­kräf­te, um unser Wohl­stands­ni­veau zu hal­ten. Und wir wer­den sie nicht in Sach­sen-Anhalt oder Thü­rin­gen fin­den.” Zurück­hal­tend äußer­te sich Kret­schmer über einen mög­li­chen Bei­trag der geflüch­te­ten Ukrai­ne­rin­nen und Ukrai­ner. Zwar woll­ten vie­le von ihnen in Deutsch­land blei­ben. „Man soll­te aber nicht erwar­ten, dass Men­schen, die vor dem Krieg geflüch­tet sind, unse­ren dra­ma­ti­schen Fach­kräf­te­man­gel lösen.”

Foto: Stra­ßen­sze­ne in Thai­land, über dts Nachrichtenagentur

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