Spit­zen­po­li­ti­ker kri­ti­sie­ren Aus­beu­tung ukrai­ni­scher Geflüchteter

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Spit­zen­po­li­ti­ker ver­schie­de­ner Par­tei­en for­dern ein här­te­res Durch­grei­fen gegen Geschäfts­leu­te, die ukrai­ni­sche Geflüch­te­te sys­te­ma­tisch nach Deutsch­land in Schwarz­ar­beit ver­mit­teln. Uni­ons-Frak­ti­ons­vi­ze Jens Spahn sag­te „Busi­ness Insi­der”: „Win­di­gen Geschäf­te­ma­chern, die in schlecht bezahl­te Schwarz­ar­beit ver­mit­teln, muss das Hand­werk gelegt wer­den. Die Ampel soll­te dazu den Zoll gezielt ein­set­zen und bes­ser ausstatten”. 

Die Not der Ukrai­ner, die in Deutsch­land Schutz such­ten, dür­fe nicht aus­ge­nutzt wer­den. Links­frak­ti­ons­chefin Ami­ra Moha­med Ali sieht die Bun­des­re­gie­rung eben­falls in der Pflicht, die kri­mi­nel­le Aus­beu­tung ukrai­ni­scher Geflüch­te­ter zu ver­hin­dern, um sie erfolg­reich in Deutsch­land zu inte­grie­ren. „Der Zoll ist für das The­ma kri­mi­nel­le Aus­beu­tung zustän­dig, dafür aber nicht mit den not­wen­di­gen Mit­teln aus­ge­stat­tet. Die Bun­des­re­gie­rung muss für die nöti­ge Aus­stat­tung bei den Zoll­be­hör­den sor­gen.” CDU-Sozi­al­ex­per­te und EU-Abge­ord­ne­ter Den­nis Rad­tke kri­ti­siert das Ver­hal­ten des Arbeits­mi­nis­te­ri­ums: „Es ist beschä­mend, dass sich Huber­tus Heil hin­ter dem Zoll ver­steckt. Ich erwar­te von einem Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter, dass er bei dem offen­kun­di­gen Durch­set­zungs­pro­blem bei Schwarz­ar­beit und Min­dest­lohn an der Spit­ze der Bewe­gung steht, um dort Abhil­fe zu schaf­fen”, sag­te er „Busi­ness Insi­der”. Die Pro­ble­me hät­ten schon vor der Flücht­lings­wel­le bestan­den und poten­zier­ten sich nun durch skru­pel­lo­se Geschäf­te­ma­cher. Deutsch­land habe kein Rege­lungs­de­fi­zit, son­dern ein Voll­zugs­de­fi­zit. „Wer da weg­schaut wie Huber­tus Heil, der akzep­tiert die Kapi­tu­la­ti­on des Rechts­staats”, so Rad­tke. Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­dent Wolf­gang Kubicki (FDP) hält das Pro­blem der Straf­ver­fol­gung eben­falls für ein Voll­zugs­de­fi­zit, weil es ein „klar rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten” sei. „Die zustän­di­gen Behör­den sind auf­ge­for­dert, die schwar­zen Scha­fe zu iden­ti­fi­zie­ren und aus dem Ver­kehr zu zie­hen.” Aus Sicht der Ers­ten Par­la­men­ta­ri­schen Geschäfts­füh­re­rin der SPD-Frak­ti­on im Bun­des­tag, Kat­ja Mast, über­schrei­ten die Job­ver­mitt­ler und Arbeit­ge­ber klar die recht­li­chen Gren­zen in Deutsch­land. „Hier fin­det eine Aus­beu­tung von Men­schen in einer äußert pre­kä­ren Lebens­si­tua­ti­on statt – um nicht weni­ger geht es im Kern.” Es sei eine Aus­beu­tung, mit der anschei­nend sehr gut Geld zulas­ten der Steu­er­zah­ler ver­dient wer­de. „Das ist schä­big und geset­zes­wid­rig”, sag­te sie „Busi­ness Insi­der”. Wer Geset­ze nicht ein­hal­te, oder sie aktiv umge­he, so Mast, müs­se mit Ver­fol­gung und Stra­fe rech­nen. Andre­as Audretsch, stell­ver­tre­ten­dem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Grü­nen, sag­te: „Schwarz­ar­beit führt zu Aus­beu­tung und scha­det uns als Gesell­schaft ins­ge­samt. Es ist Auf­ga­be der Finanz­kon­trol­le beim Zoll gegen Schwarz­ar­beit vor­zu­ge­hen.” Das erwar­te er auch beim Schutz von Men­schen aus der Ukrai­ne vor der Aus­beu­tung in Deutsch­land, so Audretsch. Wie Recher­chen von „Busi­ness Insi­der” zei­gen, kom­men die Job­ver­mitt­ler bis­lang unge­straft davon. Der Zoll ver­wies dar­auf, dass allein die Anwer­bung zur Schwarz­ar­beit und die Arbeits­an­ge­bo­te in Chats in Deutsch­land noch nicht straf­bar sei­en. Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um wie­der­um ver­weist auf bestehen­de Geset­zes­re­ge­lun­gen – und damit letzt­lich wie­der an den Zoll.

Foto: Ankunft von Flücht­lin­gen aus der Ukrai­ne in Deutsch­land, über dts Nachrichtenagentur

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