Ver­such­ter Anschlag gegen Asyl­be­wer­ber könn­te neu auf­ge­rollt werden

Saar­brü­cken (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Im Zuge der Ermitt­lun­gen im Mord­fall Samu­el Yebo­ah, der 1991 infol­ge eines Brand­an­schlags auf eine Geflüch­te­ten­un­ter­kunft in Saar­lou­is ums Leben kam, hat die Gene­ral­staats­an­walt­schaft Saar­brü­cken einen wei­te­ren rechts­ex­tre­men Ter­ror­an­schlag aus den Neun­zi­ger­jah­ren über­prüft. Das geht aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Anfra­ge der lin­ken Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­ti­na Ren­ner her­vor, über die der „Spie­gel” in sei­ner neu­en Aus­ga­be berich­tet. Es geht um ein ver­such­tes Bom­ben­at­ten­tat auf ein Asyl­be­wer­ber­heim in der Wal­ler­fan­ger Stra­ße in Saar­lou­is im Sep­tem­ber 1992. Damals hat­ten unbe­kann­te Täter im Kel­ler des soge­nann­ten „Oran­na-Heims”, in dem rund 180 Men­schen – dar­un­ter Kin­der und Senio­ren – leb­ten, eine Zeit­bom­be deponiert. 

Der pro­fes­sio­nell gebau­te Spreng­satz mit Zeit­zün­der, TNT-Ladung und einem Kanis­ter vol­ler Brand­be­schleu­ni­ger war unter einer höl­zer­nen Trep­pe ver­steckt und hät­te in kür­zes­ter Zeit eine töd­li­che Feu­er­wal­ze ent­facht. Etwa 50 Minu­ten vor der ein­ge­stell­ten Zünd­zeit ging bei der Poli­zei ein anony­mer Anruf ein; die Bom­be wur­de ent­deckt und konn­te ent­schärft wer­den. Bei ihrem Bau war ein extrem sel­te­nes Metall ver­wen­det wor­den, das in einem nahe gele­ge­nen Stahl­werk pro­du­ziert wor­den war. Dort arbei­te­te zur Tat­zeit ein Lehr­ling, der bereits wegen der Her­stel­lung ähn­li­cher Spreng­kör­per poli­zei­be­kannt war und rund einen Kilo­me­ter vom Tat­ort ent­fernt wohn­te. Unab­hän­gig davon mel­de­te sich ein Zeu­ge, der die Stim­me des Aus­zu­bil­den­den auf einem von der Poli­zei ver­öf­fent­lich­ten Mit­schnitt der tele­fo­ni­schen Bom­ben­dro­hung wie­der­erkannt haben woll­te. Trotz der Indi­zi­en konn­te der Ver­däch­ti­ge sei­ner­zeit nicht über­führt wer­den. Auch die Urhe­ber eines maschi­nen­ge­schrie­be­nen Beken­ner­briefs, in dem gegen „Schein­asy­lan­ten” gehetzt wur­de und dem ein Teil der Zünd­vor­rich­tung bei­lag, blie­ben im Dun­keln. Auf die Fra­ge nach dem Ergeb­nis der erneu­ten Prü­fung des Falls erklär­te die Saar­brü­cker Gene­ral­staats­an­walt­schaft, dass sie der­zeit „kei­ne neu­en Ermitt­lungs­an­sät­ze” sehe. Lin­ken-Poli­ti­ke­rin Ren­ner for­dert indes eine Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens, auch mit­hil­fe moder­ner Ermitt­lungs­tech­nik. „Hier geht es um ver­such­ten Mord und es lie­gen hand­fes­te Hin­wei­se auf mög­li­che Täter vor”, so Ren­ner. „Die­sen muss mit allen foren­si­schen Mit­teln nach­ge­gan­gen werden”.

Foto: Poli­zei, über dts Nachrichtenagentur

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