Afgha­nen: Mehr als 9.300 bis­her nach Deutsch­land ausgeflogen

Menschen - Afghanen - Bundeswehr - Militär - Evakuierungsflug - GAF - August 2021 - AfghanistanFoto: Menschen aus dem 2. Afghanistan-Evakuierungsflug am 17.08.2021, Urheber: GAF

Bis Mit­te Janu­ar hat die Bun­des­re­gie­rung nach eige­nen Anga­ben rund 20.400 Auf­nah­me­zu­sa­gen für afgha­ni­sche Orts­kräf­te und deren Fami­li­en erteilt.

Das berich­ten die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Sams­tag­aus­ga­ben) unter Beru­fung auf eine Ant­wort des Aus­wär­ti­gen Amtes auf Anfra­ge der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag. Hin­zu kom­men dem­nach etwa 8.000 wei­te­re Zusa­gen für die Auf­nah­me von „beson­ders gefähr­de­ten Afgha­nin­nen und Afgha­nen und deren Kern­fa­mi­li­en”. Seit dem 15. Mai 2021 sind laut Bun­des­re­gie­rung mehr als 9.300 afgha­ni­sche Orts­kräf­te, gefähr­de­te Per­so­nen wie Jour­na­lis­ten oder Men­schen­recht­lern und deren engs­te Fami­li­en­mit­glie­der in Deutsch­land ein­ge­reist. Das Außen­mi­nis­te­ri­um teil­te dar­über hin­aus mit, dass „vie­le Per­so­nen mit Auf­nah­me­zu­sa­ge bereits eigen­stän­dig Afgha­ni­stan ver­las­sen” haben und sich in Dritt­staa­ten wie etwa Paki­stan befin­den wür­den. Und: Grund­sätz­lich könn­ten ehe­ma­li­ge Orts­kräf­te wei­ter­hin Gefähr­dungs­an­zei­gen bei deut­schen Behör­den stel­len. So befin­den sich auch Mona­te nach der Macht­über­nah­me der Tali­ban noch Tau­sen­de afgha­ni­sche Orts­kräf­te der Bun­des­wehr, des Aus­wär­ti­gen Amtes und des Ent­wick­lungs­hil­fe­mi­nis­te­ri­ums in dem Kri­sen­staat am Hindukusch.

Das Außen­mi­nis­te­ri­um hob in der Ant­wort auf Anfra­ge der Links­frak­ti­on her­vor, dass ehe­ma­li­ge Orts­kräf­te und beson­ders gefähr­de­te Afgha­nen nun „an allen deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen einen Visum­an­trag stel­len” könn­ten. Seit einem schwe­ren Anschlag auf die deut­sche Bot­schaft in der afgha­ni­schen Haupt­stadt Kabul waren für die Bear­bei­tung von Visum­an­trä­gen von Men­schen aus Afgha­ni­stan aus­schließ­lich die deut­schen Bot­schaf­ten im paki­sta­ni­schen Islam­abad und im indi­schen Neu-Delhi zustän­dig. Die Bun­des­re­gie­rung hob her­vor, dass unter ande­rem die Visas­tel­len der Bot­schaft in Islam­abad mit zwölf Mit­ar­bei­tern ver­stärkt wur­den. Auch die Bot­schaft in Neu-Delhi sei mit zwei Per­so­nen auf­ge­stockt wor­den. Das Aus­wär­ti­ge Amt schrieb: „Aktu­ell sind in Islam­abad 29 Dienst­pos­ten, in Kara­chi elf und in Neu-Delhi 19 Dienst­pos­ten im Bereich der Visum­be­ar­bei­tung besetzt”. Wei­te­re Ver­stär­kun­gen etwa in Paki­stan sei­en vor­ge­se­hen. Im Mai 2019 waren laut Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung 47 Dienst­pos­ten in Islam­abad und Neu-Delhi bei der Visums­be­ar­bei­tung eingesetzt.

Die Links­frak­ti­on übte deut­li­che Kri­tik am Ein­satz der Bun­des­re­gie­rung zum Schutz der gefähr­de­ten Men­schen in Afgha­ni­stan. „Erst ein Drit­tel der gefähr­de­ten Per­so­nen mit einer Aus­nah­me­zu­sa­ge konn­te bis­lang nach Deutsch­land kom­men. So vie­le Mona­te nach der Macht­über­nah­men durch die Tali­ban ist das eine erschre­cken­de Bilanz”, sag­te die Lin­ken-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Cla­ra Bün­ger den Fun­ke-Zei­tun­gen. Die Bun­des­re­gie­rung müs­se „ihre Anstren­gun­gen des­halb ver­dop­peln, um die gefähr­de­ten Men­schen so schnell wie mög­lich aus die­ser ver­zwei­fel­ten Lage zu befrei­en”, sag­te Bün­ger. Die Links­po­li­ti­ke­rin hob her­vor, dass Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge von in Deutsch­land aner­kann­ten afgha­ni­schen Flücht­lin­gen bis­her offen­bar ihre Vis­aver­fah­ren nicht in allen Visas­tel­len der Regi­on betrei­ben könn­ten – „im Gegen­satz zu den Orts­kräf­ten oder gefähr­de­ten Per­so­nen und ihren Angehörigen”.

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