Arbeits­lo­sen­geld: Grü­ne kri­ti­sie­ren geplan­te Hartz-IV-Sätze

Arbeitsamt - Agentur für Arbeit - Aschersleben - Schild - Logo - Gebäude - Weg - Laternen - Bäume - WieseFoto: Arbeitsamt in Aschersleben, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Die Grü­nen haben schar­fe Kri­tik an den neu­en Hartz-IV-Sät­zen geübt, die an die­sem Mitt­woch vom Kabi­nett beschlos­sen wer­den sollen.

„Die­ser Gesetz­ent­wurf ist ein Schlag ins Gesicht für Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land”, sag­te der sozi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Sven Leh­mann, dem „Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land” (Mitt­woch­aus­ga­ben). Ein Regel­satz von 439 Euro für Erwach­se­ne sei nicht exis­tenz­si­chernd, kri­ti­sier­te der Abge­ord­ne­te. „Men­schen in Hartz IV oder in der Grund­si­che­rung im Alter sind abge­kop­pelt vom Rest der Gesell­schaft”, beklag­te er. Dadurch wer­de die sozia­le Spal­tung der Gesell­schaft vertieft.

Nach dem Wil­len der Bun­des­re­gie­rung sol­len allein­ste­hen­de Erwach­se­ne ab 2021 einen Hartz-IV-Satz von 439 Euro monat­lich bekom­men, also sie­ben Euro mehr als bis­lang. Ehe­gat­ten und Part­ner sol­len künf­tig 395 Euro erhal­ten (plus sechs Euro). Für Kin­der bis fünf Jah­re ist ein Satz von 279 Euro (plus 29 Euro) geplant. Für sechs- bis 13-jäh­ri­ge Kin­der bleibt der Regel­be­darf wei­ter­hin bei 308 Euro. Für Kin­der zwi­schen 14 bis 17 Jah­ren soll der Satz um 39 auf dann 367 Euro steigen.

Den Regel­be­darf hat die Regie­rung anhand einer Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be ermit­telt, die das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt alle fünf Jah­re durch­führt. Die Grü­nen leh­nen das Ver­fah­ren ab. „Die Bun­des­re­gie­rung igno­riert die vehe­men­ten For­de­run­gen von Gewerk­schaf­ten, Sozi­al- und Fami­li­en­ver­bän­den und Wis­sen­schaft nach einer Kurs­kor­rek­tur in der Regel­satz­er­mitt­lung”, sag­te Leh­mann. „Mit Scheu­klap­pen vor den Augen wie­der­holt das Arbeits­mi­nis­te­ri­um stur die Taschen­spie­ler­tricks frü­he­rer Regel­be­darfs­er­mitt­lun­gen.” Sie spa­re wei­ter an den Ärms­ten der Armen und neh­me in Kauf, „dass das sozio­kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum von sie­ben Mil­lio­nen Men­schen nicht gedeckt ist”.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe dem Gesetz­ge­ber die Vor­ga­be gemacht, dass sich die Regel­be­darfs­er­mitt­lung am Ent­wick­lungs­stand der Gesell­schaft ori­en­tie­ren soll­te. Davon kön­ne aber kei­ne Rede sein. Leh­mann ver­wies auf „lebens­fer­ne Beträ­ge” im Regel­satz wie rund 1,60 Euro im Monat für Bil­dung oder fünf Euro am Tag für Lebens­mit­tel. Die Grü­nen haben ein eige­nes Kon­zept zur Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe vor­ge­legt. Dabei sol­len die unters­ten 15 Pro­zent der Ein­kom­men als Refe­renz­ein­kom­mens­be­reich zu Grun­de gelegt wer­den, ohne die nach­träg­li­che Strei­chun­gen von Aus­ga­ben und berei­nigt um ver­deckt Arme. „Es muss Schluss sein mit den Taschen­spie­ler­tricks”, ver­lang­te Leh­mann. Kon­kret for­dern die Grü­nen eine schritt­wei­se Anhe­bung des Regel­sat­zes für Erwach­se­ne auf 603 Euro im Monat. Ihr Kon­zept wol­len sie in den Bun­des­tag einbringen.

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