Lock­down: Deut­scher Bun­des­tag beschließt Bundesnotbremse

Absperrgitter - Polizei - Strafjustizzentrum - München - Bäume - Gebäude - PolizeiwagenFoto: Absperrgitter und Polizei vor dem Strafjustizzentrum München, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Der Bun­des­tag hat mit sofor­ti­ger Wir­kung die soge­nann­te Bun­des­not­brem­se auf den Weg gebracht.

342 Abge­ord­ne­te stimm­ten am Mitt­woch in der Schluss­ab­stim­mung für die umstrit­te­ne Ände­rung des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes. 250 Par­la­men­ta­ri­er lehn­ten dies ab, 64 ent­hiel­ten sich. In der vor­aus­ge­gan­ge­nen Debat­te hat­te Uni­ons­frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus um Zustim­mung gewor­ben: Wenn man das Gesetz nicht beschlie­ße, „dann wer­den Men­schen krank wer­den und dann wer­den Men­schen ster­ben”, sag­te er.

Wider­stand kam von der Oppo­si­ti­on. AfD-Frak­ti­ons­chef Alex­an­der Gau­land warf der Bun­des­re­gie­rung vor, „zum ers­ten Mal in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik die Frei­heits­rech­te im Grund­ge­setz ein­zu­schrän­ken”. Die gesund­heits­po­li­ti­sche Spre­che­rin der FDP, Chris­ti­ne Aschen­berg-Dug­nus, kün­dig­te unter­des­sen an, dass ihre Par­tei eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Karls­ru­he auf den Weg brin­gen wer­de, falls Aus­gangs­sper­ren beschlos­sen wer­den. Beglei­tet wur­de die Debat­te von Pro­tes­ten meh­re­rer Tau­send Men­schen in Berlin.

Das Regie­rungs­vier­tel wur­de weit­räu­mig abge­sperrt, die Poli­zei war nach eige­nen Anga­ben zusätz­lich mit bis zu 2.200 Beam­ten im Ein­satz. Ins­ge­samt vier Ver­samm­lun­gen wur­den durch die Behör­den ver­bo­ten. Eine Ver­samm­lung auf der Stra­ße des 17. Juni wur­de durch die Poli­zei auf­ge­löst. Als Grund wur­den Ver­stö­ße gegen Hygie­ne­re­geln ange­ge­ben. Bei einer wei­te­ren Ver­samm­lung soll es Poli­zei­an­ga­ben zufol­ge zu Fla­schen­wür­fen auf die Ein­satz­kräf­te gekom­men sein. Ver­ein­zelt sei Pfef­fer­spray ein­ge­setzt worden.

Das durch den Bun­des­tag beschlos­se­ne Gesetz sieht für Gebie­te, in denen an drei auf­ein­an­der fol­gen­den Tagen eine Sie­ben-Tage-Inzi­denz von 100 über­schrit­ten wird, eine bun­des­weit ver­bind­li­che Not­brem­se vor. Unter ande­rem tre­ten dann Aus­gangs­be­schrän­kun­gen von 22:00 Uhr bis 05:00 Uhr in Kraft. Aus­nah­men gibt es für abend­li­che Spa­zier­gän­ger oder Jog­ger zwi­schen 22:00 Uhr und Mit­ter­nacht. Vor­aus­set­zung ist, dass sie allein unter­wegs sind. Die­ser Punkt war im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren abge­schwächt wur­den – ursprüng­lich soll­te die Aus­gangs­sper­re ab 21:00 Uhr gel­ten und kei­ne wei­te­ren Aus­nah­men beinhalten.

Eben­falls geän­dert wur­de der Schwel­len­wert, ab dem Schu­len geschlos­sen wer­den sol­len: Der Inzi­denz­wert für das Ver­bot von Prä­senz­un­ter­richt wur­de von 200 auf 165 abge­senkt. Auch hier muss der Wert an drei auf­ein­an­der fol­gen­den Tagen über­schrit­ten werden.

Stren­ge­re Kon­takt­be­schrän­kun­gen sowie die Schlie­ßung von Geschäf­ten und Frei­zeit­ein­rich­tun­gen gehö­ren eben­falls zu den Maß­nah­men, die durch das Gesetz fest­ge­legt wer­den. Das Paket muss noch den Bun­des­rat pas­sie­ren, was am Don­ners­tag gesche­hen soll.

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