Frank­reich: Ver­zö­gert EU-Bestel­lung von 1,80 Mil­li­ar­den Impfdosen

Impfstoff - Coronavirus - Softbox - LKW - Lieferung - Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen - Dezember 2020 - DüsseldorfFoto: Erster Impfstoff für NRW an der Staatskanzlei (Düsseldorf), Urheber: dts Nachrichtenagentur

Frank­reich blo­ckiert eine Bestel­lung der EU-Kom­mis­si­on von bis zu 1,8 Mil­li­ar­den Impf­stoff­do­sen des Her­stel­lers Biontech/Pfizer.

Das berich­tet die „Welt” unter Beru­fung auf meh­re­re infor­mier­te EU-Diplo­ma­ten. Ange­sichts der welt­weit gro­ßen Impf­stoff­nach­fra­ge für Auf­fri­schimp­fun­gen, Kin­der und Jugend­li­che fürch­ten EU-Regie­run­gen, dass Euro­pa mit sei­ner Bestel­lung zu spät kom­men und damit einen Teil des geplan­ten Impf­stoff­kon­tin­gents ver­lie­ren könn­te. „Das wäre eine Kata­stro­phe, für die Frank­reich ver­ant­wort­lich wäre”, sag­te ein Diplo­mat der „Welt”.

Die USA, Groß­bri­tan­ni­en und Isra­el bestel­len bereits neu­en Impf­stoff. Der Ver­trag mit Biontech/Pfizer sei kom­plett aus­ge­han­delt, hieß es in Krei­sen der EU-Kom­mis­si­on. Der Ver­trag hät­te dem soge­nann­ten Len­kungs­aus­schuss (Stee­ring Com­mi­tee) mit hoch­ran­gi­gen Beam­ten aus den EU-Haupt­städ­ten nach Anga­ben der „Welt” bereits am ver­gan­ge­nen Frei­tag (30. April 2021) zu Bera­tun­gen vor­ge­legt wer­den sol­len. Die natio­na­len Haupt­städ­te kön­nen in dem Aus­schuss durch ihre Beam­ten ent­we­der sofort einer Bestel­lung zustim­men oder sich bis zu fünf Tagen Zeit neh­men um zu ent­schei­den, ob sie ein­ver­stan­den sind oder sich durch ein Opt-Out nicht an der Bestel­lung beteiligen.

Wie das Blatt wei­ter berich­tet, habe das Kol­le­gi­um der EU-Kom­mis­sa­re bei sei­ner wöchent­li­chen Sit­zung am 28. April 2021 dem Ver­trag nicht zuge­stimmt – die ein­stim­mi­ge Zustim­mung ist Vor­aus­set­zung für die Wei­ter­lei­tung an die Mit­glied­staa­ten. Dem­nach hat der fran­zö­si­sche Bin­nen­markt­kom­mis­sar Thier­ry Bre­ton, der auf EU-Ebe­ne den Aus­bau der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten für Impf­stof­fe vor­an­treibt, in der Sit­zung Beden­ken geäu­ßert, so dass die ein­stim­mi­ge Ver­ab­schie­dung nicht mög­lich gewe­sen sei. Kom­mis­si­ons­krei­se woll­ten die­se Dar­stel­lung auf Nach­fra­ge nicht bestä­ti­gen. Meh­re­re Per­so­nen haben zudem in der „Welt” bestä­tigt, dass der fran­zö­si­sche Ver­tre­ter im Len­kungs­aus­schuss für die Impf­stoff­be­stel­lung die Ent­schei­dungs­fin­dung zuletzt eben­falls verzögerte.

Mit immer neu­en Beden­ken, tech­ni­schen Fra­gen und Bit­ten um Klar­stel­lung wür­den die Fran­zo­sen sich zu Wort mel­den, berich­te­ten Diplo­ma­ten. Es gebe in der Tat ein ein­zi­ges Land in dem Gre­mi­um, das noch nicht sei­ne Zustim­mung zu dem Ver­trag signa­li­siert habe und für Ver­zö­ge­rung sor­ge, heißt es in Kom­mis­si­ons­krei­sen. Wie lan­ge Frank­reich wei­ter­hin noch blo­ckie­ren wer­de, sei unklar, heißt es in Brüssel.

Über die Moti­ve der fran­zö­si­schen Regie­rung wird der­zeit spe­ku­liert. Es gehe Paris offen­bar dar­um, Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten für den Bio­n­tech-Impf­stoff nach Frank­reich zu holen und fran­zö­si­sche Unter­neh­men stär­ker in die Pro­duk­ti­on ein­zu­bin­den, berich­ten EU-Diplo­ma­ten. Hin­ter­grund: Die fran­zö­si­sche Regie­rung ist unter Druck, weil in Frank­reich seit Wochen dis­ku­tiert wird, war­um fran­zö­si­sche Her­stel­ler bei der Ent­wick­lung und dem Ver­kauf von Impf­stof­fen bis­her nicht reüs­sie­ren konnten.

Das Pas­teur Insti­tut hat sei­nen Impf­stoff auf­ge­ge­ben, für den Impf­stoff von Sano­fi ist kei­ne Zulas­sung in Euro­pa abseh­bar und der fran­zö­si­sche Her­stel­ler Val­ne­va, des­sen Impf­stoff im Herbst zuge­las­sen wer­den könn­te, hat inzwi­schen die Ver­hand­lun­gen mit der EU-Kom­mis­si­on über eine Bestel­lung abge­bro­chen, weil die Behör­de bis­her nicht zugrei­fen woll­te. Man wer­de jetzt mit ein­zel­nen EU-Staa­ten sepa­rat ver­han­deln, teil­te Val­ne­va im April mit.

Die Hän­ge­par­tie auf Kom­mis­si­ons­sei­te zieht sich der­weil hin: Auch in die­ser Woche hät­te das Kol­leg der Kom­mis­sa­re am Mitt­woch über den Ver­trag abstim­men kön­nen; auch in die­ser Woche gab es kei­ne Ent­schei­dung, heißt es aus der Gene­ral­di­rek­ti­on Gesundheit/Kommissionskreisen. Auf der Sit­zung am heu­ti­gen Frei­tag dürf­te der Len­kungs­aus­schuss wei­ter auf das Papier warten.

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