Poli­tik: Lam­brecht will gesetz­li­che Mel­de­pflicht gegen Hass im Netz

Facebook - Computer - Notebook - Laptop - Person - Website - InternetFoto: Facebook-Nutzer am Computer, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht will im Kampf gegen Rechts­ex­tre­mis­mus und Hass­kri­mi­na­li­tät die gro­ßen Online-Platt­form­be­trei­ber mit einer gesetz­li­chen Mel­de­pflicht stär­ker in die Pflicht nehmen.

Zugleich sol­len Inter­net­nut­zer bes­ser vor Bedro­hun­gen und Het­ze geschützt wer­den: Das geht aus dem Gesetz­ent­wurf her­vor, der an die­sem Mitt­woch im Bun­des­ka­bi­nett beschlos­sen wer­den soll und über den die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe (Mitt­wochs­aus­ga­ben) berich­ten. Mit einem „Gesetz zur Bekämp­fung des Rechts­ex­tre­mis­mus und der Hass­kri­mi­na­li­tät” will die Poli­tik vor allem Frau­en und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker unter­stüt­zen, die etwa in sozia­len Netz­wer­ken mas­siv bedroht oder ver­leum­det werden.

„Frau­en sind in spe­zi­fi­scher Wei­se von Hass­re­de betrof­fen. Sie sind sexis­ti­schen Pöbe­lei­en und Ver­ge­wal­ti­gungs­dro­hun­gen aus­ge­setzt”, heißt es in dem Gesetz­ent­wurf. Dem­nach sol­len die Betrei­ber der gro­ßen Online-Platt­for­men wie Face­book, You­tube, Insta­gram, Twit­ter und Tik­tok per Gesetz künf­tig zur Mel­dung von Hass­kom­men­ta­ren ver­pflich­tet wer­den. Dies betref­fe etwa Bei­trä­ge, in denen mit schwe­ren Sexu­al­straf­ta­ten wie Ver­ge­wal­ti­gung gedroht wer­de, und die sich „gegen die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung, die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit oder die per­sön­li­che Frei­heit” richten.

In den Straf­tat­be­stand der Bedro­hung (Para­graf 241 StGB) wol­le die Bun­des­re­gie­rung zudem genau die­se Form der Angrif­fe, vor allem gegen Frau­en, auf­neh­men. Die Höchst­stra­fe für die Bedro­hung mit einem sol­chen Ver­bre­chen hebe die Bun­des­re­gie­rung zudem von einem auf zwei Jah­re Frei­heits­stra­fe an. „Pro­mi­nen­te Fäl­le von Poli­ti­ke­rin­nen, Jour­na­lis­tin­nen oder soge­nann­ten Netz-Akti­vis­tin­nen zei­gen anschau­lich, dass auf das Geschlecht zie­len­de Her­ab­wür­di­gun­gen und Dro­hun­gen von beson­de­rer Bedeu­tung sind”, schreibt das Justizministerium.

Auch Kom­mu­nal­po­li­ti­ker sol­len laut Gesetz­ent­wurf bes­ser vor rechts­ex­tre­mer Het­ze geschützt wer­den. Der Straf­tat­be­stand der „Üblen Nach­re­de und Ver­leum­dung gegen Per­so­nen des poli­ti­schen Lebens” wer­de künf­tig für Angrif­fe gegen Per­so­nen „bis hin zur kom­mu­na­len Ebe­ne” gel­ten. „In der der­zei­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­kul­tur im Netz ist nicht sel­ten ein ver­gif­te­ter und hass­erfüll­ter Ton fest­zu­stel­len, der wie­der­um ande­re Nut­zer davon abhält, ihre Mei­nung frei und offen zu äußern aus Angst, Opfer von Anfein­dun­gen oder Bedro­hun­gen zu wer­den”, heißt es in dem Ent­wurf weiter.

Schon seit 2017 müs­sen die gro­ßen Platt­form-Betrei­ber mit min­des­tens zwei Mil­lio­nen regis­trier­ten Nut­zern Mel­de­we­ge für Beschwer­den etwa über Hass­kom­men­ta­re ein­rich­ten und offen­sicht­lich rechts­wid­ri­ge Bei­trä­ge löschen. Damals führ­te die Bun­des­re­gie­rung das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz (NetzDG) ein. Mit dem nun refor­mier­ten Gesetz sind die gro­ßen Unter­neh­men wie Face­book und You­tube künf­tig auch ver­pflich­tet, straf­recht­lich rele­van­te Inhal­te an eine Zen­tral­stel­le beim Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) zu melden.

Eine „effek­ti­ve Straf­ver­fol­gung” set­ze vor­aus, dass die Ermitt­lungs­be­hör­den „zeit­nah” über gemel­de­te und gelösch­te Inhal­te infor­miert wür­den, heißt es in dem Ent­wurf. Die Netz­werk­be­trei­ber sol­len der Poli­zei laut Gesetz­ent­wurf die IP-Adres­se wei­ter­lei­ten, die der Ver­fas­ser des straf­recht­lich rele­van­ten Hass­kom­men­tars zuletzt genutzt hat­te. Auch Fäl­le, in denen Nut­zer kin­der­por­no­gra­fi­sches Mate­ri­al über die sozia­len Netz­wer­ke zugäng­lich machen, müss­ten die Betrei­ber dem BKA künf­tig mel­den. Das BKA lei­tet nach einer Prü­fung straf­recht­lich rele­van­te Mel­dun­gen an die zustän­di­gen Län­der­be­hör­den weiter.

Die Bun­des­re­gie­rung schät­ze, dass allein bei den bei­den Anbie­tern Twit­ter und You­tube künf­tig pro Jahr rund 150.000 Bei­trä­ge an die Sicher­heits­be­hör­den gemel­det wür­den. Zusam­men mit Face­book, Insta­gram und Tik­tok könn­te die Zahl der Mel­dun­gen pro Jahr bei rund 250.000 lie­gen, heißt es in dem Gesetz­ent­wurf, über den die Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe berich­ten. Face­book lösch­te bei­spiels­wei­se laut Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ins­ge­samt nur 165 Inhal­te im ers­ten Halb­jahr 2019 und 558 im zwei­ten Halb­jahr 2019, die unter die zukünf­ti­ge Mel­de­pflicht fal­len wür­den. Ver­sto­ßen die Online-Platt­for­men künf­tig gegen Mel­de­auf­la­gen, droh­ten ihnen Buß­gel­der bis zu 50 Mil­lio­nen Euro, heißt es in dem Entwurf.

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