Tai­wan: Bun­des­tag geht auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs zu China

Traffic Warden - Verkehrspolizist - Verkehrsposten - Politesse - Maske - ChinaFoto: Verkehrspolizist "Traffic Warden" in China, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Die Bun­des­re­gie­rung wird in einem gemein­sa­men Antrag dazu auf­ge­for­dert, Tai­wan wie­der an der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on zu beteiligen.

Die Abge­ord­ne­ten ver­lan­gen, dass sich die Regie­rung im Rah­men der deut­schen WHO-Mit­glied­schaft dafür ein­setzt, Ver­tre­tern des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums und der Gesund­heits­be­hör­den Tai­wans eine Teil­nah­me als Beob­ach­ter an der Welt­ge­sund­heits­ver­samm­lung zu gewäh­ren und ihnen einen Beob­ach­ter­sta­tus in wei­te­ren Gre­mi­en der WHO zu ermög­li­chen, berich­tet die „Welt” (Don­ners­tag­aus­ga­be). Der Antrag soll an die­sem Don­ners­tag im Ple­num beschlos­sen werden.

Es ist nach der Initia­ti­ve zur Lie­fe­rung schwe­rer Waf­fen in die Ukrai­ne inner­halb kür­zes­ter Zeit der zwei­te frak­ti­ons­über­grei­fen­de Antrag, mit dem das Par­la­ment der Regie­rung außen­po­li­ti­sche Hand­lungs­an­wei­sun­gen erteilt. Im Fall der Ukrai­ne ziel­te der Antrag auf Russ­land, im Fall Tai­wans geht der Bun­des­tag nun auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs zu Chi­na. Denn bis 2016 durf­te Tai­wan als Beob­ach­ter an der Welt­ge­sund­heits­ver­samm­lung teil­neh­men, so heißt es im Antrag, und hat­te jeden­falls teil­wei­se Zugang zu tech­ni­schen Brie­fings, Mecha­nis­men und Akti­vi­tä­ten der WHO. Dies änder­te sich durch eine Inter­ven­ti­on der Volks­re­pu­blik Chi­na, die unter Ver­weis auf ihre Ein-Chi­na-Poli­tik dafür sorg­te, dass Tai­wan seit 2017 aus­ge­schlos­sen wur­de. Das de fac­to poli­tisch unab­hän­gi­ge Tai­wan wird von der Volks­re­pu­blik Chi­na und deren Wie­der­ver­ei­ni­gungs­an­spruch immer stär­ker unter Druck gesetzt.

Neben mili­tä­ri­schen Droh­ge­bär­den nutzt Peking dabei wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Mit­tel sowie Cyber­an­grif­fe und Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen – und ver­hin­dert eben auch, dass Tai­wan Mit­glied der WHO wird. „Fra­gen der glo­ba­len Gesund­heit und der Pan­de­mie­be­kämp­fung sind nicht der rich­ti­ge Rah­men für die poli­ti­schen Macht­spie­le von Peking”, sag­te der außen­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, Ulrich Lech­te, der „Welt”. Obwohl Tai­wan diplo­ma­tisch iso­liert sei, habe es mit Spen­den von medi­zi­ni­schen Hilfs­gü­tern wie Mas­ken, Sauer­stoff­ge­ne­ra­to­ren und Impf­stof­fen einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ein­däm­mung der Covid-19-Pan­de­mie geleis­tet. „Auch in der WHO könn­te Tai­wan einen wesent­li­chen Bei­trag leis­ten”, so Lech­te: „Dass die WHO auf chi­ne­si­schen Druck hin die­ses Unter­stüt­zungs­an­ge­bot aus­schlägt, ist unver­ant­wort­lich und muss sich ändern”.

Auch der gesund­heits­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, Andrew Ull­mann, sieht die Zeit gekom­men, „dass Tai­wan wie­der an der Welt­ge­sund­heits­ver­samm­lung als Beob­ach­ter teil­neh­men kann. Davon wür­den alle pro­fi­tie­ren.” Die Coro­na-Pan­de­mie habe gezeigt, dass es im glo­ba­len Gesund­heits­netz­werk kei­ne Lücken geben dür­fe, sag­te Ull­mann: „Fra­gen der glo­ba­len Gesund­heit dür­fen nicht poli­ti­siert werden”.

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