Müns­ter: Kei­ne För­der­mit­tel für ambu­lan­te Betreuungsdienste

Justicia - Figur - Waage - Göttin der Gerechtigkeit - Justitia - GerichtFoto: Sicht auf Justitia, Urheber: dts Nachrichtenagentur

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­gen von zwei ambu­lan­ten Betreu­ungs­diens­ten aus dem Kreis Coes­feld abgewiesen.

Ambu­lan­te Betreu­ungs­diens­te erbrin­gen Leis­tun­gen der pfle­ge­ri­schen Betreu­ung und Hil­fen bei der Haus­halts­füh­rung, ins­be­son­de­re für demen­zi­ell erkrank­te Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, wie z.B. Hil­fen bei der zeit­li­chen und ört­li­chen Ori­en­tie­rung, Beglei­tung bei Spa­zier­gän­gen oder kul­tu­rel­len oder reli­giö­sen Ver­an­stal­tun­gen sowie Ein­kau­fen, Zube­rei­tung von Mahl­zei­ten oder Woh­nungs­rei­ni­gung. Sie erbrin­gen jedoch kei­ne kör­per­be­zo­ge­nen Pflegemaßnahmen.

Mit den Kla­gen mach­ten die Klä­ger unter ande­rem gel­tend: Der Bun­des­ge­setz­ge­ber habe Anfang 2013 das Sozi­al­ge­setz­buch (Elf­tes Buch) dahin­ge­hend geän­dert, dass die ambu­lan­ten Betreu­ungs­diens­te den Pfle­ge­diens­ten gleich­ge­stellt wor­den sei­en. Zwar habe es der Gesetz­ge­ber des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len bis­her ver­säumt, das Alten- und Pfle­ge­ge­setz Nord­rhein-West­fa­lens ent­spre­chend anzu­pas­sen. Hier­bei han­de­le es sich aber nicht um eine bewuss­te Ent­schei­dung des Lan­des­ge­setz­ge­bers, nur die Pfle­ge­diens­te und nicht auch die Betreu­ungs­diens­te zu för­dern. Selbst wenn der Lan­des­ge­setz­ge­ber die­ses Ziel vor Augen gehabt haben soll­te, lie­ge ein Ver­stoß gegen höher­ran­gi­ges Bun­des­recht vor.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Gericht jedoch nicht. In den Ent­schei­dungs­grün­den der Urtei­le heißt es unter ande­rem: Die gel­tend gemach­ten Inves­ti­ti­ons­kos­ten­pau­scha­len sei­en nach dem Alten- und Pfle­ge­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len nur für ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te vor­ge­se­hen. Um sol­che Diens­te han­de­le es sich bei den Klä­gern jedoch nicht. Pfle­ge­diens­te sei­en dadurch gekenn­zeich­net, dass sie unter stän­di­ger Ver­ant­wor­tung einer aus­ge­bil­de­ten Pfle­ge­fach­kraft Pfle­ge­be­dürf­ti­ge in ihrer Woh­nung mit sämt­li­chen Leis­tun­gen der häus­li­chen Pfle­ge­hil­fe ver­sorg­ten. Dem­ge­gen­über dürf­ten die Klä­ger mit ihren Fach­kräf­ten kei­ne kör­per­be­zo­ge­nen Pfle­ge­maß­nah­men erbrin­gen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger wür­den die ambu­lan­ten Betreu­ungs­diens­te von der För­de­rung nach dem Alten- und Pfle­ge­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len aus­drück­lich nicht erfasst. Dies recht­fer­ti­ge sich aus dem unter­schied­li­chen Leis­tungs­spek­trum der Pfle­ge- bzw. Betreu­ungs­diens­te. Wäh­rend ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te das gesam­te Leis­tungs­spek­trum der häus­li­chen Pfle­ge­hil­fe ein­schließ­lich der kör­per­be­zo­ge­nen Pfle­ge­maß­nah­men bedien­ten, sei­en ambu­lan­te Betreu­ungs­diens­te auf pfle­ge­ri­sche Betreu­ungs­maß­nah­men und Hil­fen bei der Haus­halts­füh­rung beschränkt. Es sei recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Land Nord­rhein-West­fa­len die Sicher­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gungs­struk­tur dadurch erfül­le, dass nur sol­che Ein­rich­tun­gen geför­dert wür­den, die eine pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung umfas­send erfül­len könn­ten. Es sei Sache des Gesetz­ge­bers zu ent­schei­den, ob zukünf­tig auch eine För­de­rung für ambu­lan­te Betreu­ungs­diens­te erfol­gen solle.

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