Aus­wär­ti­ges Amt wegen Chi­na-Stra­te­gie in der Kritik

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Der unter der Feder­füh­rung des Aus­wär­ti­gen Amts ent­stan­de­ne Ent­wurf für eine Chi­na-Stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung ruft Kri­tik her­vor. Ali­cia Hen­nig und Andre­as Ful­da, zwei inter­na­tio­nal renom­mier­te Chi­na-Exper­ten, bezeich­nen den Ent­wurf als „ernüch­ternd” und „viel zu vage”, schreibt der „Spie­gel”. Gemein­sam mit ande­ren Chi­na-For­schern haben die Wirt­schafts­ethi­ke­rin der TU Dres­den und der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler an der Uni­ver­si­ty of Not­ting­ham Hand­lungs­emp­feh­lun­gen an die Bun­des­re­gie­rung geschickt. 

Um die Sicher­heit der deut­schen Wis­sen­schaft zu garan­tie­ren und den Wis­sens­ab­fluss Rich­tung Chi­na zu begren­zen, for­dern sie etwa mehr Trans­pa­renz­pflich­ten und ein bun­des­wei­tes Regis­ter, in dem Uni­ver­si­tä­ten, For­schungs­ein­rich­tun­gen und Wis­sen­schaft­ler fest­hal­ten müs­sen, mit wem sie in Chi­na wie koope­rie­ren. Unab­hän­gi­ge Zusam­men­ar­beit sei „eine Illu­si­on”, war­nen die Exper­ten. Laut Bericht des „Spie­gel” sieht auch das Kanz­ler­amt Ver­bes­se­rungs­be­darf am Ent­wurf. In der Regie­rungs­zen­tra­le stößt man sich an der lan­gen Ein­lei­tung des Papiers, in der Chi­nas Poli­tik und die Men­schen­rechts­la­ge im Land scharf kri­ti­siert wer­den. „Chi­nas Han­deln wider­spricht in zen­tra­len Berei­chen unse­ren Wer­ten und Inter­es­sen wie auch den inter­na­tio­na­len Nor­men”, heißt es in dem Papier, über das der „Spie­gel” in der ver­gan­ge­nen Woche berich­tet hat­te. Das chi­ne­si­sche Außen­mi­nis­te­ri­um kri­ti­sier­te in einer Stel­lung­nah­me das deut­sche Ent­wurfs­pa­pier scharf. Laut des Berichts hat die chi­ne­si­sche Sei­te auf diplo­ma­ti­schem Wege aber bis­her kei­ne Schrit­te unter­nom­men, auf die Stra­te­gie Ein­fluss zu neh­men. Für Kon­tro­ver­sen zwi­schen Ber­lin und Peking sorgt der­weil der Betrieb soge­nann­ter Poli­zei­sta­tio­nen in Deutsch­land. Das Aus­wär­ti­ge Amt hat eine Ver­bal­no­te an die chi­ne­si­sche Bot­schaft in Ber­lin geschickt, eine offi­zi­el­le Reak­ti­on der Chi­ne­sen steht aber noch aus. Kri­tik am Ent­wurf der Chi­na-Stra­te­gie kommt auch aus der Uni­ons­frak­ti­on im Bun­des­tag. Als „mut­los” kri­ti­sier­te der CDU-Außen­po­li­ti­ker Rode­rich Kie­se­wet­ter den Ent­wurf. Zwar sei die Ana­ly­se zutref­fend, aber es fol­ge dar­aus „kei­ne Umset­zung in ein kon­kre­tes poli­ti­sches Pro­gramm, das ein sicher­heits­po­li­ti­sches Umden­ken wider­spie­geln wür­de”, sag­te Kie­se­wet­ter dem „Spie­gel”. Auch der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Johann Wade­phul zeigt sich skep­tisch. „Es bleibt abzu­war­ten, mit wel­cher abge­stimm­ten Chi­na­stra­te­gie die Bun­des­re­gie­rung schluss­end­lich auf den Markt kom­men wird”, sagt der CDU-Poli­ti­ker. „Die Bun­des­re­gie­rung hat sich bis­lang viel­stim­mig und wider­sprüch­lich in der Chi­na­po­li­tik gezeigt.”

Foto: ´Ver­bo­te­ne Stadt´ in Peking, über dts Nachrichtenagentur

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.