Wirt­schafts­wei­se: Abbau der kal­ten Pro­gres­si­on verschieben

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die neue Vor­sit­zen­de der Wirt­schafts­wei­sen, Moni­ka Schnit­zer, dringt auf eine stär­ke­re Belas­tung von Gut­ver­die­nen­den in der Kri­se. „Wir soll­ten den Abbau der kal­ten Steu­er­pro­gres­si­on, der die mitt­le­ren und hohen Ein­kom­men ent­las­tet, um ein Jahr ver­schie­ben”, sag­te die Münch­ner Öko­no­min den Zei­tun­gen der Fun­ke-Medi­en­grup­pe. „Dafür jetzt einen zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­trag in die Hand zu neh­men, wie der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter das plant, fin­de ich ver­kehrt. Wir soll­ten erst ein­mal die­je­ni­gen ent­las­ten, die es wirk­lich nötig haben.” 

Zugleich warn­te Schnit­zer vor Ein­spa­run­gen an fal­scher Stel­le: Inves­ti­tio­nen in Digi­ta­li­sie­rung oder erneu­er­ba­re Ener­gien dürf­ten nicht beschnit­ten wer­den. „Und ich hal­te auch nichts davon, bei den Sozi­al­aus­ga­ben zu kür­zen, solan­ge man Ent­las­tun­gen und Steu­er­erleich­te­run­gen für die Rei­chen – Stich­wort kal­te Pro­gres­si­on – auf den Weg bringt”, so die Vor­sit­zen­de des Sach­ver­stän­di­gen­rats Wirt­schaft. „Wenn wir so Poli­tik machen, droht uns ein Deba­kel, wie es die vor­über­ge­hen­de Pre­mier­mi­nis­te­rin Liz Truss in Groß­bri­tan­ni­en erlebt hat. Wir müs­sen uns sehr gut über­le­gen, wer die Las­ten der Kri­se tra­gen kann.” Als Alter­na­ti­ve zu einer Ver­schie­bung bei der kal­ten Pro­gres­si­on brach­te Schnit­zer eine Ver­dop­pe­lung des Soli­da­ri­täts­zu­schlags ins Gespräch. „Dann soll­ten wir einen Ener­gie­so­li ein­füh­ren – genau für den Zeit­raum, in dem die Ent­las­tungs­maß­nah­men grei­fen”, sag­te sie. „Ver­dop­pelt man zum Bei­spiel den Soli für den Auf­bau Ost, kommt man auf einen zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­trag im Jahr. Das bringt schon was und ist ver­kraft­bar für die Leu­te, die den Soli ent­rich­ten müssen.”

Foto: Finanz­amt, über dts Nachrichtenagentur

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