Erneut mehr Rege­l­in­sol­ven­zen beantragt

Wies­ba­den (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die Zahl der in Deutsch­land bean­trag­ten Rege­l­in­sol­ven­zen ist im Dezem­ber 2022 erneut gestie­gen. Sie war 3,1 Pro­zent höher als im Novem­ber, teil­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Mitt­woch mit. Im Novem­ber hat­te die Zahl um 1,2 Pro­zent gegen­über dem Vor­mo­nat zugelegt. 

Bei den Ergeb­nis­sen ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Ver­fah­ren erst nach der ers­ten Ent­schei­dung des Insol­venz­ge­richts in die Sta­tis­tik ein­flie­ßen. Der tat­säch­li­che Zeit­punkt des Insol­venz­an­trags liegt in vie­len Fäl­len annä­hernd drei Mona­te davor. Eben­falls bil­det die Insol­venz­sta­tis­tik nur Geschäfts­auf­ga­ben ab, die im Zuge eines Insol­venz­ver­fah­rens ablau­fen, nicht jedoch sol­che aus ande­ren Grün­den bezie­hungs­wei­se vor Ein­tritt aku­ter Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten. Nach end­gül­ti­gen Ergeb­nis­sen mel­de­ten die deut­schen Amts­ge­rich­te im Okto­ber 2022 ins­ge­samt 1.245 bean­trag­te Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen. Das waren 17,9 Pro­zent mehr als im Okto­ber 2021. Bereits im Sep­tem­ber war die Zahl um 17,6 Pro­zent ange­stie­gen, so die Sta­tis­ti­ker. Die vor­aus­sicht­li­chen For­de­run­gen der Gläu­bi­ger aus den im zehn­ten Monat des Jah­res gemel­de­ten Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen bezif­fer­ten die Amts­ge­rich­te auf rund 0,8 Mil­li­ar­den Euro. Im Okto­ber 2021 hat­ten die For­de­run­gen bei knapp 1,0 Mil­li­ar­den Euro gele­gen. Die meis­ten Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen gab es im Okto­ber 2022 im Bau­ge­wer­be mit 251 Fäl­len (Okto­ber 2021: 193; +30,1 Pro­zent). Es folg­te der Han­del (ein­schließ­lich Instand­hal­tung und Repa­ra­tur von Kraft­fahr­zeu­gen) mit 206 Ver­fah­ren (Okto­ber 2021: 160; +28,8 Pro­zent). Die Zahl der Ver­brau­cher­insol­ven­zen ging unter­des­sen im Okto­ber 2022 um 15,7 Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat zurück. Die­se Ent­wick­lung ist jedoch im Zusam­men­hang mit einem seit Mit­te 2020 in Kraft getre­te­nen Gesetz zur schritt­wei­sen Ver­kür­zung von Rest­schuld­be­frei­ungs­ver­fah­ren zu sehen. Die Neu­re­ge­lung gilt für seit dem 1. Okto­ber 2020 bean­trag­te Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren. Sie ermög­licht den Betrof­fe­nen einen schnel­le­ren wirt­schaft­li­chen Neu­an­fang im Anschluss an ein Insol­venz­ver­fah­ren. Daher ist davon aus­zu­ge­hen, dass vie­le über­schul­de­te Pri­vat­per­so­nen ihren Insol­venz­an­trag zunächst zurück­ge­hal­ten haben, um von der Neu­re­ge­lung pro­fi­tie­ren zu kön­nen, so das Bun­des­amt. Die­ser Nach­hol­ef­fekt sorg­te ab Anfang 2021 für einen star­ken Anstieg der Ver­brau­cher­insol­ven­zen und scheint inzwi­schen beendet.

Foto: Förm­li­che Zustel­lung, über dts Nachrichtenagentur

Anmer­kun­gen zum Bei­trag? Hin­weis an die Redak­ti­on sen­den.