Grü­ne atta­ckie­ren Wis­sing im Atom-Streit

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Im Koali­ti­ons­streit über län­ge­re Atom-Lauf­zei­ten kri­ti­sie­ren die Grü­nen im Bun­des­tag die Offen­heit von Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wis­sing (FDP) für einen Wei­ter­be­trieb der ver­blie­be­nen Reak­to­ren ent­ge­gen der Richt­li­ni­en­ent­schei­dung von Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz (SPD). „Statt die Richt­li­ni­en­ent­schei­dung und die dar­aus resul­tie­ren­den Beschlüs­se des Kabi­netts zum Atom­aus­stieg infra­ge zu stel­len, soll­te der Ver­kehrs­mi­nis­ter end­lich sei­ne Haus­auf­ga­ben machen. Damit hat er genug zu tun”, sag­te der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Bun­des­tag­frak­ti­on, Ste­fan Gelb­haar, der „Welt”.

Mit Blick dar­auf, dass der Ver­kehrs­sek­tor die deut­schen Kli­ma­schutz­zie­le bis­her nicht erreicht hat, sag­te Gelb­haar: „Der Ver­kehrs­sek­tor ver­letzt die gesetz­li­chen Kli­ma­schutz­vor­ga­ben wie­der und wie­der, ist von den Kli­ma­zie­len mei­len­weit ent­fernt.” Es sei daher „unbe­dingt erfor­der­lich”, dass Wis­sing nun schnell hand­le, so der Grü­nen-Poli­ti­ker. „Ambi­tio­nier­te und wirk­sa­me Maß­nah­men für eine Antriebs­wen­de bei Pkw und Lkw, eine ech­te Stär­kung des Schie­nen­ver­kehrs, des Rad­ver­kehrs und des ÖPNV muss Wis­sing vor­le­gen und umset­zen.” Der Ver­kehrs­mi­nis­ter hat­te zuletzt mehr­fach den Atom­aus­stieg infra­ge gestellt und dies mit dem stei­gen­den Strom­be­darf durch einen grö­ße­ren Anteil von Elek­tro­au­tos begrün­det. Die­sem Argu­ment wider­spricht Gelb­haar: „Atom­kraft­wer­ke wer­den Wis­sing bei der Errei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le nicht ein biss­chen hel­fen. Der Auf­wuchs der Elek­tro­mo­bi­li­tät und der ent­spre­chend stei­gen­de Strom­be­darf konn­te bis­her und wird auch in den nächs­ten Jah­ren durch den Auf­wuchs an erneu­er­ba­ren Ener­gien bewäl­tigt wer­den.” Zudem, so der Ver­kehrs­po­li­ti­ker, könn­ten und müss­ten für die Elek­tro­mo­bi­li­tät unge­nutz­te Poten­zia­le beim Strom aus Wind­kraft­wer­ken geho­ben wer­den. „Gera­de der bis­lang abge­re­gel­te Wind­strom von bis zu enor­men drei Pro­zent im Jah­res­durch­schnitt könn­te künf­tig in die Bat­te­rien von Elek­tro­au­tos flie­ßen und dort gespei­chert wer­den. Dazu muss der Minis­ter die Lade­infra­struk­tur ent­spre­chend rasch und kon­se­quent aus­bau­en.” Außer­dem sol­le Wis­sing bes­se­re Mög­lich­kei­ten dafür schaf­fen, dass Strom aus Bat­te­rien zurück ins Netz ein­ge­speist wird, wenn er im Fahr­zeug aktu­ell nicht gebraucht wird. „Mit Strom aus Bat­te­rien von Elek­tro­au­tos lässt sich ein gro­ßer Bei­trag zu Netz­sta­bi­li­tät und Strom­spei­che­rung leis­ten”, sag­te Gelb­haar. „Das setzt vor­aus, dass Vol­ker Wis­sing auch sei­ne Rol­le als Digi­tal­mi­nis­ter annimmt, denn hier kann und muss er eine Men­ge bewegen.”

Foto: Atom­kraft­werk, über dts Nachrichtenagentur

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