Gut­ach­ten: Steu­er­vor­schrif­ten blo­ckie­ren Energiewende

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Der kli­ma­ge­rech­te Umbau der Wirt­schaft in Deutsch­land wird durch wider­sprüch­li­che Steu­er­an­rei­ze immer wie­der behin­dert. Zu die­sem Ergeb­nis kommt ein Gut­ach­ten des Forums Öko­lo­gisch-Sozia­le Markt­wirt­schaft (FÖS) im Auf­trag der Ber­tels­mann-Stif­tung, über das die „Süd­deut­sche Zei­tung” (Mitt­wochs­aus­ga­be) berich­tet. Statt die Ener­gie­wen­de zu beför­dern, setz­ten die gel­ten­den Steu­er­vor­schrif­ten „viel­fach Fehl­an­rei­ze und hem­men Inno­va­tio­nen im Bereich nach­hal­ti­ger Tech­no­lo­gien”, heißt es in der Studie. 

„Klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men müs­sen sich der­zeit ohne­hin schon mit einer Unmen­ge von Auf­ga­ben und Pro­ble­men her­um­schla­gen – von gestör­ten Lie­fer­ket­ten über hohe Zin­sen, explo­die­ren­de Ener­gie­prei­se und feh­len­de Fach­kräf­te bis zur not­wen­di­gen Digi­ta­li­sie­rung. Da soll­te wenigs­tens die Steu­er­po­li­tik strin­gent sein”, so Mar­cus Wort­mann, Wirt­schafts­exper­te bei der Ber­tels­mann-Stif­tung. Die Rea­li­tät jedoch sieht anders aus. So unter­schei­det etwa die Strom­steu­er nicht danach, ob der Strom mit Hil­fe fos­si­ler oder rege­ne­ra­ti­ver Trä­ger pro­du­ziert wur­de. Sie bie­tet damit für die Kun­den kei­ner­lei Anreiz, auf eine Öko­va­ri­an­te umzu­stei­gen. Bei der Ener­gie­steu­er kon­sta­tie­ren die Exper­ten gar eine umge­kehr­te Anreiz­wir­kung: Kli­ma­schäd­li­che­rer Die­sel wird nied­ri­ger besteu­ert als Ben­zin, Heiz­öl – bezo­gen auf die Emis­sio­nen – nied­ri­ger als Erd­gas. Deut­li­che Kri­tik üben die Autoren der Stu­die auch an den Pro­gram­men für den Auf­bau einer Kreis­lauf­wirt­schaft in Deutsch­land. Sie sol­len eigent­lich zur Res­sour­cen­scho­nung bei­tra­gen und den Roh­stoff­ein­satz ver­rin­gern. Aber: „Prio­ri­tä­ten, Indi­ka­to­ren und Zie­le wider­spre­chen sich teil­wei­se”, heißt es in der Stu­die. Das habe zur Fol­ge, dass der Roh­stoff­ver­brauch hier­zu­lan­de knapp zehn Pro­zent über dem euro­päi­schen und sogar fast 100 Pro­zent über dem welt­wei­ten Durch­schnitt lie­ge. Um die Ener­gie­wen­de vor­an­zu­brin­gen und die Kos­ten zu sen­ken, schla­gen die FÖS-Exper­ten unter ande­rem die steu­er­li­che För­de­rung eines betrieb­li­chen Res­sour­cen­ma­nage­ments sowie die Ein­füh­rung einer Pri­mär­bau­stoff­steu­er vor. Sie wür­de Neu-Roh­stof­fe ver­teu­ern und Roh­stoff­re­cy­cling damit wirt­schaft­lich erheb­lich attrak­ti­ver machen.

Foto: Finanz­amt, über dts Nachrichtenagentur

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