Kas­sen-Spit­zen­ver­band fürch­tet Mil­li­ar­den-Defi­zit in der Pflege

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Der Vor­stand des Kas­sen-Spit­zen­ver­ban­des, Ger­not Kie­fer, hat vor Mil­li­ar­den-Löchern in der gesetz­li­chen Pfle­ge­ver­si­che­rung gewarnt und Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach (SPD) Untä­tig­keit vor­ge­wor­fen. Zum Jah­res­en­de wer­de in der Pfleg­ver­si­che­rung ein Defi­zit von 2,2 Mil­li­ar­den Euro auf­lau­fen, sag­te Kie­fer dem „Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land” (Mitt­woch­aus­ga­ben). Die Liqui­di­täts­re­ser­ve sin­ke auf rund 5,7 Mil­li­ar­den Euro und lie­ge damit rund 1,2 Mil­li­ar­den Euro unter der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Höhe. 

Damit sei eine Anhe­bung des Bei­trags­sat­zes zum 1. Janu­ar 2023 um 0,3 Pro­zent­punk­te drin­gend not­wen­dig gewe­sen. „Die Ampel­ko­ali­ti­on hat jedoch ent­schie­den, nicht zu ent­schei­den. Eine soli­de und nach­hal­ti­ge Poli­tik sieht anders aus”, kri­ti­sier­te Kie­fer. Kie­fer sag­te, die finan­zi­el­le Lage sei sogar „noch dra­ma­ti­scher, als es auf den ers­ten Blick erscheint”. Schließ­lich beinhal­te die Finanz­re­ser­ve bereits ein Dar­le­hen des Bun­des von einer Mil­li­ar­de Euro, das bis Ende 2023 an den Bund zurück­ge­zahlt wer­den müs­se. Zwar kön­ne man mit „Zah­len­akro­ba­tik” die Finanz­pro­ble­me noch eini­ge Mona­te vor sich her­schie­ben. „Nach unse­ren Pro­gno­sen sind aber spä­tes­tens im zwei­ten Halb­jahr die Finanz­re­ser­ven mas­siv in den Kel­ler gefah­ren”, so Kie­fer. Je län­ger die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen aus­blie­ben, des­to grö­ßer wür­den die Pro­ble­me. „So kann man nicht ewig wei­ter­ma­chen, dann fährt die Pfle­ge­ver­si­che­rung gegen die Wand”, mahn­te er. Die Lösung der mas­si­ven Finanz­pro­ble­me und die gleich­zei­ti­ge Umset­zung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bis Ende Juli ver­lang­ten Staf­fe­lung des Bei­trags­sat­zes je nach Kin­der­zahl wür­den für Gesund­heits­mi­nis­ter Lau­ter­bach zum „Ritt auf der Rasier­klin­ge”. Kie­fer rech­net damit, dass die Umset­zung des Urteils dazu füh­ren wer­de, dass Kin­der­lo­se „deut­lich mehr” zah­len müss­ten. Zwar han­de­le es sich um eine fami­li­en­po­li­ti­sche Leis­tung, die aus Steu­er­mit­teln finan­ziert wer­den soll­te. „Aber die Ampel­ko­ali­ti­on hat erkenn­bar nicht die Absicht, dafür Geld aus dem Bun­des­haus­halt zur Ver­fü­gung zu stel­len.” Des­halb erwar­te er, dass es inner­halb der Pfle­ge­ver­si­che­rung eine Umver­tei­lung geben müs­se. Kie­fer for­der­te zudem, die Eigen­be­tei­li­gung der Bewoh­ner von Pfle­ge­hei­men erneut zu abzu­sen­ken. Die noch von der gro­ßen Koali­ti­on beschlos­se­ne Ent­las­tung sei teil­wei­se wie­der durch die stark gestie­ge­nen Kos­ten auf­ge­fres­sen wor­den. Schließ­lich gin­gen die über­fäl­li­gen Lohn­stei­ge­run­gen in der Pfle­ge voll zu Las­ten der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen. Die Belas­tung sei zu hoch: „Wer kann schon über 2.000 Euro pro Monat mit einer nor­ma­len Ren­te bezah­len?”, frag­te der Vor­stand des Kas­sen-Spit­zen­ver­ban­des. „Es ist drin­gend nötig, dass die Poli­tik an die Fra­ge der Eigen­be­tei­li­gung noch ein­mal ran­geht”, so Kiefer.

Foto: Senio­rin im Roll­stuhl, über dts Nachrichtenagentur

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