Leih­ar­beits­kräf­te bekom­men meis­tens kei­ne regu­lä­re Stelle

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Die Mehr­heit der Men­schen in Leih­ar­beit lan­det nach dem Ende ihres Jobs nicht in einer regu­lä­ren Stel­le. Das zei­gen neue Zah­len, die das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um auf eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge der Lin­ken hin her­aus­ge­ge­ben hat. Die „Süd­deut­sche Zei­tung” berich­tet in ihrer Diens­tag­aus­ga­be darüber. 

Drei Mona­te nach dem Ende des Leih­ar­beits­jobs ergibt sich dem­nach fol­gen­des Bild: Gut ein Drit­tel (37 Pro­zent) fand eine regu­lä­re, sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Stel­le, fast genau­so vie­le (34 Pro­zent) waren arbeits­los, annä­hernd jeder und jede Vier­te (23 Pro­zent) war wie­der bei einer Leih­ar­beits­fir­ma ange­stellt. Ande­re (5,4 Pro­zent) set­zen ihre Berufs­lauf­bahn mit einem Mini­job fort. Die gro­ße Mehr­heit der Zeit­ar­bei­ter (61 Pro­zent) bekommt den Regie­rungs­an­ga­ben zufol­ge einen Nied­rig­lohn. Die Schwel­le hier­für lag bei einer Voll­zeit­stel­le im bun­des­wei­ten Schnitt bei 2.344 Euro im Monat. Von allen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten erhielt hin­ge­gen nicht ein­mal jeder Fünf­te (18 Pro­zent) den Nied­rig­lohn. Die bei­den Grup­pen unter­schie­den sich aller­dings „erheb­lich”, schreibt das Arbeits­mi­nis­te­ri­um. So übe gut die Hälf­te der Leih­ar­bei­ter zum Bei­spiel eine Hel­fer­tä­tig­keit aus, „die im All­ge­mei­nen eine nied­ri­ge­re Ent­loh­nung mit sich bringt”. Den­noch lässt sich fest­hal­ten, dass Zeit­ar­beits­stel­len meist gering ent­lohn­te Stel­len sind. Hin­zu kommt, dass Leih­ar­beits­ver­hält­nis­se meist nicht lan­ge hal­ten. Für mehr als drei Vier­tel (77 Pro­zent) der Beschäf­tig­ten war spä­tes­tens nach neun Mona­ten Schluss, nicht ein­mal jede zehn­te Kraft war län­ger als ein­ein­halb Jah­re auf der Zeit­ar­beits­stel­le ange­stellt. Laut Gesetz dür­fen Leih­ar­beits­kräf­te nur 18 Mona­te auf der­sel­ben Stel­le ein­ge­setzt wer­den, damit sie kei­ne regu­lä­ren Arbeits­plät­ze ver­drän­gen. Eini­ge Tarif­ver­trä­ge erlau­ben aller­dings eine deut­lich län­ge­re Dau­er. Die Lin­ken-Frak­ti­ons­vi­ze Susan­ne Fer­schl kri­ti­siert dies scharf. „Leih­ar­beit­neh­mer sind und blei­ben Beschäf­tig­te zwei­ter Klas­se”, sag­te sie der SZ. Schäd­lich sei­en ins­be­son­de­re die Aus­nah­men in den Tarif­ver­trä­gen, etwa zur Dau­er der Beschäf­ti­gung. „Wenn aber aus­ge­rech­net Tarif­ver­ein­ba­run­gen zu einer Schlech­ter­stel­lung für die Beschäf­tig­ten in der Arbeit­neh­mer­über­las­sungs-Bran­che füh­ren, wird letzt­lich das gan­ze Tarif­sys­tem per­ver­tiert”, sag­te Fer­schl. Leih­ar­beits­kräf­te müss­ten vom ers­ten Tag an bezahlt wer­den wie regu­lär Beschäftigte.

Foto: Rei­ni­gungs­kraft in einer U‑Bahn-Sta­ti­on, über dts Nachrichtenagentur

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