Nur weni­ge Selbst­stän­di­ge ver­si­chert gegen Arbeitslosigkeit

Ber­lin (dts Nach­rich­ten­agen­tur) – Trotz der für vie­le Betrie­be exis­tenz­be­dro­hen­den Coro­na­kri­se ver­zich­tet die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der Selbst­stän­di­gen in Deutsch­land wei­ter­hin auf eine frei­wil­li­ge Absi­che­rung in der gesetz­li­chen Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung. Das geht aus der Ant­wort des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums auf eine Klei­ne Anfra­ge der Links­frak­ti­on her­vor, über die die „Rhei­ni­sche Post” in ihrer Don­ners­tag­aus­ga­be berich­tet. Dem­nach sind nur zwei Pro­zent aller Selbst­stän­di­gen oder rund 70.000 Klein­un­ter­neh­mer gegen Arbeits­lo­sig­keit abgesichert. 

Die Zahl der ver­si­cher­ten Unter­neh­mer ist auch nach dem Coro­na-Aus­bruch vor drei Jah­ren nicht gestie­gen, obwohl die Pan­de­mie vie­le Selbst­stän­di­ge, ins­be­son­de­re Dienst­leis­ter, in Exis­tenz­not stürz­te. 2006 waren noch sie­ben Pro­zent der Unter­neh­mer frei­wil­lig in der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung. Selbst­stän­di­ge haben anders als abhän­gig Beschäf­tig­te kein Anrecht auf Kurz­ar­bei­ter­geld. Wäh­rend der Pan­de­mie muss­ten in Not gera­te­ne Selbst­stän­di­ge daher Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung (Hartz IV) bean­tra­gen. Die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung wäre für vie­le Betrof­fe­ne die bes­se­re Alter­na­ti­ve gewe­sen. Doch auch aktu­ell wol­len nur etwa 3.000 bis 4.000 Grün­der die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung bean­tra­gen, heißt es in der Ant­wort des Minis­te­ri­ums. Frei­wil­lig ver­si­cher­te Selbst­stän­di­ge zah­len im Schnitt knapp 79 Euro pro Monat. Im Ver­si­che­rungs­fall bezie­hen sie ein unter­schied­lich hohes Arbeits­lo­sen­geld, dif­fe­ren­ziert nach vier Qua­li­fi­ka­ti­ons­stu­fen von 947 Euro (kei­ne Aus­bil­dung, kei­ne Kin­der) bis zu 1.700 Euro pro Monat (Hoch-/ Fach­hoch­schu­le, kei­ne Kin­der). „Wäh­rend abhän­gig Beschäf­tig­te ihren Lebens­stan­dard zumin­dest für eine kur­ze Zeit über Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung und Kurz­ar­beit absi­chern kön­nen, fehlt das Selbst­stän­di­gen im Not­fall”, sag­te Lin­ken-Poli­ti­ke­rin Jes­si­ca Tat­ti. Klei­nen Selbst­stän­di­gen, die schon im Nor­mal­fall gera­de so über den Monat kämen, blie­be dann nur noch der Gang zum Job­cen­ter. „Die Coro­na-Pan­de­mie hat das scho­nungs­los klar gemacht”, so Tat­ti. Die Bun­des­re­gie­rung dür­fe davor nicht wei­ter die Augen ver­schlie­ßen. „Selbst­stän­di­ge soll­ten obli­ga­to­risch der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ange­hö­ren, zu Bei­trä­gen, die sie sich leis­ten kön­nen. Auch das Kurz­ar­bei­ter­geld muss für Selbst­stän­di­ge zugäng­lich gemacht wer­den”, for­der­te sie.

Foto: Bun­des­agen­tur für Arbeit, über dts Nachrichtenagentur

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